Geplante Werksschließung

"Management tritt 90 Jahre Tradition aus Rosenheim mit Füßen": 24 Stunden Streik bei Danone

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Warnstreik der NGG bei Danone in Rosenheim am 30. Juni. 
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    vonMoritz Kircher
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Die Beschäftigten des Danone-Werkes in Rosenheim sind zu einem 24-stündigen Streik aufgerufen. Ab Dienstag (30. Juni) sollen alle drei Schichten die Arbeit niederlegen, um bei der geplanten Werksschließung den Druck auf die Geschäftsleitung zu erhöhen.

Update 30. Juni 

Danone-Mitarbeiter protestieren gegen Werksschließung 

Rund 30 Beschäftigte des Rosenheimer Danone-Werks haben am Dienstag die Arbeit niedergelegt, um gegen die Werkschließung und für höhere Abfindungen zu demonstrieren. 

Mit Plakataufschriften wie „Ohne gerechten Sozialtarif in die Altersarmut“ oder „Management tritt 90 Jahre Tradition aus Rosenheim mit Füßen“ machten die Mitarbeiter ihrem Ärger über das Aus des Standorts Luft. Mehrere Funktionäre der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatten sich zum Start des 24-Stunden-Streiks per Video zu Wort gemeldet und sich mit den Streikenden solidarisiert. 

Kein Verständnis für den Ausstand zeigte die Unternehmensleitung, da der Betriebsrat nach Angaben von Tanja Neuser, Personaldirektorin bei Danone, einen weiteren Verhandlungstermin über den Sozialplan abgelehnt hatte. Neuser: „Unser erstes Angebot für den Sozialplan lag bereits weit über einem am Markt üblichen Angebot und wir hoffen, dass der Betriebsrat bald wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt.“ 

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Update 29. Juni

24 Stunden Streik im Rosenheimer Danone-Werk

„Selbst in der Coronakrise arbeitet der Standort profitabel. Unter den 160 Mitarbeitern herrscht Wut über die geplante Werksschließung und das Verhalten der Unternehmensführung“, sagt Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG-Region Rosenheim-Oberbayern. Der Konzern begründet die geplante Werksschließung bislang mit der fehlenden Auslastung des Standortes Rosenheim.

An Dienstag treten die Beschäftigten im Rosenheimer Werk des französischen Lebensmittelkonzerns deshalb erneut in den Ausstand. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Ziel des 24-stündigen Streiks sei es, den Druck auf die Geschäftsleitung zu erhöhen. Die NGG fordert das Unternehmen auf, endlich ein Angebot vorzulegen, um gemeinsam mit den Verhandlungen eines Sozialtarifvertrags beginnen zu können.

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„Darin sollen höhere Abfindungen und Weiterbildungsmöglichkeiten geregelt werden. Denn der bisher von Danone angebotene Sozialplan reicht aus Sicht der Belegschaft nicht aus“, berichtet Schneider. Die Schließung treffe vor allem ältere Mitarbeiter. Der 24-stündige Streik umfasse nun alle drei Arbeitsschichten im Werk. Gewerkschaft und Belegschaft seien zu weitergehenden Maßnahmen bereit, sollte sich die Konzernspitze weiterhin taub stellen.

Das Unternehmen hatte im Januar angekündigt, das Werk in Rosenheim bis Juli kommenden Jahres zu schließen. In Oberbayern lässt Danone insbesondere Quark-Joghurt-Cremes herstellen. Außerdem laufen Obstgarten-Quarks und Hüttenkäse vom Band. Nach NGG-Informationen konnte der Standort die Produktionsvorgaben des Managements trotz Corona zuletzt sogar deutlich übertreffen, heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft.

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Update 4. Juni

Stadt fordert: Lebensmittelprodiktion am Standort erhalten

160 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs, wenn die Firma Danone, wie im Januar angekündigt, ihren Standort in Rosenheim schließen wird. Rund 50 Beschäftigte machten am Mittwoch ihrem Ärger Luft und streikten mit Unterstützung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vor dem Werkstor des Konzerns. Als gerechten Ausgleich forderten sie einen Sozialtarifvertrag.

Streikende Danone-Mitarbeiter vor dem Werk in Rosenheim protestieren gegen die geplante Schließung.

Zur geplanten Werkschließung in Rosenheim nahm nun auch die Stadt Rosenheim Stellung. Pressesprecher Thomas Bugl erklärte auf Anfrage der OVB Heimatzeitungen, dass es in einer wirtschaftlich ohnehin schwierigen und unsicheren Zeit „absolut legitim“ sei, dass die Beschäftigten der Firma Danone auf ihre Sorgen um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze aufmerksam machen.

Die Stadt Rosenheim stehe im kontinuierlichen Austausch mit der Unternehmensleitung, erklärt Bugl. „Aus diesen Gesprächen ist bekannt, dass es den Verantwortlichen bei Danone ein ganz wichtiges Anliegen ist, ihren Beschäftigten eine Zukunftsperspektive zu bieten. Aus Gesprächen mit dem Betriebsrat sind auch die Anliegen der Beschäftigen bekannt.“

Laut Bugl hat die Stadt mit der Betriebsleitung vereinbart, geeignete Stellenausschreibungen aus der Verwaltung und den Tochterunternehmen an Danone weiterzuleiten: „Für die Stadt hat die Fortführung der Lebensmittelproduktion am Danone-Standort erste Priorität“, so der Pressesprecher. Falls dies nicht möglich sein sollte, müsse zumindest das Areal als Gewerbestandort erhalten werden. Das, so Bugl, sei die Voraussetzung dafür, den Danone-Beschäftigten am angestammten Standort eine weitere berufliche Perspektive zu ermöglichen

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Update 3. Juni

Rosenheim – Der Situation der Arbeiter im Rosenheimer Danone-Werk ist bis zum Bundesvorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vorgedrungen. Am Mittwoch, 3. Juni, um 10 Uhr setzten sich die Mitarbeiter von Danone vor dem Werkstor mithilfe er Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zur Wehr. Ihre Forderung: Ein fairer Sozialtarifvertrag. Per Video dabei: der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann.

Gewerkschaften wollen sich nicht mit Werksschließung abfinden

Solidarisch zeigten sich auch der bayerische NGG-Landeschef Mustafa Öz und die stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, Dr. Verena Di Pasquale: Per Video-Konferenz richteten sie einige Worte an die streikenden Arbeiter.

Eröffnet wurde der Streik von Gewerkschaftssekretär Manuel Halbmeier, der darauf aufmerksam machte, dass der Streik bis 18 Uhr andauere. Er appellierte an die Mitarbeiter, sich nicht einschüchtern zu lassen und keine Arbeiten zu verrichten.

Streik mit Abstand und Maske: Die Rosenheimer Danone-Belegschaft wehrt sich gegen die Pläne des Unternehmens, den Standort Rosenheim zu schließen.

Nachdem sich noch Betriebsratsvorsitzender Andreas Geltinger zu Wort meldete, und Danone den Kampf ansagte, übernahm Reiner Hoffmann das Wort und versicherte: „Ihr seid in eurem Kampf nicht alleine.“ Das Werk in Rosenheim müsse gesichert werden, so Hoffmann. Denn es sei überlebensfähig. 

NGG-Landeschef Öz: „Die Taschen von Danone sind voll“

Auch Mustafa Öz ergänzte: „Danone geht es gut.“ 2020 habe das Unternehmen im ersten Quartal etwa 6,24 Milliarden Umsatz gemacht. Und das nur, weil die Mitarbeiter trotz Corona in die Arbeit gegangen seien. „Die Taschen von Danone sind voll“, sagte Öz. Und dass die Arbeiter keine ordentlichen Abfindungen bekämen sei eine „riesen Sauerei“. Der NGG-Landeschef versicherte: „Wir stehen hinter euch.“

Dr. Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, warf Danone vor, sich selbst als Unternehmen darzustellen, das auf Menschlichkeit setze. Das aber sei „nichts anderes als blanker Hohn. Wo ist denn die Menschlichkeit?“ Von leeren Sprüchen könne man sich nichts kaufen.

Diesem Statement schloss sich auch Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG-Region Rosenheim-Oberbayern, an: „Wir werden ihnen die Maske von der Fratze reißen“, sagte er und weiter: „Wir müssen Danone den Spiegel vor das Gesicht halten. Sie müssen wissen, was sie angestellt haben.“ Der Konzern denke immer noch, er könne die Arbeiter mit einem Sozialplan abspeisen: „Den Zahn werden wir ihnen ziehen“, versprach er.

Danone hält an Plan zur Werksschließung in Rosenheim fest

"Wir sind gesprächsbereit auch mit der Gewerkschaft, aber Priorität hat für uns die Verhandlung mit dem Betriebsrat", sagte Unternehmenssprecherin Susanne Knittel. Diesem sei vor drei Monaten ein Vorschlag zu einem Sozialplan vorgelegt worden, der unter anderem das Angebot einer Abfindung, einer Transfergesellschaft sowie einer 70-prozentigen Gehaltsfortzahlung für Mitarbeiter ab 58 Jahren bis zu ihrem frühest möglichen Renteneintritt vorsehe.

Seitens des Betriebsrates gebe es bisher keinen Gegenvorschlag. "Für uns steht der Sozialplan an erster Stelle, da in diesem alle Mitarbeiter berücksichtigt sind, nicht nur diejenigen, die in der Gewerkschaft organisiert sind", so die Unternehmenssprecherin. (Mit Material von dpa/Landesdienst Bayern)

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Update 2. Juni, 16.45 Uhr

Rosenheimer Beschäftigte streiken

Punkt 10 Uhr wollen die Beschäftigten des Rosenheimer Danone-Werks am Mittwoch, 3. Juni, in Ausstand treten. Nach der Ankündigung der Konzernleitung, das Wert im Sommer 2021 zu schließen, wollen sie mit dem Streik der Forderung nach einem Sozialtarifvertrag Nachdruck verleihen.

Schließung 2021 geplant

Nach der Ankündigung der Danone GmbH im Januar, das Werk in Rosenheim zum 31. Juni 2021 zu schließen, werden die Mitarbeiter am Mittwoch erneut eine Reaktion zeigen: Ab 10 Uhr treten die Beschäftigten des französischen Lebensmittelkonzerns im Rosenheimer Werk in den Ausstand.

Zu Beginn des Streiks melden sich per Video-Konferenz auch der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann und der bayerische NGG-Landeschef Mustafa Öz zu Wort. Ziel des Streiks: Die Geschäftsleitung soll zum Abschluss eines Sozialtarifvertrags bewegt werden, berichtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in einer Pressemitteilung.

In dem Vertragswerk sollen „höhere Abfindungen und Weiterbildungsmöglichkeiten geregelt werden“, sagt Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG-Region Rosenheim-Oberbayern. Aus Sicht der Belegschaft reiche der von Danone angebotene Sozialplan nicht aus: „Danone muss sich bewusst sein, dass durch die Schließung überdurchschnittliche Kosten entstehen.“

Nur noch „dürftige“ Job-Perspektiven 

Insbesondere ältere Beschäftigte seien von der Schließung betroffen: 93 der insgesamt 160 Mitarbeiter seien am Tag der Schließung älter als 50 Jahre, und hätten – kurz vor dem Ruhestand – nur noch „dürftige“ Job-Perspektiven, vermutet Schneider. Auch für die restlichen Mitarbeiter sei die berufliche Zukunft unklar: „In der Milchbranche werden zwar immer wieder Fachkräfte gesucht, allerdings nicht in diesem Umfang“, so Schneider. Als Ausgleich fordert man nun höhere Abfindungen.

Keine Stellungnahme zur Summenhöhe 

Um welche Summenvorstellung es sich dabei genau handelt, dazu wollte Schneider nichts sagen. Auch seien die einzelnen Modalitäten eines Sozialtarifplanes noch nicht entschieden: „Klar ist aber, wir wollen die sozialen Härten mildern. Und zwar in vollem Umfang“, macht der Geschäftsführer deutlich. Diesbezüglich habe man vom Arbeitgeber noch kein Angebot erhalten, im Gegenteil: Er habe weitere Verhandlungen zu einem Sozialtarifplan abgelehnt.

Meldet sich per Video zu Wort: DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann.

„Wir möchten alle unsere Mitarbeiter dabei unterstützen, bald eine gute neue berufliche Perspektive zu entwickeln“, sagt Susanne Knittel, Sprecherin der Danone GmbH. Und dazu gehöre auch ein „fairer Sozialplan“, der zusammen mit dem Betriebsrat aufgestellt werden soll. „Für uns steht der Sozialplan an erster Stelle, da in diesem alle Mitarbeiter berücksichtigt sind, nicht nur diejenigen , die in der Gewerkschaft organisiert sind.“

Sozialplan wird Ende Juni wieder verhandelt

Anfang März habe man ein „sehr gutes Angebot“ unterbreitet. Dieses umfasse das Angebot einer Transfergesellschaft, die allen Mitarbeitern eine feste Anstellung über den Zeitpunkt der Schließung des Werkes hinaus gewährleiste, sowie das Angebot eines Brückenmodells für Mitarbeiter ab bereits 58 Jahren mit 70 Prozent ihres bisherigen monatlichen Gehalts bis zu ihrem jeweiligen frühesten Renteneintritt. Inkludiert sei auch eine „sehr faire“ Abfindung für alle Mitarbeiter, sagt Knittel. Bislang habe man keinen Gegenvorschlag seitens des Betriebsrats erhalten. Der nächste Termin zur Verhandlung des Sozialplans finde am 25. Juni statt.

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Erstmeldung 2. Juni, 16.30 Uhr

Rosenheim - "Unter den 160 Mitarbeitern ist die Wut über die geplante Werksschließung groß. Denn selbst in der Coronakrise arbeitet der Standort profitabel", sagte Georg Schneider, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in der Region Rosenheim-Oberbayern, am Dienstag. Der französische Lebensmittelkonzern Danone hatte im Januar angekündigt, sein Joghurt-Werk im oberbayerischen Rosenheim zu schließen. Die Produktion soll im Juli nächsten Jahres eingestellt werden.

Gewerkschaft unzufrieden mit Sozialplan von Danone

Ziel der eintägigen Arbeitsniederlegung sei es nun, die Geschäftsleitung zum Abschluss eines Sozialtarifvertrags zu bewegen, teilte die NGG mit. "Darin sollen höhere Abfindungen und Weiterbildungsmöglichkeiten geregelt werden. Denn der bisher von Danone angebotene Sozialplan reicht aus Sicht der Belegschaft nicht aus", sagte Schneider.

Die Schließung treffe vor allem ältere Beschäftigte, die nur dürftige Job-Perspektiven hätten. 93 der insgesamt 160 Mitarbeiter seien älter als 50 Jahre.

Auslastung von Rosenheimer Danone-Werk stark gesunken

Nach NGG-Informationen habe der Standort die Produktionsvorgaben des Managements trotz Corona zuletzt sogar deutlich übertreffen können, unterstrich die Gewerkschaft. Das Unternehmen hatte im Januar mitgeteilt, die Auslastung der Danone-Molkerei Rosenheim sei in den vergangenen zehn Jahren um 70 Prozent gesunken.

In Rosenheim lässt Danone vor allem Quark-Joghurt-Cremes herstellen, zudem Quarks und Hüttenkäse. Danone zählt zu den führenden internationalen Lebensmittelunternehmen und hat nach eigenen Angaben 2018 mit über 100.000 Mitarbeitern und Produkten in gut 120 Märkten fast 25 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.

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