Bombe am Bahnhof Rosenheim entschärft – Anwohner können in Wohnungen zurück

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Das Evakuierungsgebiet. 
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In einem Radius von rund 500 Metern werden Anwohner in Sicherheit gebracht, der Zugverkehr ist eingestellt: Am Rosenheimer Bahnhof wurde in der Nacht auf Montag eine Weltkriegsbombe entschärft. Um kurz vor Mitternacht war der Einsatz erfolgreich beendet.

  • Am Rosenheimer Bahnhof wurde bei Sondierungsarbeiten eine 500 Kilo schwere Weltkriegs-Bombe gefunden 
  • Der Zugverkehr wurde, auch wegen Sturmtief Sabine, eingestellt (zu den Schulausfällen) 
  • Rund 500 Meter um den Fundort wurden Anwohner gebeten, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen 
  • Notquartier ist die Luitpoldhalle 
  • Der Bahn-Nahverkehr in Richtung Rosenheim endet nicht am Münchener Ostbahnhof, sondern wie der Schienen-Ersatzverkehr in Ostermünchen

Update 23.50 Uhr

Die Bombe in Rosenheim ist entschärft

„Die fünfte Entschärfung einer Bombe in Rosenheim seit 2014 ist insgesamt komplikationslos und einmal mehr in hervorragendem Zusammenwirken der Einsatzkräfte und der beteiligten Institutionen verlaufen“, bilanziert Stadtbrandrat Hans Meyrl die erfolgreiche Entschärfung und Beseitigung der US-amerikanischen Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Sprengkörper war auf dem Bahnhofsareal gefunden worden.

Die Arbeiten zur Entschärfung der Bombe begannen um 22.20 Uhr. Sie dauerten rund 75 Minuten. „Um 23.37 Uhr konnten Polizei und Feuerwehr Entwarnung geben, das evakuierte Gebiet wieder für die Anlieger freigeben und den Sperrkreis aufheben“, zeigte sich Meyrl mit dem Verlauf der eigentlichen Entschärfungsarbeiten zufrieden. „Der Sprengmeister hat unter schwierigen Bedingungen hervorragende Arbeit geleistet. Vor und nach der eigentlichen Entschärfung hat die Zusammenarbeit der insgesamt 490 beteiligten Einsatzkräfte einmal mehr hervorragend geklappt. Alle notwendigen Arbeiten liefen gewohnt souverän“, so Meyrl.

Eine Sicherheitszone um die Bombe herum war evakuiert worden. Die Anwohner können nun in ihr Wohnungen zurück. Der Zugverkehr am Bahnhof Rosenheim war zwischenzeitlich eingestellt. Mit weiteren Behinderungen im Bahnverkehr wird in der Nacht und in den Morgenstunden des 10. Februar aufgrund des Sturmtiefs Sabine gerechnet.

Update 19.35

Pressemitteilung der Stadt Rosenheim

Bombenfund am Bahnhof Rosenheim: Evakuierung läuft um 19.30 Uhr an

Rosenheim – Die Führungsgruppe Katastrophenschutz hat den Evakuierungsbereich im Zuge der vorgesehenen Kampfmittelräumung am Rosenheimer Bahnhof inzwischen festgelegt. 

Er umfasst 1.792 Bürgerinnen und Bürger. 

Durchsagen im Evakuierungsgebiet

Abgrenzung des zu räumenden Bereichs ist auf der Karte ersichtlich. Er erstreckt sich im Süden von der Kufsteiner Straße ab der Mangfallbrücke stadteinwärts über die Einmündung der Kunstmühlstraße in die Enzensberger Straße im Westen bis zur Münchener Straße im Norden und der Kreuzung Gießerei-/Kufsteiner Straße im Nordosten. Mit der Evakuierung soll um 19.30 Uhr begonnen werden.

Bahnhof Rosenheim: Wegen Bomben-Entschärfung für den Verkehr gesperrt

Seitens der Bereitschaftspolizei und der Polizeiinspektion Rosenheim stehen insgesamt rund hundert Einsatzkräfte zur Verfügung, um das Evakuierungsgebiet zu räumen. Der Evakuierungsbereich wird für alle Verkehre gesperrt.

„Der Sprengmeister wird mit der Entschärfung der US-amerikanischen Bombe beginnen, sobald der Evakuierungsbereich freigeräumt ist. Deshalb appellieren wir an alle betroffenen Bürgerinnen und Bürger, kooperativ zu sein und sich aus dem Evakuierungsbereich zu entfernen“, so FüGK-Leiter und Stadtbrandrat Hans Meyrl.

Bürgertelefon informiert über Evakuierung wegen Bombe

Das Notquartier in der Luitpoldhalle, Stemplinger Straße 3 wurde von Kräften des Bayerischen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes inzwischen eingerichtet und steht bis zur Freigabe des Evakuierungsbereichs als Auffangquartier zur Verfügung.

Das Bürgertelefon steht unter der Telefonnummer 08031-365-8365 für alle Fragen von Bürgerinnen und Bürgern rund um den Bombenfund zur Verfügung.

Update 19.10 Uhr: 

Schnell-Einsatz-Gruppe packt mit an

Pressemeldung der Johanniter-Unfall-Hilfe Wasserburg

Nach dem Fund einer Fliegerbombe am Bahnhof Rosenheim wurde um 18:14 Uhr auch die ehrenamtliche Schnell-Einsatz-Gruppe der Johanniter aus Wasserburg alarmiert. Derzeit sind die Helfer mit zwei zusätzlichen Krankentransportwagen im Einsatz, um die Evakuierung des Gefahrenbereichs rund um den Fundort zu unterstützen. 

Die ehrenamtlichen Helfer und die zusätzlichen Einsatzfahrzeuge werden immer dann alarmiert, wenn der reguläre Rettungsdienst an seine Kapazitätsgrenzen stößt, etwa bei Unglücken mit vielen Verletzten oder Betroffen.

Update 18.40 Uhr: 

Bombenfund: Karte vom möglichen Evakuierungs-Gebiet (ca. 500 Meter) 

Das Evakuierungsgebiet. 

Update 17.50 Uhr: 

Stefan Berger vom Rosenheimer Gebäudemanagement erfuhr um 16 Uhr, dass die Luitpoldhalle in der Stemplingerstraße in Rosenheim bereitgehalten werden muss. Dort sollen die Menschen aus dem Evakuierungs-Radius untergebracht werden. Die Halle ist jedoch noch nicht umgebaut. 

Update 17.20 Uhr:

Züge fahren, Straßen nicht gesperrt

Pressemitteilung der Stadt Rosenheim

Rosenheim – Wie bereits berichtet wurden im Zuge von Sondierungsmaßnahmen zur Verlegung des Mühlbachs heute Bombenfragmente aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Es handelt sich um eine 500 Kilo-Bombe. Die Bombe liegt im Bereich des Gleises 13. Der Fundort der Bombe wurde inzwischen im Bereich der Gleise 6 bis 13 abgesperrt. Der Kampfmittelräumdienst ist in Rosenheim eingetroffen und macht sich vor Ort ein Bild von der Lage.

Die Luitpolhalle in der Stemplingerstrasse soll die zu Evakuierenden aufnehmen, dort laufen derzeit noch keine Aktionen.

Der Bahnverkehr sowie der Verkehr auf den anliegenden Straßen sind bis jetzt nicht vom Bombenfund beeinträchtigt. Lediglich die Durchfahrtgeschwindigkeit der Züge wurde reduziert.

Bombe soll noch heute entschärft werden

„Voraussichtlich soll die Bombe noch heute entschärft werden. Dazu ist mit Evakuierungen in einem Radius von ca. 500 m um den Fundort zu rechnen. Der genaue Evakuierungsbereich wird derzeit festgelegt“, so FüGK-Leiter und Stadtbrandrat Hans Meyrl.

Für Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Evakuierungsbereich wird in der Luitpoldhalle, Stemplinger Straße 3 ein Notquartier eingerichtet.

Die Kampfmittelbeseitigung ist bereits angekommen, meldet unser Reporter vor Ort. 

Update 17 Uhr: 

Im Bahnhof Rosenheim sind derzeit zunächst nur im Bereich Klepperstraße die Gleise 6-13 gesperrt. Dort soll sich die Weltkriegsbombe befinden. 

Der Bahnverkehr läuft derzeit noch völlig normal.

Beamte des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd haben ein Foto der Bombe vor Ort gemacht.

Update 9.2., 16 Uhr: 

Bombenfund am Rosenheimer Bahnhof 

Pressemeldung der Stadt Rosenheim

Rosenheim – Heute, Sonntag (09.02.2020), wurden um 13.07 Uhr am Rosenheimer Bahnhof im Rahmen von Sondierungsmaßnahmen für die Verlagerung des Mühlbachs Fragmente einer Bombe aus dem 2. Weltkrieg gefunden.

Der Sprengmeister wird in Kürze vor Ort sein. Das weitere Vorgehen wird im Benehmen mit den Experten vor Ort geklärt. „Vorsorglich haben wir die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) in der Rosenheimer Hauptfeuerwache zusammengerufen. Über die nächsten Schritte werden wir die Bürgerinnen und Bürger zeitnah informieren“, so der Leiter der FüGK, Stadtbrandrat Hans Meyrl.

Meldung 30.1.: 

Die Hintergründe zur Weltkriegs-Bombe am Rosenheimer Bahnhof

RosenheimUngefähr 200 Tote und ebenso viele Verletzte: So litt die Bevölkerung Rosenheims damals unter den Bombardierungen. Und heute? Noch 75 Jahre nach den letzten Schüssen des großen Krieges rostet tödliche Last im Erdreich vor sich hin. Verstärkt dort, wo Briten und Amerikaner den Verkehr zwischen Salzburg und München empfindlich treffen konnten – am Bahnhof Rosenheim.

Apokalypse in Rosenheim: Der Bahnhof nach dem 18. April 1945. Foto: Stadtarchiv/OVB

Die Auswirkungen auf den Verkehr halten bis heute an: Sollte bei den Arbeiten, die sich durch den Februar ziehen, erneut eine Bombe im Bereich des Bahnhofs gefunden werden, müsste der Zugverkehr unterbrochen werden. Tausende von Pendlern und Reisenden wären dann im schlimmsten Fall auf den so genannten Schienenersatzverkehr mit Bussen angewiesen. Die Verkehrsunternehmen stellen sich auf diesen Ernstfall ein. „Mehrere Verdachtsmomente auf Kampfmittel“ gebe es, schreibt das Bahnunternehmen Meridian in einer Pressemitteilung. Allerdings verweist Christian Schwalm darauf, dass man Bombenentschärfungen nach Möglichkeit außerhalb der Stoßzeiten vornehme. Wo Ersatzbusse anhalten könnten, müsse man von der Größe der gefundenen Bombe abhängig machen. „Bislang ist die Frage hypothetisch“, sagt Schwalm.

Apokalypse über Rosenheim

Wie wahrscheinlich ist ein Bombenfund? Schwer zu sagen. Allein beim letzten Angriff am 18. April 1945, der den Bahnhof so gut wie vom Erdboden radierte, fielen 1.300 Bomben vom Himmel. Jede Zehnte von ihnen, so schätzen Fachleute, könnte ein Blindgänger gewesen sein. Allerdings: Schon seinerzeit wurden bereits geortete Blindgänger entschärft und geräumt. Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau mussten nach Angaben der Historiker Wolfgang Benz und Barbara Distel diese nervenzerreißende Arbeit erledigen.

Auf der Suche nach gefährlichen Altlasten: Feuerwerkerin Janin Strobl suchte schon öfter am Rosenheimer Bahnhof nach Blindgängern.

Manche Bomben aber wühlten sich so tief in den Boden, dass sie in dem Chaos nicht entdeckt wurde. Wann immer also am Bahnhof geplant, erschlossen und gebaut wird, gilt dort Alarmstufe Rot. „Verdachtsflächen sind Bahnhöfe immer, besonders aber der von Rosenheim“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn. Bevor also Bagger das Erdreich zerpflügen, müssen die Spezialisten anrücken. Das war schon einige Male der Fall, beim Bau der Unterführung zwischen Bahnhof und Klepperstraße etwa.

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Dadurch werden zunächst Luftaufnahmen der Alliierten ausgewertet. Diese Aufnahmen gab es von so gut wie jedem Angriff – denn die Alliierten arbeiteten an der Perfektion des Bombenkrieges und kontrollierten durch die Kameralinse die Treffsicherheit. Heute geben die Fotografien den Experten Anhaltspunkte. Krater mit helleren Spuren drumherum lassen auf explodierte Bomben schließen. Dunkle Punkte ohne ausgesprengte Erde drumherum – auf Blindgänger.

Mehrere Funde in den vergangenen Jahren

I n Rosenheim stießen die Bombenentschärfer in den vergangenen Jahren mehrmals auf die tödliche Altlas des Krieges. 2014 wurde erstmals eine Bombe auf dem Areal Nord gefunden. Eine weitere wurde im Januar 2015 entdeckt. Bei einer privaten Baumaßnahme wurde im Juni 2016 an der Enzenspergerstraße/Ecke Kunstmühlstraße eine weitere Fliegerbombe gefunden. Im Oktober 2017 wurde letztmals eine Bombe geortet. Zwischenfälle, die den Alltag Tausender Menschen durcheinanderbringen: Im Umkreis von 300 Metern müssen Anwohner ihre Wohnungen verlassen, der Bahnverkehr wird unterbrochen.

Ein Bach wird umgeleitet

„Es gibt Verdachtsstellen", sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn, „jetzt werden Grabungen durchgeführt.“ Das sei auch vor einigen Wochen schon geschehen, seinerzeit aber stellten sich die verdächtigen Punkte, an denen man mit der Sonde Eisen im Boden geortet habe, als harmlos heraus. So sei man auf eine alte Wasserleitung gestoßen. Ein Bombenfund sei unwahrscheinlich, eher werde es in den kommenden Wochen vorkommen, dass sich ein Zug verspäte oder an einem anderen Gleis als gewohnt ankomme.

Die Arbeiten, die in den kommenden Wochen neue Sondierungen notwendig machen, betreffen die Gleisüberbrückung über den Mühlbach. Dafür muss der Mühlbach sogar mittels Spundwänden umgeleitet werden. Die Gleisbrücke über den Bach übrigen stammt aus Zeiten, da man sich Luftangriffe noch nicht vorstellen konnte – aus dem Jahr 1878. „Wirklich Zeit, dass man die mal erneuert“, sagt der Bahnsprecher.

Hintergrund: Bomben auf Rosenheim

Reiseführer für die Airforce: „Bomber‘s Baedeker“ nannten die Briten ihre interne Auflistung von potenziellen Zielen für Luftangriffe. Hunderte von deutschen Orten sind in diesem Kompendium aufgelistet. Zu Rosenheim erfährt man: eine Stadt zu Füßen der Berge, mit Industrie von zweitrangiger Bedeutung - von Klepper einmal abgesehen -, allerdings mit überragender Bedeutung für den Verkehr. Es sei, so steht es in „Bomber‘s Baedeker“ zu lesen, ein Eisenbahnknotenpunkt von großer Wichtigkeit für die Verbindung von Italien nach Mitteleuropa. 

Dementsprechend heftig bombardierten die Alliierten die Stadt und vor allem ihren Bahnhof. Insgesamt 14 Angriffe flogen sie, am verheerendsten am 18. April 1945, zwei Wochen vor dem Einmarsch der US-Truppen: 53 Menschen starben, der Eisenbahnknotenpunkt selbst war so gut wie ausgelöscht. Insgesamt zerstörten Bomben 150 Häuser, 129 Häuser wurden schwer beschädigt, vernichtet wurden damit rund 5 Prozent der städtischen Bausubstanz. Zum Vergleich: Münchens historische Altstadt wurde zu 90 Prozent zerstört.

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