Die Rokoko-Schönheit

Die besten Münchner Künstler ihrer Zeit haben St. Michael in Berg am Laim gestaltet. Gerade wird die Kirche von außen renoviert.
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Die besten Münchner Künstler ihrer Zeit haben St. Michael in Berg am Laim gestaltet. Gerade wird die Kirche von außen renoviert.

Unsere Schönsten Kirchen . Die Kirche St.

Michael in Berg am Laim ist das bedeutendste Münchner Gotteshaus außerhalb der Innenstadt und eine der vollkommensten Rokokokirchen in Süddeutschland. Bauherr war der prunkliebende Kölner Kurfürst und Erzbischof Clemens August von Bayern, Bruder des bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht, den er 1742 in Frankfurt zum römisch-deutschen Kaiser krönte.

Die Wittelsbacher regierten das Kölner Kurfürstentum fast 200 Jahre. Clemens August wurde „Monsieur des cinq églises“, Herr über fünf Kirchen genannt, da er zugleich Fürstbischof von Münster, Osnabrück, Paderborn und Hildesheim war, dazu Hochmeister des Deutschen Ordens und päpstlicher Legat, eine Ämterhäufung, die im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation einmalig war.

In Berg am Laim besaß der Kurfürst eine Hofmark, die Kirche sollte als Hofkirche und als Sitz der kölnischen Erzbruderschaft St. Michael dienen. Sie stand auch in Konkurrenz zu den Bauprojekten des bayerischen Kurfürsten. Für den Bau und die Ausstattung der Kirche konnten die besten Münchner Künstler gewonnen werden. Architekt der 1735 bis 1751 erbauten Kirche war der geniale Johann Michael Fischer, die Fresken und Stuckaturen schuf Johann Baptist Zimmermann, die Skulpturen die führenden Bildhauer Johann Baptist Straub und Ignaz Günther.

Die konvex geschwungene Doppelturmfassade, mit einer Skulptur des Erzengels Michael geschmückt, ist nach München hin ausgerichtet. Ursprünglich war geplant, wie bei einem Schloss eine kilometerlange Straßenachse von der Stadt auf die Kirche zuzuführen, doch wurde dies Vorhaben nicht ausgeführt.

Der Grundriss der Kirche besteht aus vier Zentralräumen: der ovalen Vorhalle, dem kreisförmigen Hauptraum für die Gemeinde, dem ebenfalls kreisförmigen Chorraum für die Bruderschaft und dem ovalen Altarraum für die Priester, die gemeinsam zu einem wohlproportionierten, festlichen Längsraum verbunden sind. Alle Teile der prachtvollen Ausstattung, Altäre, Kanzel, Gestühl und Orgel, nehmen den Platz ein, den ihnen die Architektur zuweist. Alles scheint bewegt und doch in Ruhe, gefestigt und doch leicht. Die Wände gliedern rot und grün marmorierte korinthische Säulen und Pfeiler.

Die farbenprächtigen Deckengemälde zeigen Szenen der Legende des Erzengels Michael. Auch Clemens August erscheint in dem Hauptfresko. Den Abschluss der Arbeiten markiert der von vier korinthischen Säulen gerahmte Hochaltar von Straub aus dem Jahr 1767, dessen Altarbild den Kampf des Erzengels Michael mit dem gefallenen Engel Luzifer zeigt. Kurfürst Clemens August war von der Kirche derart beeindruckt, dass er Fischer zum kurkölnischen Hofbaumeister ernannte, ein Titel, von dem Fischer gerne Gebrauch machte. Wilfried Rogasch

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