Der Robinson der Meere

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Er war Delfinschützer, Abenteurer, eine Segler-Legende. Rollo Gebhard hat dreimal die Welt umsegelt. Nun ist er im Alter von 92 Jahren zu Hause in Bad Wiessee gestorben. Dass er all seine Abenteuer überlebt hat, verdankte er einer angeborenen Schlitzohrigkeit.

Trauer um Segler-Legende Rollo Gebhard

Er war Delfinschützer, Abenteurer, eine Segler-Legende. Rollo Gebhard hat dreimal die Welt umsegelt. Nun ist er im Alter von 92 Jahren zu Hause in Bad Wiessee gestorben. Dass er all seine Abenteuer überlebt hat, verdankte er einer angeborenen Schlitzohrigkeit.

Von Ingrid Versen

Bad Wiessee – Es ist nicht verwunderlich, dass Rollo Gebhard auch „Robinson der Meere“ genannt wurde. Er ist einer der größten oberbayerischen Abenteurer. Ein Mann, der nie genug bekommen konnte von den Weltmeeren. In einer nur 5,5 Meter langen offenen Jolle durchquerte er 1958 das Mittelmeer. Danach segelte er damit nach Ägypten, durch den Suez-Kanal und als Erster durch das Rote Meer. Zweimal umrundete er allein die Welt – als erster Deutscher. 1963 überquerte er in einem kleinen Sperrholz-Kajütboot allein den Atlantik. Bei der Ankunft in New York feierten die Medien seine Fahrt enthusiastisch als erste Atlantik-Überquerung in so einem kleinen Boot. Seine „Solveig III“ steht heute im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven – als kleinstes Boot der Welt, mit dem zweimal die Erde umrundet wurde. Als Boot einer Segler-Legende.

Rollo Gebhard wurde in Salzburg geboren, er wuchs in Dresden auf, lebte mit seiner Frau Angelika in Bad Wiessee am Tegernsee (Kreis Miesbach). Doch mehr als vier Jahrzehnte lang war er auf den Weltmeeren zu Hause. Die Sehnsucht nach der Ferne begleitete ihn durch sein gesamtes Leben. Seine wagemutigen Fahrten sind der Stoff, aus dem Legenden entstehen. Seine Abenteuer hielt Gebhard in viel beachteten Dokumentarfilmen fest. Im Herbst 2005 erschien seine Biographie – das „Logbuch eines Lebens“. Das Buch ist in vielen Auflagen erschienen, trotzdem gibt es nur noch wenige Exemplare im Internet zu ergattern. Darauf war Rollo Gebhard stolz.

Die Geschichten, die er von seinen Touren erzählen konnte, wurden niemals langweilig. Viele sind sogar unglaublich. Schon bei einem seiner ersten Abenteuer, damals als er mit seiner Jolle ins Rote Meer segelte, wurde er vor der Küste des Jemens von arabischen Piraten gekapert. Rollo Gebhard hat überlebt. Das verdankt er nur seiner angeborenen Schlitzohrigkeit.

Die Krönung seiner seglerischen Laufbahn war für ihn die dritte Weltumseglung. Sie unternahm er nicht allein, sondern mit der Wiesseerin Angelika Zilcher – seiner späteren Ehefrau. Die gemeinsame Reise führte die beiden auf alle Ozeane und zu allen Kontinenten bis hinauf nach Alaska – und sie ging mit einer sportlichen Höchstleistung zu Ende: In sechs Monaten schafften es die zwei Abenteurer von Australien um die halbe Erde bis nach Emden in Ostfriesland.

Zur Ruhe kam Rollo Gebhard nie. Nach der Heimkehr setzte er sich für die Erhaltung der Meere ein. Er war erschüttert vom millionenfachen Sterben der Delfine in den Treibnetzen von Thunfischfängern. Deshalb gründete er 1991 die Gesellschaft zur Rettung der Delfine mit Sitz in München. „Das ist meine Verpflichtung als Segler“, sagte Gebhard. Bis zuletzt setzte er sich für seine Initiative ein.

Am 27. Dezember ist der legendäre Segler im Alter von 92 Jahren in seinem Haus in Bad Wiessee schmerzfrei gestorben. „Wir hatten uns in der Adventszeit voller Begeisterung den Christkindl-Markt in Bad Tölz angesehen und uns danach noch mit Freunden getroffen“, erzählt seine Ehefrau Angelika. Einige Tage später erlitt Rollo Gebhard einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Die Trauerfeier für ihn findet am 7. Februar in der evangelischen Kirche von Gmund statt.

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