200 HASS-ZUSCHRIFTEN

Richter hängt Kreuz wieder auf

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Kreuz hängt wieder: Richter Klaus-Jürgen Schmid bekam 200 Hass-Briefe und böse E-Mails. Foto: andreas Leder

Miesbach – Der Direktor des Amtsgerichts Miesbach, Klaus-Jürgen Schmid, hat seine Entscheidung revidiert und ein Kreuz im Gerichtssaal wieder aufgehängt.

Schmid hatte es bei einer Gerichtsverhandlung gegen einen afghanischen Asylbewerber abgehängt. Dies und dass er es danach zunächst nicht wieder aufhängte, hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt – und dem Richter viel Häme und Hass beschert. Über 200 E-Mails und Briefe habe er bekommen, sagte der Richter unserer Zeitung.

„Feigling“, „Idiot“, „Volksverräter“, hieß es darin, oder auch: „Sie sind eine Schande für das Amtsgericht Miesbach“ und „Zieh in ein islamisches Drecksloch“. Auch ein Foto mit Galgen bekam Schmid zugesandt. Eine Handvoll der Hass-Zuschriften steckte Schmid – zum Teil ungeöffnet – in ein Briefkuvert und schickte es an unsere Miesbacher Redaktion – verbunden mit der Bitte, dies zum Gegenstand eines Artikels zu machen. Der Richter selbst fühlt sich gründlich missverstanden: „Es war nie mein Bestreben, Politik zu machen oder dem Islam entgegenzukommen.“ Er habe in dem Prozess gegen den Flüchtling das Kreuz abgenommen, um zu verdeutlichen, „dass hier der Rechtsstaat urteilt und nicht das Christentum“. Er habe ihn nicht „in seinem Weltbild bestärken“ wollen. Angeklagt war der junge Mann, weil er einem anderen Asylbewerber wegen dessen christlichen Glaubens gedroht habe. Schmid betont auch, dass er das Strafmaß vollausgeschöpft habe: Der 21-Jährige erhielt ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung, zudem drei Wochen Arrest und fünf Beratungstermine. dieter dorby

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