Religion unbeliebter als Mathe

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Wie steht es um die Akzeptanz des Religionsunterrichts? Dieser Frage ist die evangelische Landeskirche nachgegangen. Rund zwei Drittel der Befragten halten das Fach Religion weiter für sinnvoll. Foto: Hildenbrand/dpa

Das Fach ist nicht sonderlich beliebt – aber zwei Drittel der Bayern sprechen sich nach wie vor für Religionsunterricht an der Schule aus. Auch Kultusminister Spaenle will daran festhalten. Lehrerverbände und die evangelische Kirche plädieren zudem für einen islamischen Religionsunterricht.

Schule

von Dominik Göttler

München – Biologie ist das Lieblingsschulfach der Bayern. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Emnid für die evangelische Landeskirche durchgeführt hat. 59 Prozent der Befragten hatten in der Telefonumfrage das Fach Bio als sehr oder eher beliebt eingestuft. Mit nur leichtem Abstand dahinter folgen Geschichte, Sport und Deutsch. Mit kinetischer Energie und Stromkreisen können die Menschen im Freistaat dagegen weniger anfangen – Physik ist das Schlusslicht unter den abgefragten Fächern. Nur 32 Prozent bezeichneten das Fach als beliebt. Doch der eigentliche Grund für die Umfrage war das Fach, das noch hinter der Mathematik auf dem vorletzten Platz landete: der Religionsunterricht.

„Wir wollten herausfinden, wie die Akzeptanz für den Religionsunterricht in Bayern ist“, sagt der für die Schulen zuständige Oberkirchenrat Detlev Bierbaum. Das Ergebnis: Zwei Drittel der 1000 Befragten (alle älter als 18 Jahre) sprechen sich nach wie vor für den Religionsunterricht als ordentliches Schulfach aus. Die Meisten begründen diese Ansicht mit dem Argument, jeder habe ein Recht auf religiöse Bildung. Zudem würden im Religionsunterricht wichtige Werte vermittelt – Werte, die so manchem Schüler zu Hause nicht mehr mit auf den Weg gegeben würden. Insgesamt zieht Bierbaum also ein positives Fazit über die Ergebnisse der Untersuchung.

Doch die zustimmende Mehrheit kann nicht überdecken, dass ein Viertel der Befragten ein Unterrichtsfach Religion ablehnt (die restlichen zehn Prozent wollten sich nicht festlegen). „Diese 25 Prozent geben mir zu denken“, sagte Bierbaum. „Wir müssen uns schon fragen, warum es da Gegenwind gibt.“ Gerade bei den älteren Jahrgängen sei die Ablehnung höher. Bierbaum vermutet, dass unter ihnen der ein oder andere noch einen schlechten Religionsunterricht erfahren hätte. Als Hauptargument gegen den Unterricht nannten die Umfrageteilnehmer, Religion sei Privatsache. Bierbaum schlussfolgert, man brauche weiterhin einen Religionsunterricht mit hoher Qualität, der nah an den Schülern sein müsse. „Es darf nicht um Vereinnahmung gehen – ich fände es hochproblematisch, wenn wir Kirche an der Schule etablieren wollten.“

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sowie der Lehrerverband BLLV und der bayerische Realschullehrerverband (brlv) sprachen sich für den Erhalt von Religionsunterricht an den Schulen im Freistaat aus. Die Bayerische Verfassung habe ganz bewusst die Ehrfurcht vor Gott und der Würde des Menschen zu einem unumstößlichen Bildungsziel erklärt, sagte Spaenle.

Bierbaum äußerte sich auch zur aktuellen Debatte um eine flächendeckende Ausweitung des Islamunterrichts, der bislang nur in einem Modellversuch angeboten wird. „Ich halte den Islamunterricht für extrem wichtig“, sagte Bierbaum. „Es wäre ein großer Gewinn, wenn wir uns hier gegenseitig besuchen und diskutieren könnten.“ Unter den Befragten hatte nur ein Prozent an dem islamischen Religionsunterricht teilgenommen. Konkurrenz fürchte die evangelische Kirche durch ein solches Angebot nicht. „Wer selbst einen Standpunkt hat, muss keine Angst vor einem anderen haben.“

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