Verhandlung in Traunstein fortgesetzt

Prozess um Tod von Ramona und Melanie: Hätte der Unfallfahrer einscheren können?

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„Mein Fehler ist, dass ich dort überholt habe. Aber, dass sie mich dann behindert haben, war nicht meine Schuld." Am zweiten Tag im Berufungsprozess um den Unfalltod von Melanie Rüth (21) und Ramona Daxlberger (15) hat Unfallfahrer Simon H. (26) den Angeklagten eine Mitschuld am  Zusammenstoß am 20. November 2016 in Rosenheim gegeben.

Traunstein/Rosenheim - Er wiederholte seine Aussagen aus den vorherigen Verfahren, dass die beiden Angeklagten – Sebastian M. (26) und Daniel R. (25) aus dem Kreis Rosenheim – ihn beim Überholvorgang behindert hätten. Eine Behauptung, die allerdings keiner der weiteren Zeugen am gestrigen Prozesstag unterstreichen konnte.

BMW angeblich "dicht hintereinander gefahren"

Vor dem Vorsitzenden Richter Dr. Jürgen Zenkel und den beiden Beisitzern schilderte Simon H. aus Ulm, der sich bei dem Unfall selbst schwere Verletzungen zugezogen hatte, seine Erinnerungen an den Frontalzusammenstoß. Er sei auf der Miesbacher Straße von zwei BMW überholt worden, die "dicht hintereinander gefahren sind”. Nachdem die beiden Fahrzeuge – das vordere führte Daniel R., das hintere Sebastian M. – plötzlich deutlich langsamer gefahren seien, habe er zum Überholen der beiden Autos angesetzt.

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Als er auf Höhe des ersten BMW gewesen sei, habe der Fahrer ebenfalls Gas gegeben und die Lücke zwischen den beiden BMW so verkürzt, dass er keine Möglichkeit gehabt habe, einzuscheren. Auch am zweiten BMW sei er nicht mehr vorbeigekommen. Als er davor überholt worden sei, habe er sich gedacht, “dass sich die beiden BMW ein Rennen liefern”. Der Zeuge weiter: “Ob es so war, weiß ich aber nicht.”

"Hatten Sie das Gefühl, dass sie der BMW-Fahrer nicht vorbeilassen wollte?", wollte Richter Zenkel von dem 26-Jährigen wissen. H.s deutliche Antwort: "Ja, das hatte ich.” Eine Aussage, die der Zeuge damit begründete, dass nicht nur er, sondern auch der BMW neben ihm beschleunigt habe. Was ihn letztlich auch davon abgelenkt habe, dass entgegenkommende Auto wahrzunehmen. H.: “Das hat mich so geschockt, dass ich nur darauf geachtet habe.”

Die Eltern der Unfallopfer und die Verteidger der Angeklagten über den Prozessauftakt

Weshalb der Ulmer aber überhaupt in der Situation zum Überholen angesetzt hatte, konnte Richter Zenkel nicht nachvollziehen. Ebenso wenig wie die Aussage des Ulmers, die Urteilsbegründung seiner Verhandlung, bei er zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt worden war, nicht gelesen zu haben. Zenkel: “Dann können Sie ja nicht einmal eine Lehre daraus ziehen.”

“Entweder waren wir gleich schnell oder er war schneller als ich.

Harald Baron von Koskull, Verteidiger von Daniel R., hielt dem Zeugen hingegen vor, sich leicht provozieren zu lassen. So führte er ein Zusammentreffen zwischen seinem Mandaten und H. am Rande einer der Verhandlungen ins Feld, bei der sein Mandant R. gefragt hatte, ob er denn keine Schuldgefühle hätte. “Stimmt es, dass Sie daraufhin von Freunden zurückgehalten worden mussten, um nicht körperlich auf ihn los zu gehen?”, fragte von Koskull den Zeugen, der zugab, an diesem Tag aus der Haut gefahren zu sein. Aber er sagt auch: “Ich wäre nie auf ihn losgegangen.”

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Auch beim Vorwurf gegenüber seines Mandanten, er habe beim Überholvorgang Gas gegeben, hakte von Koskull nach. Was letztlich dazu führte, dass H. seine vorherige Angaben abschwächte: “Entweder waren wir gleich schnell oder er war schneller als ich. Aber ich kann es nicht genau sagen.”

Richter zweifelt Aussagen von Zeugen an

Die beiden Beifahrer im BMW blieben hingegen bei ihren bisherigen Aussagen, dass die beiden befreundeten Fahrer den Ulmer weder durch ihr Fahrverhalten provoziert hätten, noch die Lücke zum Einscheren zu klein gewesen sei. "Definitiv hätte man locker in die Lücke einscheren können", sagte der Beifahrer des hinteren BMW, der allerdings – wie auch sein Kumpel im vorderen BMW – keine genauen Angaben mehr zu Abständen machen konnten. "Was ich aber 100-prozentig sagen kann, ist, dass hinten keiner gebremst und vorne keiner Gas gegeben hat", gab der Zeuge zu Protokoll.

Mit einigen Angaben der Beifahrer konnte sich Richter Zenkel jedoch nicht anfreunden. So kommentierte er die Aussage des Beifahrers im vorderen BMW, er habe sich umgeschaut und gesehen, dass der Golf von hinten kommt, mit den Worten: "Wie wollen Sie denn wissen, ob das Herr H. war? Es war doch stockdunkel. Das haben Sie sich doch jetzt ausgedacht.” Auch bei den Aussagen der beiden BMW-Beifahrer, untereinander habe man so gut wie nie über den Unfall gesprochen, schüttelte der Richter immer wieder den Kopf.

Wieso tritt er plötzlich aufs Gas?

Als letzte Zeugin des Prozesstags schilderte dann die 43-jährige Beifahrerin des Ulmers die dramatischen Minuten. Sie gab an, dass ihr Begleiter zunächst völlig unauffällig gefahren sei, plötzlich aber zum Überholen angesetzt habe. "Ich habe mir nur gedacht, wieso tritt' er jetzt plötzlich aufs Gas?", sagte die Frau, die selbst beim Zusammenstoß schwer verletzt worden war und notoperiert werden musste. Sonst könne sie sich an fast nichts mehr erinnern.

Auf die Frage des Richters, ob die beiden BMW-Fahrer den Ulmer mit ihrem Fahrverhalten provoziert haben könnten, erwiderte die 43-Jährige: "Nein, eben nicht." An eine ihrer früheren Aussagen, die BMW-Fahrer hätten nach ihrem Gefühl eher Gas gegeben als abgebremst, könne sich sich hingegen nicht mehr erinnern. Auch nicht an eine Aussage zur Lücke kurz nach dem Unfall. Damals hatte sie laut Zenkel gegenüber der Polizei angegeben, dass sie nicht glaube, dass der Golf-Fahrer aufgrund der kleinen Lücke, die zwischen den beiden BMW gewesen sei, hätte einscheren können.

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Der Prozess wird am Donnerstag, 17. Oktober, fortgesetzt. Dann sollen unter anderem Polizeibeamte aussagen, die den Unfall aufgenommen haben.

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