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Raketentests bei Reischach: Betriebserlaubnis wurde verlängert

„Es kracht wieder! Informationen haben wir sonst keine erhalten“

Auf einem Bauernhof bei Reischach werden sogenannte Subsysteme für eine zivile Rakete getestet. Der daraus resultierende Lärm sei für Bernhard Oberhauser (rechts) und weiteren Anwohnern eine massive Beeinträchtigung, beklagt dieser.
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Auf einem Bauernhof bei Reischach werden sogenannte Subsysteme für eine zivile Rakete getestet. Der daraus resultierende Lärm sei für Bernhard Oberhauser (rechts) und weiteren Anwohnern eine massive Beeinträchtigung, beklagt dieser.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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Zwischenzeitlich wurde die Betriebsgenehmigung für Tests von Raketenkomponenten in Reischach durch das Landratsamt verlängert. Betroffene Anwohner beklagen seit längerem eine unzumutbare Lärmbelästigung dadurch.

Reischach - „Scheinbar gibt es seit drei Tagen eine Genehmigung. Es kracht zumindest wieder! Informationen haben wir sonst keine erhalten“, berichtet Bernhard Oberhauser, einer der betroffenen Anwohner gegenüber innsalzach24.de. „In der Tat wurde der Firma Isar Aerospace Technologies GmbH mit Bescheid des Landratsamtes Altötting vom 27. September die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für die Errichtung und den Betrieb der Anlage ‚Prüfstand Gasgenerator‘ in Kolbersberg nach Maßgabe der in den Bescheid aufgenommenen Nebenbestimmungen erteilt“, bestätigt Dr. Robert Müller, Pressesprecher des Landratsamts Altötting. „Es handelt sich vorliegend um eine Anlage, die nach den immissionsschutzrechtlichen Regelungen dem sogenannten vereinfachten Genehmigungsverfahren unterliegt. Eine öffentliche Bekanntmachung des Vorhabens ist im vereinfachten Verfahren nach den Vorgaben des Bundes-Immissionsschutzgesetz nicht vorgesehen.“

Raketentests bei Reischach: Betriebserlaubnis wurde verlängert

Die Firma Isar Aerospace Technologies GmbH entwickelt und baut Trägerraketen für den Transport von kleinen und mittleren Satelliten. „Dabei bieten wir die erste rein privat-finanzierte europäische Trägerrakete für kleine bis mittlere Nutzlasten an, um den weltweit wachsenden Bedarf zu decken“, so das Unternehmen. Gegründet 2018, ist das Unternehmen inzwischen auf über 180 Mitarbeiter aus rund 30 Nationen gewachsen. „Den ersten Testflug unserer ‚Spectrum‘-Rakete planen wir für das Jahr 2022.“ Es hat bereits prominente Investoren angelockt. Anfang September wurde ein Werk für die Produktion am Firmensitz in Ottobrunn von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eröffnet. Schon seit Mai 2019 testet das Unternehmen Generatoren auf einem ländlichen Anwesen im Ortsteil Kohlberg in Reischach.

Zuletzt war eine vorläufige Genehmigung des Landratsamts für die Tests abgelaufen. Daraufhin lief ein erneutes Genehmigungsverfahren für einen weiteren Betrieb. Ein zentraler Punkt dabei waren die schalltechnischen Untersuchungen. „Bei der Firma Aerospace Technologies GmbH fanden in den letzten Monaten neben der geplanten Langzeitmessung auch drei weitere einzelne Messungen durch das Landesamt für Umwelt, welches das Landratsamt fachtechnisch im Rahmen der Beurteilung der Zulässigkeit des Betriebs des Gasgeneratorenprüfstandes unterstützt, statt. Die Messungen wurden zur besseren Beurteilung der durch den Betrieb ausgehenden Geräuschimmissionen teils mit Schalldämpfer sowie teils auch ohne Schalldämpfer durchgeführt“, so Dr. Robert Müller, Pressesprecher des Landratsamts Altötting.

Firma Isar Aerospace betont Bemühungen um Lärmschutz

Anwohner der Testanlage beklagen eine unverhältnismäßige Lärm-Belastung durch die Tests. „Ja, der Lärm bleibt meist innerhalb des Erlaubten. Aber es ist eine regelrechte ‚Lärmwolke‘, in der man sich auf einmal befindet und das quasi aus dem Nichts“, berichtete Bernhard Oberhauser, einer der Betroffenen gegenüber innsalzach24.de. Vor zehn Jahren hatte er einen ehemaligen Bauernhof am Rande der Gemeinde erworben und in der jüngsten Zeit für einiges an Geld die Remise zu Therapieräumen umgebaut. Ein entscheidendes Kriterium bei der Bewertung der Lärmbelastung für Anwohner durch die Behörde dürfte sein, dass sich das betroffene Gebiet im baurechtlichen „Außenbereich“ befindet. Das bedeutet, dass andere Grenzwerte beim Lärmschutz gelten, wie ein Fachmann des Landratsamts Altötting kürzlich gegenüber innsalzach24.de erläuterte.

„In der Entwicklung unserer Trägerrakete ist das Testen einer der wichtigsten Bestandteile, um die Sicherheit und Funktionalität sicherzustellen. An unserem Standort in Reischach führen wir meist völlig geräuschfreie Tests von Einzelkomponenten auf Kleinprüfständen durch, beispielsweise für Ventile, Pumpen und Dichtungen. Dabei ist die Nähe zu unserer Entwicklung und Produktion in Ottobrunn sehr wichtig“, so eine Pressesprecherin von Isar Aerospace gegenüber unserer Redaktion. „Die möglichen Auswirkungen auf Anwohner wollen wir so gering wie möglich halten. Die mit Geräuschen verbundenen Verbrennungstests, die wir am Teststandort in Reischach durchführen, finden 0 bis 3 Mal pro Tag statt und dauern zwischen 1 Sekunde und maximal 3 Minuten, also nur für sehr kurze Zeit.“

Eine Langzeitmessung von mehreren unabhängigen Stellen habe zudem bestätigt, dass alle Werte deutlich unter den geforderten Grenzwerten liegen. Unsere Maßnahmen gehen aber deutlich darüber hinaus: wir haben zudem Schalldämpfer installiert und einen Lärmschutzwall aufgebaut, welche die Lautstärke signifikant verringern. Durch die Entfernung der Anlage zu den nächsten Anwohnern verringert sich die Laustärke zusätzlich“, so Schmitt abschließend. „Große Raketenmotortests führen wir ohnehin an einem anderen Standort in einer unbesiedelten Gegend in Kiruna, Nordschweden durch.“

hs

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