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Räuber Hotzenplotz wird 60

Geburtstag eines liebenswerten Schurken

Hoch lebe der Kaffeemühlendieb! Susanne Preußler-Bitsch pflegt das literarische Erbe ihres Vaters.
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Hoch lebe der Kaffeemühlendieb! Susanne Preußler-Bitsch pflegt das literarische Erbe ihres Vaters.

Wer ist „Der Mann mit den sieben Messern“? Für wahre Fans keine Frage. Es ist der Räuber Hotzenplotz, der nun 60 Jahre alt wird. Viele Untaten hat der freche und großspurige Gauner begangen - doch manchmal wurde er auch zu Unrecht verdächtigt.

Von Cordula Diekmann

München – Spitzer Hut mit Feder, buschiger Vollbart und neugierige Augen: So kennen und lieben Kinder und Erwachsene den Räuber Hotzenplotz. Seit 60 Jahren sorgt er für Vergnügen und wohlige Spannung, er klaut der Großmutter die Kaffeemühle oder Bratwürste und ist das Zielobjekt für Kasperl und Seppel. Am 1. August 1962 erschien Otfried Preußlers Kinderroman „Der Räuber Hotzenplotz“ im Thienemann-Esslinger Verlag.

Millionen Exemplare verkauft

Ein großer Erfolg für den 1923 geborenen Pädagogen und Schriftsteller, der in Haidholzen bei Rosenheim und bis zu seinem Tod 2013 in Prien am Chiemsee lebte. Sein Buch und die beiden Folgebände mit den Illustrationen von Franz Josef Tripp wurden in 39 Sprachen übersetzt. Weltweit rund zehn Millionen Exemplare wurden nach Angaben des Stuttgarter Verlages inzwischen verkauft, allein sechs Millionen in Deutschland. 1966 inszenierte die Augsburger Puppenkiste mit farbenfrohen Kostümen und detailreichen Bühnenbildern die Abenteuer rund um Kasperl, Seppel und Wachtmeister Dimpfelmoser in Räuberwald und Unkenpfuhl.

Otfried Preußler lässt in sagenhafte Welten eintauchen

Es ist eine sagenhafte Welt, die Preußler in mehr als 30 Büchern geschaffen hat, angeregt durch die Sagen und Märchen, die ihm einst seine Großmutter erzählte. „Die kleine Hexe“, „Das kleine Gespenst“ und „Der kleine Wassermann“ tummeln sich darin ebenso wie „Kater Mikesch“ oder „Krabat“ – auch in Filmen, Hörspielen und Theaterstücken.

Räuber Hotzenplotz: Ein liebenswertes Großmaul

Der Räuber nahm einen besonderen Platz ein bei den Preußlers in ihrem oberbayerischen Zuhause bei Rosenheim. „Der Hotzenplotz war wie so ein komischer entfernter Verwandter, der immer wieder bei uns auftauchte“, erinnert sich Susanne Preußler-Bitsch, die seit 25 Jahren den literarischen Betrieb ihres Vaters verwaltet. Sie und ihre zwei Schwestern liebten den fantastischen Gast. „Diesem polternden Großmaul konnte man ein paar Sachen unterschieben“, etwa dreckige Fußspuren im Wohnzimmer. „Oder es lag ein Zettel im Kühlschrank: ,Das letzte Stück Kuchen hat der Hotzenplotz stibitzt.‘“

Kein Vorbild, „aber das soll er ja gerade auch nicht sein“, sagt Ines Galling von der Internationalen Jugendbibliothek in München. Hotzenplotz verkörpere das Verbotene, Lustvolle, Anarchische, Egomane und Egozentrische. „Er macht das, was ich nicht darf.“ Zudem biete die Geschichte Raum für Gespräche über moralische Fragen. „Der Text fordert seine Leser auf, den Räuber und seine Taten zu bewerten“, findet Galling. „Gleichzeitig fiebert man mit dem Antihelden mit. Wird er gefasst? Oder nicht?“

Warum Kinder den Räuber Hotzenplotz so lieben

Auch die Medienwissenschaftlerin Maya Götz gewinnt dem Helden mit der Hakennase viel Gutes ab, selbst wenn einige Kinder sich erst mal fürchten: „Der Räuber Hotzenplotz ist zwar ein Bösewicht, wirkt aber in seiner Unbeholfenheit liebenswert komisch. Dadurch wird er für Kinder zur beherrschbaren Gefahr. Kinder wissen, dass Kasperl und Seppl ihn überlisten werden.“ Darin seien die Kleinen den Erwachsenen sogar überlegen: „Wachtmeister Dimpfelmoser ist so trottelig, dass Kasperl und Seppel beschließen, seinen Job zu übernehmen, weil sie ihm nichts zutrauen“, sagt Götz. Preußler-Bitsch bringt es auf den Punkt: „Der Räuber Hotzenplotz kann sich viel erlauben, und am Schluss landet er im Spritzenhaus.“

Viele einprägsame Figuren

Eingeprägt haben sich auch Figuren wie die zigarrenpaffende Witwe Schlotterbeck und ihr Dackelkrokodil oder „der große Zauberer Petrosilius Zwackelmann“, der Kartoffeln so sehr liebt, aber keinen Zauberspruch weiß, um die Schale abzuhexen. So schält Kasperl für ihn und ärgert den Magier nebenbei, indem er dessen Namen verdreht: „Eprosilius Dackelschwanz“ oder doch „Zeprodilius Wackelzahn“?

Zeitlos - bis auf eine Sache

Zeitlose Bücher – bis auf eine Sache. Die Guten und die Bösen seien Männer, bemerkt Götz. „Frauen bekommen etwas Besonderes geschenkt, eine Musik spielende Kaffeemühle, oder fristen als Unke ihr Leben, bis sie schließlich von Jungen befreit und zur schönen Fee werden können.“

„Wundervoller Humor“

Dennoch schwärmt auch sie von den Büchern und bescheinigt ihnen einen wundervollen Humor und Tiefgang. „Die Geschichten vom Räuber Hotzenplotz hat Otfried Preußler punktgenau so gestaltet, dass sich Kinder wiederfinden, ihre eigenen Werte bestärkt sehen und an dem spannenden Abenteuer wachsen“, analysiert die Medienexpertin.

In einem sind sich alle einig: Vom Hotzenplotz können sich nicht nur Kinder etwas abschauen. „Zu viel Autoritätshörigkeit ist vielleicht auch nicht gut“, merkt Galling an. „Ein bisschen kritische Anarchie würzt das Leben – dank Pfefferpistole.“ 

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