Radler soll zum Depperltest

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Stadt verlangt MPU, obwohl Betrunkener angeblich geschoben hatte Nach ein paar Schoppen zu viel ist Harry K.

mit seinem Radl gestürzt und könnte deswegen seinen Führerschein verlieren. Er sagt, er habe das Radl nur geschoben. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) aber zweifelt daran. Die Behörde forderte von dem Kleinunternehmer einen Depperltest, berichtet die tz.

Es war Ende Juni 2012, als der 64-Jährige es sich mit ein paar Glaserln Wein beim Fischmarkt am Wittelsbacher Platz gemütlich gemacht hatte. Als er später am S-Bahnhof sein Radl aufschloss und nach Hause schob – so berichtet es Harry K. – passierte es: Er verlor das Gleichgewicht und stürzte. „Ich hatte eine Platzwunde am Kopf und kam ins Krankenhaus zum Nähen“, berichtet er. Auch die Polizei kam und ließ Blut abnehmen. Das Ergebnis: 1,95 Promille.

„Ich dachte mir nix Böses, schließlich gibt es für Fußgänger keine Promille-Grenze“, erinnert er sich. Doch Harry K. bekam einen Strafbefehl: Trunkenheit im Straßenverkehr, 35 Tagessätze zu je 40 Euro. „Scheinbar war die Polizei der Meinung, dass ich geradelt bin. Doch ein Anwohner hatte gesehen, dass ich das Radl geschoben hatte.“ Er legte Widerspruch ein, es kam zum Verfahren, das im März 2013 eingestellt wurde. Die Sache schien erledigt.

Dann bekam Harry K. Post vom KVR. Das Amt forderte ihn auf, ein medizinisch-psychologisches Gutachten (MPU) vorzulegen, im Volksmund Depperltest. „Ich war ja zu Fuß unterwegs“, betont Harry K., „das tun bei der Wiesn Hunderttausende!“ Sein Anwalt Lutz Libbertz meint darum: „Wenn das Schule macht, müsste halb München zum Depperltest.“

Das KVR begründet die MPU so: „Gemäß § 46 Abs. 3 FeV i. V. § 11 Abs. 2 FeV kann die Fahrerlaubnisbehörde bei bekannt werden von Tatsachen, welche die Eignung eines Inhabers zum Führen eines Fahrzeugs in Frage stellen, die Beibringung eines Fahreignungsgutachtens verlangen.“ Eine Sprecherin erklärt, dass man bisher davon ausgegangen sei, dass Harry K. auf dem Rad saß. Bereits vor fünf Jahren wurde er beim Radeln unter Alkoholeinfluss erwischt. Nun habe man nochmal alle Akten angefordert. Sollte sich bei deren Prüfung bestätigen, dass der 64-Jährige sein Fahrrad tatsächlich nur geschoben hatte, sei der Depperltest vom Tisch. Johannes Welte

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