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Ukraine-Krieg

Putins Oligarch Roman Abramowitsch: Das Phantom von Partenkirchen

Roman Abramowitsch
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Roman Abramowitsch (55) ist russischer Oligarch.
  • Christian Fellner
    VonChristian Fellner
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  • Josef Hornsteiner
    Josef Hornsteiner
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Roman Abramowitsch (55) ist russischer Oligarch, gilt als Putin-Unterstützer und hat viele Reichtümer. In Garmisch-Partenkirchen gehört dem Milliardär das prächtige Leitenschlößl am Fuße des Wanks im Ortsteil Partenkirchen.

Garmisch-Partenkirchen – Die Geschichte mit den Haien stimmte dann doch nicht. Dass in der Mitte der Mega-Jacht ein Aquarium stehe und die Fische seekrank würden, wenn sie über die Meere schaukeln. Davon haben sie sich 2010 im Hamburger Hafen erzählt, als die „Eclipse“ ihrem Auftraggeber Roman Abramowitsch für geschätzte 850 Millionen Euro übergeben wurde – mit 163 Metern Länge die zweitgrößte Privatjacht der Welt. Raketenabwehrsysteme ja, Blend-Strahler für Paparazzi ja, Mini-U-Boot ja – aber keine Haie.

Zumindest keine mit Flossen. Abramowitsch, 55, ist russischer Oligarch und hat viele Reichtümer. Eine nicht ganz unerhebliche Spur führt nach Garmisch-Partenkirchen. Dort gehört dem Milliardär das prächtige Leitenschlößl am Fuße des Wanks im Ortsteil Partenkirchen. Fakt ist: Residieren könnte er aktuell nicht dort am Wilhelm-von-Miller-Weg. Hintergrund ist die heikle Nähe zu Russlands Machthaber Wladimir Putin. Abramowitsch gilt als einer seiner großen Unterstützer. Die Europäische Union verhängt wie Großbritannien, USA, Kanada, Neuseeland und Australien nicht nur Sanktionen gegen den Eigentümer des Fußballclubs FC Chelsea, sondern es ist  auch ein Einreiseverbot im Gespräch, das am Dienstag in Kraft treten sollte.

Aus Diplomatenkreisen heißt es, dass mit der nächsten Runde an Restriktionen das Vermögen des Russen in der EU eingefroren werden könnte. Trifft es also bald Abramowitschs Anwesen in GarmischPartenkirchen? Bundesfinanzminister Christian Lindner sagte bei einem Treffen mit seinen europäischen Kollegen in Brüssel, die EU wolle mit den Einschränkungen „maximalen Druck auf Putin“ ausüben. Da spiele dessen mächtiger Dunstkreis eine wichtige Rolle. Laut der Nachrichtenagentur AFP arbeitet die britische Regierung an Plänen, den Besitz von russischen Oligarchen in Großbritannien beschlagnahmen zu lassen. Sadiq Khan, Bürgermeister von London, sprach sich dafür aus, Flüchtlinge aus der Ukraine in jenen Immobilien unterzubringen.

Dem Landratsamt Garmisch-Partenkirchen sind solche Pläne im Bezug auf das Leitenschlößl nicht bekannt. „Wir wären dann aber auch nicht zuständig“, sagt Pressesprecher Stephan Scharf. Mehr Informationen gibt es beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Noch könne Abramowitsch sein Anwesen in Garmisch-Partenkirchen uneingeschränkt behalten, betont Robert Säverin, Pressesprecher der Bundesbehörde. Im Gegensatz zu einer Jacht könne Abramowitsch „ein Schloss schwer außer Landes bringen“, argumentiert Säverin. Der Russe dürfe theoretisch sogar im Haus wohnen, würde das Einreiseverbot in die EU aufgehoben werden.

Was ihm nicht mehr gestattet ist: die Villa, 1896 bis 1899 von Emanuel von Seidl für den Münchner Chemiker Wilhelm von Miller erbaut, zu veräußern oder auch nur zu vermieten. Dann würde die Staatsanwaltschaft einschreiten und das Anwesen beschlagnahmen – weil die Befürchtung bestünde, Abramowitsch könnte „gefährliche Leute“, so Säverin, dort unterbringen. Das sei aktuell aber nicht der Fall.

Wie oft sich Abramowitsch in den vergangenen Jahren im Ort aufhielt, ist unklar. Die Partenkirchner sprechen nicht gerne über den mächtigen Nachbarn. Es heißt aber, er habe sich in den vergangenen 17 Jahren zunehmend rar gemacht und nur äußerst selten das Anwesen aufgesucht – so viel verrät ein Anwohner. Doch fällt es auf, wenn sich auf dem Grundstück etwas tut. „Gäste von ihm waren öfter anwesend, Familie oder Freunde, vielleicht auch Staatsdiener“, mutmaßt eine Anliegerin, die anonym bleiben möchte. Gerüchten zufolge soll Abramowitsch zwar offiziell Single sein, allerdings sieben Kinder von zwei Frauen haben. „Gut möglich, dass auch sie öfters da waren.“ Es seien immer mal wieder Gruppen von jüngeren Menschen gesichtet worden.

Die Freude über den berühmten Mann war einst groß. Jahrelang ist diskutiert worden, ob der Russe die Villa erworben habe. 2005 verkündete der damalige Bürgermeister Thomas Schmid, dass Abramowitsch offiziell ein Garmisch-Partenkirchner sei. „Wir wissen definitiv, dass er das Anwesen über eine seiner Firmen gekauft hat“, sagte Schmid damals.

Das Unternehmen heißt Parados Immobilien-Verwaltungs GmbH. Seit Dezember 2020 wird Irina Abramowitsch – die Ex-Frau – als Geschäftsführerin mit Heimadresse in London geführt. Schmid schickte dem Multimilliardär sogar ein Begrüßungsschreiben, ließ sich vor der Zufahrt fotografieren.

Derartige Vorstöße hat Elisabeth Koch (CSU) noch nicht gewagt. „Er ist mir nie begegnet“, sagt sie. Die jetzige Bürgermeisterin hält sich aus der Diskussion über den berühmten Villenbesitzer heraus. GarmischPartenkirchen war gerade um die Jahrtausendwende zu einem beliebten Winterurlaubsort für russische Staatsbürger geworden. Die wohlhabenden Osteuropäer kauften damals sehr viele Wohnimmobilien in besseren Lagen. Preis: egal.

Mittlerweile ist es um die Russen ein wenig ruhiger geworden. Die Araber beherrschten im vergangenen Jahrzehnt die Schlagzeilen in Sachen neuer Tourismusströme. Dennoch: Heute sind 192 russische Staatsbürger mit einer Adresse im Einwohnermeldeamt registriert. „Aber das ist kein großes Thema“, urteilt Koch. „Das sind einfach Menschen, die hier Eigentumswohnungen und Häuser haben.“ Vergleichbar mit der Situation am Tegernsee sei die Marktgemeinde nicht, mutmaßt sie. „Dort ist es offenbar mehr verdichtet.“

Namhafte Bewohner hat Garmisch-Partenkirchen einige zu bieten. Bekanntlich residiert der exzentrische Thai-König Rama X. immer wieder im Ort, im Grand Hotel Sonnenbichl, gerne im Winter zum Skifahren. Nicht ganz so geheimnisvoll war stets der Auftritt von Sultan Qabus bin Said aus dem Oman. Der hatte 1974 sein Anwesen an der Maximilianshöhe im Ortsteil Garmisch gekauft und immer wieder deutlich Spuren hinterlassen, heimisches Personal eingestellt oder eben auch in der Gemeinde eingekauft. 2020 verstarb dieser allseits akzeptierte Bürger Garmisch-Partenkirchens im Alter von 79 Jahren.

Jagd auf Oligarchen

Tegernsee – Auch der StahlMultimilliardär Alischer Usmanow ist in Oberbayern kein Unbekannter. Er soll in Rottach-Egern mehrere Immobilien besitzen. Der örtliche CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan (57) fordert, einen neuen Straftatbestand zu schaffen, um Oligarchen-Vermögen nicht nur vorübergehend einfrieren, sondern auch dauerhaft entziehen zu können. Es gebe mehrere Probleme, sagte Radwan unserer Zeitung. Erstens müsse man das Geflecht an Briefkastenfirmen durchblicken, um nachzuweisen, wem die Vermögenswerte tatsächlich gehören. Zweitens sei eine Vermögensabschöpfung derzeit nur möglich, wenn das Vermögen durch Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung erlangt worden sei. Ein neuer Straftatbestand könnte das ändern. Radwan: „Wer jemanden unterstützt, der einen Völkerrechtsbruch wie den russischen Angriffskrieg begeht, der macht sich strafbar und kann Vermögen entzogen bekommen.“ Ziel seien dabei auch die milliardenschweren Firmenbeteiligungen der Oligarchen. (sh)

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