Prostituierte müssen Freier abzocken

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Betrug, Zuhälterei, Menschenhandel: Kevin Z. (li.) und sein Vater Aleksandar M. mit ihren Anwälten vor dem Münchner Landgericht. sj

Im vermeintlich sauberen München tun sich mitunter Abgründe auf: Vater und Sohn sollen in ihrer Bar an der Karlstraße Frauen zur Prostitution gezwungen haben. Die Damen zockten daraufhin im großen Stil Freier mit deren Kreditkarten ab. Das ergaunerte Geld mussten sie abliefern.

Von Zuhältern gezwungen

VON andreas thieme

Aleksandar M. (51) und sein Sohn Kevin Z. (21) sitzen wegen Computerbetrug, Zuhälterei, Menschenhandel und Beihilfe zur illegalen Prostitution vor dem Landgericht auf der Anklagebank. Laut Staatsanwaltschaft haben sie Frauen aus Osteuropa als Tänzerinnen für ihre Tabledance-Bar an der Karlstraße angeworben, dann aber zur Prostitution gezwungen und dafür extra eine Wohnung an der Dachauer Straße angemietet. Zu mehr als 50 Treffen mit Freiern soll es in den vergangenen Jahren gekommen sein – jeweils unter Zwang. Teilweise mitten in der Maxvorstadt oder in den Wohnungen der Freier. Dabei zockten die Frauen diese gehörig ab.

Das Landgericht beschäftigt der Skandal im Sperrbezirk seit gestern. Doch die beiden Angeklagten wollen sich erst am 7. Februar zu den Vorwürfen äußern. Dann sollen auch die ersten der insgesamt 15 Männer aussagen, die laut Anklage von Aleksandar M. und Kevin Z. zwischen 2013 und 2015 mithilfe der Prostituierten bestohlen wurden.

An der Karlstraße sollen die Animierdamen der Bar Kunden deren Kartendaten ausgespäht und zu viel Geld abgebucht haben, bis der Kreditrahmen ausgeschöpft war. Oft merkten die Kunden das erst Tage später. Und verloren in Einzelfällen mehr als 7000 Euro. Laut Anklage handelten die Damen im Auftrag der Angeklagten: Ende 2015 sollen sie mit den gesammelten Kartendaten 178 Mal unberechtigt Geld abgehoben und so versucht haben, an 224 263 Euro zu kommen. Nur 58 der Buchungen genehmigte die Bank. Trotzdem entstand ein Schaden in Höhe von 63 524 Euro.

Vor Gericht zeigte sich Aleksandar M. reumütig, er weinte. „Ich kann es nicht rückgängig machen.“ Ein Geständnis lehnte er aber ab, obwohl Richter Stephan Kirchinger ihm im Gegenzug eine Maximalstrafe von viereinhalb Jahren Haft in Aussicht gestellt hatte. Was angesichts der Vorwürfe milde erscheint. Laut Anklage sollen die Betreiber die angeworbenen Frauen neben der Prostitution zu Nacktaufnahmen gezwungen haben. Wer das ablehnte, musste – so die Drohung – auf eigene Kosten zurückreisen. In ihrer Not willigten die Frauen ein und ihre Fotos wurden auf Sex-Portalen veröffentlicht. Die Freier buchten per Telefon, 150 Euro kostete laut Anklage eine Stunde Sex, 500 Euro die ganze Nacht. Das Geld mussten die Frauen meist bei den Barbesitzern abliefern. Die beiden wollen sich nun umfassend äußern. Kevin Z. kündigte ein Geständnis an.

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