Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Massive Energie- und Materialkosten

Preisexplosion könnte ihnen „das Genick brechen“: Was regionale Brauereien jetzt vom Staat fordern

Heißt‘s bald „Auszapft is“ statt „Ozapft is“? Brauereiverbände befürchetn aufgrund der explodierenden Kosten für die Betriebe und fehlender Rohstoffe Produktionsausfälle und Schließungen von Brauereien. dpa
+
Heißt‘s bald „Auszapft is“ statt „Ozapft is“? Brauereiverbände befürchetn aufgrund der explodierenden Kosten für die Betriebe und fehlender Rohstoffe Produktionsausfälle und Schließungen von Brauereien.
  • Mathias Weinzierl
    VonMathias Weinzierl
    schließen

Mit einem schriftlichen Appell haben Brauereiverbände jetzt auf die angespannte Lage der Unternehmen durch die explodierenden Energie- und Materialkosten aufmerksam gemacht. Was die Unternehmer jetzt von der Politik fordern.

Tuntenhausen/Rosenheim/Haag – In den deutschen Brauereien gärt‘s seit Wochen nicht nur in den Braukesseln gewaltig: Die Preisexplosion bei der Energie und den Rohstoffen, die vor allem auf den Krieg in der Ukraine zurückzuführen ist, hat das Fass für die Branche zum Überlaufen gebracht.

Unter der Überschrift „Es ist 5 vor 12!“ hat sich der Deutsche Brauer-Bund gemeinsam mit sechs Regionalverbänden mit einem schriftlichen Appell an Politik und Öffentlichkeit gewandt, um auf die wirtschaftlich angespannte Lage vieler Betriebe aufmerksam zu machen. Eine angespannte Lage, die auch Brauereien aus der Region zu schaffen macht.

Steigende Ausgaben in allen Bereichen

Wenn Alois Unertl senior, Geschäftsführer der Brauerei Unertl in Haag, derzeit die Ausgaben der Brauerei durchgeht, kann er nur den Kopf schütteln. „Die Kostenexplosion betrifft wirklich alle Bereiche“, sagt Unertl senior gegenüber den OVB-Heimatzeitungen – von der Energie bis zu den Rohstoffen. „An der Preisschraube drehen wir aber vorerst nicht“, verspricht der Geschäftsführer den Verbrauchern und verweist auf eine Preiserhöhung, die das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr vollzogen hatte.

Auch die Reduzierung des Personals kommt laut Unertl senior nicht infrage, schließlich „haben wir ja genug Arbeit“. Jedenfalls so lange die zur Weißbier-Herstellung notwendigen Rohstoffe vorhanden sind. Das sei nämlich fast noch das größere Problem der Branche, wo der Brauereichef verrät. Wobei Unertl andeutet, dass der Rohstoffmangel auch System haben könnte, denn: „Wenn man bereit ist, einen hohen Preis zu zahlen, sind plötzlich auch wieder ausreichend Rohstoffe da.“

Dass die seitens der Bundesregierung angekündigte Entlastung bei den Strom- und Gaspreisen, deren genaue Ausgestaltung noch offen ist, den Brauereien wieder die Möglichkeit zum Luftholen gibt, daran glaubt Unertl senior indes nicht. Er würde sich stattdessen eine deutliche Steuersenkung wünschen – am besten bei der Mineralölsteuer, „die ja letztlich Betrieben und Verbrauchern an den Tankstellen zugute kommt“.

„Zu 100 Prozent“ Unterstützung

Dass es unbedingt zu finanziellen Erleichterungen kommen muss, davon ist auch Roland Bräger, Direktor der Schlossbrauerei Maxlrain bei Tuntenhausen, überzeugt. Er kann nach eigenen Angaben die Forderungen der Brauereiverbände „zu 100 Prozent“ unterstützen. „Die explodierenden Kosten betreffen ja nicht nur die Brauereien, sondern eigentlich alle produzierende Wirtschaftszweige“, so Bräger. „Wir Brauer wollen mit unseren Forderungen einfach jetzt mal vorangehen, um der ganzen Wirtschaft eine Stimme zu geben.“ Vor allem die derzeit exorbitanten Energiepreise würden über kurz oder lang „regionalen Betrieben das Genick brechen.“

Seine Brauerei könne die steigenden Kosten derzeit zwar noch kompensieren. „Auf Dauer geht das aber nicht, ohne an der Preisschraube zu drehen.“ Welche Verteuerung der Produkte das dann bedeuten würde, darauf hat Bräger noch keine konkrete Antwort: „Jetzt davon zu reden, wie teuer das Bier dann würde, wäre auch das falsche Signal.“ Zumal er die Preispolitik der Großbrauereien derzeit mit großer Sorge beobachtet. „Die geben einem derzeit ja teilweise das Gefühl, dass das Bier noch billiger wird“, so Bräger und ergänzt: „Da könnte man fast vermuten, einige Konzerne würde damit Marktbereinigung betreiben wollen.“

Damit es erst gar nicht dazu kommt, dass Brauereien von der Landkarte verschwinden, hofft der Brauereidirektor auf die richtigen Entscheidungen seitens der politischen Entscheider. „Die Politik wird zwar nicht alle unsere Probleme lösen können“, weiß Bräger, „aber wenn sie die Energiepreise in den Griff bekommen, ist vielen Brachen schon sehr geholfen.“ Gelinge das nicht und stünden dadurch viele Unternehmen vor dem Aus, sehe Bräger „hohes Potenzial für sozialen Unfrieden“.

Rückgewinnung von Kohlensäure

Und wie ist die Lage bei den zwei großen Rosenheimer Brauereien? Während die Flötzinger Brauerei trotz mehrmaliger Kontaktaufnahme seitens der OVB-Heimatzeitungen die Anfrage unbeantwortet ließ, beobachtet Auerbräu „die Entwicklung natürlich mit großer Sorge“, wie Michael Hinterseer mitteilt. Der Unternehmenssprecher betont aber auch: „Wir sind glücklicherweise in der Lage, durch eigene Energiegewinnung über Solaranlagen sowie durch die Rückgewinnung von Kohlensäure die Schwierigkeiten etwas abfedern zu können.“ Daher stünde ein Produktionsstopp derzeit auch überhaupt nicht zur Debatte.

Eine Anhebung der Preise für die Produkte kann Hinterseer aber nicht ausschließen, auch wenn der Unternehmenssprecher dazu nicht ins Detail gehen will und nur eher allgemein sagt: „Jedes Unternehmen beschäftigt sich derzeit natürlich mit der Frage, wie auf die steigenden Kosten reagiert werden kann.“

Brauwirtschaft spricht von Existenzangst

Von „Existenzangst“ in weiten Teilen der Brauwirtschaft sprechen die Unterzeichner, von hunderten Betrieben und vielen tausend Arbeitsplätzen, die auf dem Spiel stünden: In einem „offenen Appell“ unter der Überschrift „Es ist 5 vor 12!“ hat sich der Deutsche Brauer-Bund gemeinsam mit sechs regionalen Verbänden – darunter der Bayerische Brauerbund – an die Politik gewandt. Die Unterzeichner verweisen dabei auf die massive Kostensteigerung, mit denen die Betriebe zu kämpfen hätten. So lägen die Beschaffungskosten für Gas und Strom aktuell bis zu 1000 Prozent über dem Niveau zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Auch unbedingte notwendige Güter wie Malz, Glas oder Kronkorken hätten sich um rund 80 Prozent, Paletten gar um 150 Prozent verteuert. Hinzu käme ein Mangel an dem für die Produktion wichtigem Gas Kohlendioxid, der letztlich zu „Produktionsausfällen bis zur Schließung von Brauereien führt“. In ihrem dreiseitigen Appell schließen die Brauereiverbände mit vier Forderungen an die Politik: Zum einen müsse der Gas- und Strompreis auf einem Niveau gedeckelt werden, das den Betrieben „die Aufrechterhaltung ihrer Produktion erlaubt und so die Arbeitsplätze erhält“. Zudem fordern die Verbände, alle verfügbaren Energieträger zur Herstellung von Strom zu nutzen, alle Bestandteile, die die Höhe des Gas- und Strompreises beeinflussen, auf den Prüfstand zu stellen, und die sogenannte Merit-Order-Regelung, anhand derer der Strompreis berechnet wird, auszusetzen beziehungsweise zu korrigieren.

Kommentare