Postulantin streitet weiter um ihr Kloster

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Claudia Schwarz will nicht aufgeben: Sie möchte Nonnen-Anwärterin im Kloster Altomünster bleiben. Foto: Mirgler/dpa

Claudia Schwarz (39), Nonnen-Anwärterin in Altomünster, will das dortige, bereits leer stehende Kloster nicht verlassen. Vor dem Landgericht München II kämpfte sie gestern ein weiteres Mal um den Verbleib in Zelle 13. Doch die Zeichen stehen auf Sturm. Rom soll sich gegen sie entschieden haben.

Prozess

von Angela Walser

München – Seit Monaten wartet Richter Markus Preißinger auf eine Nachricht aus dem Vatikan. Es geht immer noch um die angebliche Postulantin Claudia Schwarz (39). Die ausgebildete Juristin hat sich in den Kopf gesetzt, im Kloster Altomünster (Kreis Dachau) ihr Noviziat zu beginnen. Doch die Erzdiözese München und Freising will das leer stehende Kloster schließen, nachdem der Vatikan die Auflösung des einzigen deutschen Klosters des Birgitten-Ordens beschlossen hatte. „Gott will Altomünster“, behauptete die 39-Jährige gestern. Davon ist sie überzeugt. Und sie ist erst bereit, sich mit dem Gedanken des Auszugs anzufreunden, wenn die Apostolische Signatur, das höchste Gericht der römischen Kurie, über ihren Einspruch gegen die Auflösung entschieden hat.

Laut Erzbistum soll nun endlich eine Entscheidung vorliegen, die im März verkündet wird und die sich gegen die Pläne von Claudia Schwarz richtet. Doch die 39-Jährige glaubt nicht, das dieses Urteil endgültig ist. Vielleicht will sie es auch einfach nicht wahrhaben. In einem früher geschlossenen Vergleich nämlich hatte sie erklärt, Altomünster zu verlassen, sollte Rom das Aus des Klosters verkünden. Doch nach eigenen Worten hängt sie am Gemäuer des alten Zweiges des Erlöser-Ordens. Dessen letzte Nonne, Apollonia Buchinger, war vor genau einem Jahr ausgezogen. Sie lebt heute in einem Pfarrhaus in Vilseck in der Oberpfalz. Claudia Schwarz telefoniert regelmäßig von ihrem Handy aus mit ihr. Der Telefonanschluss des Klosters wurde von der Erzdiözese gekündigt. Mit dem Bistum, erzählte die Postulantin, gibt es immer wieder kleinere Reibereien. Im Sommer wurde der 39-Jährige verboten, den Rasenmäher zu benützen, um den Klostergarten zu mähen. Ein Freundin half ihr mit einem Leihmäher aus. Seit kurzem kommt die Juristin nicht mehr an die 2016 geernteten Walnüsse. Sie lagern im Kloster-Stadl, und der ist nun verschlossen. Versperrt ist auch die Gästehaus-Kapelle. Ein öffentliches Gebet hält die Postulantin jeden Montag in der Küche eines Nachbarn ab. Die Chorkapelle kann die aus Egling (Kreis Wolfratshausen-Bad Tölz) stammende Frau für ihre Gebete aber noch nutzen.

Dort und in ihrer Zelle hält sie sich strikt an den täglichen Klosterablauf. Der beginnt um 5:10 Uhr mit dem Aufstehen und endet mit dem siebten Gebet irgendwann in der Nacht. Zwischendurch hält die Nonnen-Anwärterin das Kloster intakt, trägt Heiligenlieder zusammen, digitalisiert ein Totenbuch und bereitet momentan Passionsandachten vor. Mittags kocht sie sich etwas auf einem Herd, der im Flur vor ihrer Zelle steht. Eine Küche gibt es nicht mehr. Doch das scheint die Postulantin ebenso wenig zu stören wie die bittere Kälte, die momentan im leer stehenden Gemäuer herrscht.

Im aktuellen Verfahren stritt Claudia Schwarz mit den Vertretern des Erzbistums über die juristisch genaue Version des Vergleichs. Richter Preißinger hätte gerne eine Präzisierung dahingehend geschaffen, dass mit der Entscheidung aus Rom tatsächlich kein weiterer Widerspruch mehr möglich ist. Doch darauf wollte sich die 39-Jährige nicht einlassen. Die vernommenen Zeugen, allesamt am ersten Prozess um den Vergleich beteiligt, konnten sich nicht mehr genau an die Auslegung der Interessensabwägung erinnern. Der Prozess soll im März fortgesetzt werden.

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