Polizei zürnt dem FC Bayern

Markus Hörwick, Mediendirektor der Bayern. foto: dpa
+
Markus Hörwick, Mediendirektor der Bayern. foto: dpa

Gemeinsam mit der Polizei verhängte der FC Bayern dutzende Stadionverbote gegen Hooligans. Nun hob der Rekordverein die Verbote eigenhändig wieder auf – ohne offizielle Rücksprache mit den Beamten.

Das Polizeipräsidium ist stinksauer, die Bayern aber können die Aufregung nicht verstehen.

Ärger um Aufhebung von Stadionverboten

Gemeinsam mit der Polizei verhängte der FC Bayern dutzende Stadionverbote gegen Hooligans. Nun hob der Rekordverein die Verbote eigenhändig wieder auf – ohne offizielle Rücksprache mit den Beamten. Das Polizeipräsidium ist stinksauer, die Bayern aber können die Aufregung nicht verstehen.

von patrick wehner

Es flogen Flaschen, Steine und Fäuste. Kurz vor dem Spiel des FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg in München im April 2013 kam es zu schweren Ausschreitungen zwischen dutzenden Ultras der Bayern und der Nürnberger. Im U-Bahnbereich der Allianz Arena lieferten sich die beiden Gruppen und Polizeikräfte eine heftige Schlägerei. Die Bilanz: 16 verletzte Polizisten, vier beschädigte Einsatzwagen, 30 festgenommene Fans, 24 davon aus Nürnberg. Die Polizei sprach von noch nie da gewesener Gewalt im Rahmen einer Fußballveranstaltung in München. Gemeinsam einigten sich Polizei, Stadtverwaltung und die Vereinsführung damals darauf, gegen 33 Hooligans zeitlich begrenzte Stadionverbote zu erlassen.

Entsprechend empört reagiert nun die Münchner Polizei auf die Aufhebung dieser Verbote durch den FC Bayern München. „Das ist nicht nachvollziehbar und stellt ein falsches Signal gegenüber Randalierern dar“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums. Dem Vernehmen nach waren die Beamten ganz besonders darüber verschnupft, dass die Bayern diese Verbote ohne offizielle Absprache mit der Polizei aufhoben. Der Wunsch der Beamten wäre es gewesen, wenn man diese Entscheidung bereits im Vorfeld abgesprochen hätte, hieß es aus dem Präsidium. Insgesamt „begnadigte“ der Verein 55 seiner Anhänger, die in den vergangenen Monaten aus unterschiedlichen Gründen das Stadion nicht mehr betreten durften.

An der Säbener Straße allerdings kann man die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick spricht nicht von einer Aufhebung der Stadionverbote, sondern von einer „Aussetzung auf Bewährung“, die auch im Einklang mit den Statuten des Deutschen Fußballbunds (DFB) stünden. „Wenn einer nach eineinhalb Jahren wieder ins Stadion darf und auch nur ein Zehnerl klaut, dann ist das Verbot wieder da.“ Hörwick ist überzeugt, dass diese Fans nun „die bravsten Besucher“ sein werden. Zudem verweist er darauf, dass gegen die Hooligans bislang kein Prozess laufe und sie juristisch gesehen als unschuldig gelten müssten.

Auch habe es laut Hörwick sehr wohl Gespräche mit den zuständigen Einsatzleitern der Polizei gegeben, die Stadionverbote auf Bewährung auszusetzen. Das gibt man nun auch im Präsidium zu – jedoch fand die Kommunikation auf höherer Dienstebene offenbar nur durch ein simples Fax statt, in dem der Verein seine Entscheidung lediglich bekannt gab. Ein einfaches Kommunikationsproblem also?

Vielleicht. Die Verstimmung zwischen Polizei und dem Rekordmeister fällt jedenfalls in die bundesweite Debatte um die Beteiligung der Vereine und der Deutschen Fußballliga (DFL) an den Polizeikosten für die Spiele. Die rot-grüne Bremer Landesregierung hatte vor Kurzem angekündigt, der DFL Kosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen in Rechnung zu stellen. Auch das SPD-geführte Innenministerium Nordrhein-Westfalens stellte Anfang August ein Projekt vor, in dem die Polizeipräsenz in Stadien drastisch reduziert werden soll. So wolle man die Eigenverantwortung der Fans und der Vereine fördern. Für das Vorhaben aus Bremen hatte es massive Kritik von der DFL, dem DFB und den Klubs gegeben. Auf Nachfrage unserer Zeitung, ob der aktuelle Fall aus München diese Diskussion nun neu befeuert, gab sich der DFB bedeckt. Man äußere sich nicht zu „einzelnen Vereinen und deren Praxis im Umgang mit Stadionverboten“. Bayern-Medienchef Markus Hörwick vewies jedenfalls auf die „klare Haltung“ des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU). Herrmann gilt als Verfechter der Übernahme der Polizeikosten duch die Bundesländer. Hörwick betonte auch die bislang gute Zusammenarbeit mit der Münchner Polizei: „Wir haben ein entspanntes Verhältnis und wollen das auch in Zukunft haben.“

Kommentare