Großer Fahndungserfolg

Polizei in Österreich schnappt die Krähenfuß-Einbrecher von Erlstätt

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Dieses Radarfoto schoss eine Kamera in der Nähe von Villach. Zu erkennen: Fahrer und Beifahrer hatten sich mit Sturmhauben maskiert.
  • Moritz Kircher
    vonMoritz Kircher
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Sie sind in Erlstätt (Grabenstätt) ins Feuerwehrhaus eingestiegen und haben einen teuren Rettungsspreizer geklaut. Dann flüchteten die Einbrecher bei einer spektakulären Verfolgungsjagd vor der Polizei. Dem mutmaßliche Diebesduo, dem zahlreiche weitere Taten angelastet werden, wurde nun geschnappt.

Grabenstätt/St. Pölten - Die Polizei lastet den beiden jetzt verhafteten Männern aus der Slowakei 13 Einbrüche an, 11 Autodiebstähle und mehrere Angriffe mit sogenannten Krähenfüßen bei Fluchten nach ihren Taten. Die kriminellen Aktivitäten sollen sich in Deutschland, Österreich und Polen abgespielt haben.

In Erlstätt ins Feuerwehrhaus eingebrochen

Ein besonderes spektakulärer Fall, den die Polizei dem kriminellen Duo zuschreibt, ereignete sich im März dieses Jahres in Erlstätt bei Grabenstätt und in der Folge bei einer Verfolgungsjagd auf der A8, als die Einbrecher Richtung Österreich entkamen.

In Erlstätt waren Einbrecher ins Gerätehaus der Feuerwehr eingedrungen und hatten einen hochwertigen Rettungsspreizer im Wert von rund 20.000 Euro entwendet. „Bei dem Einbruch gingen die Täter hochprofessionell vor, sodass davon auszugehen ist, dass zwischen der Tat und dem flüchtenden Fahrzeug ein Zusammenhang besteht und die Täter vermutlich zur Verdeckung des Einbruchs die Flucht ergriffen“, teilte die Polizei in einer Erklärung mit.

Polizei mit Krähenfüßen auf der Autobahn abgehängt

Die Polizei wollte damals in der Tatnacht bei Bergen einen schwarzen Audi S6 mit österreichischem Kennzeichen kontrollieren. Der Fahrer beschleunigte, bog auf A8 Richtung Salzburg ein und flüchtete. Bei einer anschließenden Verfolgungsjagd mit der Polizei warfen die Insassen des Fahrzeuges sogenannte Krähenfüße - ineinander verbogene Nägel aus dem Fenster - und bremsten damit mehrere folgende Fahrzeuge aus und beschädigten diese.

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Nachdem das flüchtende Fahrzeug schließlich die Grenze passiert hatte, wurde der schwarze Audi auf der A10 in Fahrtrichtung Villach mit 228 Stundenkilometern geblitzt. Das Radarfoto zeigt deutlich zwei maskierte Männer auf dem Fahrer- und Beifahrersitz.

Die beim Landeskriminalamt Niederösterreich meldet nun, dass die eingerichtete Ermittlungsgruppe "Operation Krähe" nach aufwendigen und intensiven Ermittlungen 13 teils vollendete Einbruchsdiebstähle in Geldausgabeautomaten, 11 Kfz-Diebstähle, sowie zahlreiche Geschäftseinbruchsdiebstähle und Kennzeichendiebstähle klären konnte. Zwei Beschuldigte sind festgenommen.

Die weitere Pressemeldung der Polizei Niederösterreich im Wortlaut:

Bereits im März 2019 ereigneten sich in Niederösterreich und Burgenland insgesamt vier versuchte Einbruchsdiebstähle in Geldausgabeautomaten bei Banken und Supermärkten, wobei zu diesem Zeitpunkt durch die ermittelnden Polizeibediensteten weder ein örtlicher noch zeitlicher Zusammenhang zwischen den einzelnen Taten hergestellt werden konnte. Sie stellten zu diesem Zeitpunkt lediglich fest, dass bei diesen Tatorten noch vor der Vollendung des Einbruchsdiebstahls die Bereiche des engeren Tatortes mittels Brandbeschleuniger in Brand gesteckt worden waren.

Fünfstellige Bargeldsumme aus Geldautomat erbeutet

Am 11. April 2019, gegen 03.10 Uhr, kam es erneut zu einem Einbruchsdiebstahl in einen Geldausgabeautomaten im Foyer-Bereich einer Supermarkt-Filiale in Guntramsdorf, Bezirk Mödling. Bei diesem Angriff wurde die Tat vollendet und die Täterschaft konnte eine fünfstellige Bargeldsumme erbeuten. Nach Beendigung des Angriffes wurde der komplette Tatortbereich durch die Täter neuerlich in Brand gesteckt.

Aufgrund einer entsprechenden Alarmauslösung konnten die zufahrenden Polizeistreifen noch zwei Tatfahrzeuge auf der Flucht vom Tatort wahrnehmen. Im Zuge der sofortigen Verfolgung wurden aus den Täterfahrzeugen sogenannte Krähenfüße geworfen, die eine weiterführende Nachfahrt durch die Polizei verhinderten, da folglich mehrere Reifen der Dienstfahrzeuge beschädigt wurden. Eine Streife versuchte noch durch das Rammen eines Täterfahrzeuges die weitere Flucht zu verhindern, was allerdings nicht gelang.

Tatfahrzeug angezündet und zurückgelassen

Kurze Zeit später konnte im Nahbereich der Autobahnraststätte Guntramsdorf eines der Täterfahrzeuge in Vollbrand vorgefunden werden. Wie sich herausstellte, war dieses Fahrzeug kurz vor der Tat in Maria Enzersdorf gestohlen worden.

In der Folge kam es am 1. Mai 2019, sowie am 7. Mai 2019 zu neuerlichen Bankomatangriffen bei einer Bankfiliale in Böheimkirchen, Bezirk St. Pölten-Land, und einer Supermarkt-Filiale in Wiener Neustadt, wobei auch hier keinerlei Anhaltspunkte zu den Tätern ermittelt werden konnten. Lediglich die Brandlegung an den Tatorten nach den jeweiligen Einbruchsversuchen, sowie das Anzünden eines gestohlenen Fahrzeuges im Bereich Wiener Neustadt, ergaben Verdachtsmomente eines möglichen Zusammenhanges der Taten.

Polizei macht Jagd auf maskierten Autodieb

Am 22. Mai 2019, gegen 01.30 Uhr, konnte eine Streife der Polizeiinspektion Brunn am Gebirge im Gemeindegebiet von Brunn am Gebirge, Bezirk Mödling, einen maskierten Mann feststellen, der an einem geparkten Auto hantierte. Bei ansichtig werden der Polizeistreife sprang der Maskierte in einen Pkw und ihm gelang trotz sofort eingeleiteter Fahndungsmaßnahmen eine unerkannte Flucht. Bei den Ermittlungen stellten Polizisten fest, dass der abgestellte Pkw kurz zuvor in Wien gestohlen worden war und es wurde von den ermittelnden Beamten umgehend ein Zusammenhang mit der Serie an Bankomateinbruchsdiebstählen hergestellt.

Ein weiterer Bankomateinbruchsdiebstahl wurde am 26. Mai 2019, gegen 01.48 Uhr, bei einer Supermarkt-Filiale in Kottingbrunn, Bezirk Baden, verübt. Dabei wurde die Tat vollendet und der Tatort wiederum in Brand gesteckt. Im unmittelbaren Zusammenhang mit der Tat wurden zwei hochpreisige Pkw gestohlen, zur Tatausführung verwendet und im Anschluss sofort angezündet.

Spezialeinheit fahndet weltweit nach den Dieben

Aufgrund der bis zu diesem Zeitpunkt bekannten Fakten, den möglichen Zusammenhängen aufgrund der Vorgangsweise und den Erkenntnissen, dass es sich um eine hochprofessionelle Tätergruppe handelt, die auch für das etwaige Betreten bei der Tatausführung entsprechend vorbereitet ist und keinerlei Ermittlungsansätze bei den einzelnen Taten hinterlässt, wurde mit Ende Mai 2019 ein eigenes Ermittlungsteam beim Landeskriminalamt Niederösterreich eingerichtet, das ausschließlich für die Bearbeitung der angeführten Taten zuständig war und unter dem Namen "Operation Krähe" agierte.

In enger Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Spezialeinheiten der Polizei in Österreich und mit Unterstützung nordamerikanischer und europäischer Polizeieinheiten wurden die bisherigen Erkenntnisse aufgearbeitet und durch Umsetzung operativer Maßnahmen konnte sehr bald festgestellt werden, dass die gegenständliche Tätergruppe aus den östlichen Nachbarländern Österreichs zur Tatausführung anreist und nach den Taten das Land umgehend verlässt.

Erster Zugriff des Einsatzkommandos Cobra scheitert

Nach einem weiteren Einbruchsdiebstahl in einen Geldausgabeautomaten am 4. Juni 2019 in Vorchdorf, Oberösterreich, bei dem wiederum die Parallelen zu den bereits abgelaufenen Taten eindeutig hergestellt werden konnten, wurden umfassende Polizeimaßnahmen im Grenzbereich zur Slowakei umgesetzt.

Bei einer sodann festgestellten Einreise der Täter nach Österreich in der Nacht zum 3. Juli 2019 wurde durch die Bearbeiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich der Zugriff für das Einsatzkommando Cobra freigegeben. Trotz eines massiven Einsatzes der Spezialkräfte konnten sich die Täter nach mehrfachen Widerständen gegen die Staatsgewalt, Kfz-Rammungen, Beschädigungen von öffentlichem Gut und dem Auswerfen von Krähenfüßen der Anhaltung entziehen und gelang eine Flucht nach Ungarn, wobei im Zuge der Verfolgung Höchstgeschwindigkeiten von 250 km/h auf der Autobahn erreicht wurden.

Bande schlägt wieder bei einem Geldautomaten zu

Ab diesem Zeitpunkt musste bei jedem Kontakt zwischen der Tätergruppe und der Polizei von einer massiven Gefährdung der eingesetzten Beamten, aber auch von Unbeteiligten, sowie von höchster krimineller Energie ausgegangen werden. Das Gesamtbild ließ auf die höchst professionelle Vorgangsweise der Tätergruppe und den Umstand schließen, dass eine Festnahme den hundertprozentigen Einsatz aller operativen und legistischen Möglichkeiten erfordern wird.

In Österreich kam es am 11. Juli 2019 (Supermarkt Oberwaltersdorf) und am 7. August 2019 (Supermarkt Mattersburg) zu neuerlichen vollendeten Angriffen auf die dort befindlichen Geldausgabeautomaten. Durch die bereits umgesetzten polizeilichen Maßnahmen in Verbindung mit der extrem aufwendigen Analyse der tatrelevanten Fakten konnte nach diesem Angriff ein entsprechendes Profiling ermittelt werden.

Mehr als 100 Beamte suchen die Kriminellen

Durch diese Erkenntnisse wurde eine enorme und zielorientierte Einsatzplanung über mehrere Wochen praktisch umgesetzt, bei der täglich mehr als 100 Beamte des Landeskriminalamtes Niederösterreich, der Direktion für Sondereinheiten, der Flugpolizei, sowie Einheiten der Landesverkehrsabteilung Niederösterreich mit gemeinsamer Einsatzleitung, für die Feststellung und Weiterverfolgung der Täter im Einsatz waren.

Weiters wurden die operativen Ermittlungstätigkeiten auf die Länder Slowakei und Tschechien erweitert. Gerichtlich bewilligte Maßnahmen, die zur Ausforschung der Täter notwendig waren, wurden in den Ländern Slowakei, Tschechien, Luxemburg, Irland und den USA angeordnet und mittels Rechtshilfe umgesetzt. Das komplette Ermittlungsverfahren wurde von der Staatsanwaltschaft Korneuburg geleitet und akkordiert.

Erster Beschuligter am 12. November festgenommen

All diese Maßnahmen führten schließlich Anfang November 2019 zur Ausforschung von 2 unmittelbaren Beschuldigten, die sich mit einem gestohlenen Pkw auf den Weg zur Verübung einer weiteren Straftat machten und in der Nacht zum 7. November 2019 einen weiteren Angriff auf einen Geldausgabeautomaten in Warschau in Polen verübten.

Da aus diesen internationalen Observationserkenntnissen eine entsprechende Beweisführung zu den angeführten Straftaten, die sich über 5 Länder erstreckten, möglich war, wurde am 12. November 2019 ein koordinierter Zugriff mit Festnahme auf den 44-jährigen Beschuldigten durch Beamte der "Ermittlungsgruppe Operation Krähe" und mit Unterstützung durch die Direktion für Sondereinheiten – Einsatzkommando Cobra in Wien durchgeführt.

Ein Beschuldigter gesteht die Taten

Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen mehrfach einschlägig vorbestraften slowakischen Staatsbürger, der erst im November 2018 vorzeitig aus der Haft in der Slowakei entlassen wurde. Der Beschuldigte lebte unangemeldet seit Juli 2019 mit seiner Familie in Wien. Seinen Lebensunterhalt dürfte er durch die Begehung von Straftaten finanziert haben. Bei einer angeordneten Durchsuchung seiner Aufenthaltsadresse in Wien konnte noch ein fünfstelliger Bargeldbetrag vorgefunden und sichergestellt werden, der aus dem letzten Einbruchsdiebstahl in einen Geldausgabeautomaten stammen dürfte.

Aufgrund der erdrückenden Beweislast zeigte sich der Beschuldigte geständig. Er wurde über Anordnung der Staatsanwaltschaft Korneuburg in die dortige Justizanstalt eingeliefert.

Zweiter Beschuldigter mit europäischem Haftbefehl festgenommen

Der zweite unmittelbare Beschuldigte, ein 36-jähriger slowakischer Staatsbürger, wurde aufgrund eines Europäischen Haftbefehls der Staatsanwaltschaft Korneuburg am 14. November 2019 in der Slowakei festgenommen und befindet sich seit dem in Auslieferungshaft für Österreich.

Durch eine weitere Durchsuchungsanordnung der Staatsanwaltschaft Korneuburg konnte in der Slowakei die versteckte Garage der Tätergruppe durchsucht werden. Hierbei konnte der letztlich verwendete Pkw, der im Juni 2019 in Deutschland gestohlen worden war, sowie umfangreiches Tatwerkzeug und Tatutensilien usw. vorgefunden und ebenfalls sichergestellt werden.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand können der Tätergruppe folgende Straftaten zugeordnet werden:

13 Bankomat-Einbruchsdiebstähle

12.03.2019: Bank in Neudorf bei Staatz, Bezirk Mistelbach, NÖ
19.03.2019: Lebensmittelgroßhandel in Wiener Neustadt, NÖ
22.03.2019: Bank in Kittsee, Bezirk Neusiedl am See, Burgenland
28.03.2019: Supermarkt-Filiale in Bruck/Leitha, Bezirk Bruck an der Leitha, NÖ
11.04.2019: Supermarkt-Filiale in Guntramsdorf, Bezirk Mödling, NÖ
01.05.2019: Bank in Böheimkirchen, Bezirk St. Pölten-Land, NÖ
07.05.2019: Lebensmittelgroßhandel in Wiener Neustadt, NÖ
26.05.2019: Supermarkt-Filiale in Kottingbrunn, Bezirk Baden, NÖ
04.06.2019: Supermarkt-Filiale in Vorchdorf, Bezirk Gmunden, OÖ
09.07.2019: Einkaufszentrum in Gliwice/Polen
11.07.2019: Supermarkt-Filiale in Oberwaltersdorf, Bezirk Baden, NÖ
07.08.2019: Supermarkt-Filiale in Mattersburg, Bezirk Mattersburg, Burgenland
07.11.2019: Einkaufszentrum in Warschau/Polen

11 Kfz-Diebstähle

04.03.2019: Pkw in Hörsching, Bezirk Linz-Land, OÖ
04.03.2019: Pkw in St. Pölten/NÖ
10.04.2019: Pkw in Maria Enzersdorf, Bezirk Mödling NÖ
03.05.2019: Pkw in Wiener Neustadt, NÖ
21.05.2019: Kleinbus in St. Valentin, Bezirk Amstetten, NÖ
22.05.2019: Pkw in Wien
25.05.2019: Pkw in Theresienfeld, Bezirk Wr. Neustadt-Land, NÖ
25.05.2019: Pkw in Theresienfeld, Bezirk Wr. Neustadt-Land, NÖ
04.06.2019: Pkw in Marchtrenk, Bezirk Wels-Land, OÖ
13.06.2019: Pkw in Chemnitz, Deutschland
05.08.2019: Kleinbus in Bruck an der Leitha, Bezirk Buck an der Leitha, NÖ

Angriffe mittels Krähenfüße

06.03.2019: Bergen und Autobahn A8, Deutschland
11.04.2019: Guntramsdorf, Bezirk Mödling, NÖ
03.07.2019: Kittsee, Bezirk Neusiedl am See, Burgenland
23.08.2019: Autobahn A1, Höhe Allhaming, Bezirk Linz-Land, OÖ

Weitere Taten

Einbruch in ein Feuerwehrhaus in Erlstätt, Deutschland

Geschäftseinbrüche in Neusiedl am See und Bruck an der Leitha

Unzählige Kennzeichentafeldiebstähle in Österreich, Deutschland, Slowakei und Tschechien

Die Ermittlungen laufen weiter.

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