Polit-Missklänge im Gotteshaus

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„Der Ton wird rauer“:Stofferl Well sieht politische Gründe hinter der Absage. ms

Weil der Komponist in einem Interview die CSU kritisiert hat, ist ein Kirchenkonzert in Ingolstadt kurzerhand abgesagt worden. Trompeter und Kabarettist Christoph „Stofferl“ Well, der hätte mitspielen sollen, ist empört: „Das ist eine Ungeheuerlichkeit“, sagt er.

Konzertabsage Nach CSU-Kritik

Von Peter T. Schmidt

Ingolstadt – Die „Orgeltage Ingolstadt“, 1983 gegründet, haben sich zu einem international beachteten Festival gemausert. Am Sonntag hätte eine Uraufführung des renommierten Komponisten Robert Maximilian Helmschrott den Reigen der neun Konzerte eröffnen sollen. Thema: „Krieg und Frieden“. Doch dazu wird es nicht kommen. Denn Helmschrott, emeritierter Musikprofessor und ehemaliger Präsident der Hochschule für Musik und Theater München, erzählte in einem Interview im Donaukurier, was hinter seinem Werk „Salamu“ steckt.

Was er da zu den Stichworten Dreißigjähriger Krieg, Erster und Zweiter Weltkrieg sowie „Kriege und Kriegstreiberei“ in der Gegenwart komponiert habe, sei zur „Wutmusik“ geraten, sagte Helmschrott in dem Interview. Und dann wurde er grundsätzlich: „Meine Musik wendet sich auch gegen die Skandalpolitik der CSU“, sagte er mit Hinweis auf die Großdemonstration „ausgehetzt“ am vergangenen Sonntag auf dem Münchner Königsplatz. Kurz vor dem Ende des Stücks, so kündigte Helmschrott an, solle ein CSU-kritisches Gedicht von Friedrich Ani verlesen werden.

Im Pfarramt des Ingolstädter Münsters schrillten die Alarmglocken. Münsterpfarrer Bernhard Oswald habe Franz-Josef Paefgen angerufen, den Vorsitzenden des Vereins „Freunde der Musik am Münster“, der das Festival veranstaltet, berichtet der Donaukurier. Der ehemalige Audi-Vorstand fackelte nicht lange und sagte das Konzert ab. „Wir mussten etwas tun“, zitiert ihn die Lokalzeitung. „Ich habe ihm (Pfarrer Oswald, Anm. d Red.) zugestimmt, dass wir eine solche politische Diskussion in der Kirche nicht haben wollen.“

„Von einer politischen Demonstration war nicht die Rede“, sagte Helmschrott am Freitag unserer Zeitung. Auf die Gedichtlesung hätte er notfalls auch verzichtet. „Man hätte ja mit mir reden können. Aber das hat niemand gemacht. Das Konzert wurde aus politischen Gründen abgesagt, und das ist ein Skandal.“

Auch Stofferl Well sieht klar politische Gründe hinter der Absage. „Ich spiele seit 40 Jahren in diesem Münster, aber so was habe ich noch nie erlebt“, sagte er am Freitag. Helmschrott sei „ein tiefgläubiger Mensch“. Die Uraufführung seiner Komposition so zu verbieten, sei „eine Entmündigung des Publikums“.

„Man muss auch in der Kirche etwas kritisch zur Diskussion stellen dürfen“, sagt Schlagzeuger Stefan Blum, der in dem Stück einen lautstarken Part gehabt hätte. „Das hat Kardinal Marx schließlich auch gemacht.“ Die Absage wegen eines Interviews, „in Unkenntnis dessen, was da musikalisch geschieht“, macht Blum fassungslos.

Stofferl Well sieht die Absage vor dem Hintergrund des Landtagswahlkampfs. „Der Ton wird rauer“, sagt er und zieht eine Parallele zu dem von der CSU ausgelösten Streit um die Beteiligung von Münchner Theatern an der Demo „ausgehetzt“. „Denen bläst der Wind ins Gesicht, und dann hauen sie um sich.“ Nicht zuletzt wurmt Well die vergeudete Arbeit: „Das ist ein sauschwieriges Zeug. Wir haben zwei Wochen lang geübt“, berichtet er.

Doch womöglich war die Mühe nicht ganz umsonst. Er und seine Kollegen hätten durchaus Interesse daran, das Konzert anderswo zu wiederholen, verriet er am Freitag. „Vielleicht kriegen wir ja Kirchenasyl bei den Protestanten.“

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