Plaudern über Gott und die (Medien-)Welt

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Der Entertainer und der Kardinal: Gottschalk (67) und der jüngere Kardinal Marx (64). Foto: dpa

Ein munteres Gespräch zwischen dem Entertainer Gottschalk und Kardinal Marx markiert den Auftakt der Jubiläumsfeiern der katholischen Journalistenschule in München. Und ein Geständnis des TV-Stars aus seiner journalistischen Lehrzeit: „Mir fehlte der nötige Ernst.“

Gottschalk und Marx

Von Claudia Möllers

München – Natürlich wabert hier nicht allenthalben Weihrauch. Und die Absolventen des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp), der katholischen Journalistenschule, müssen auch nicht jeden Artikel mit einem „Amen“ beenden, wie ein gewisser Thomas Gottschalk 1974 befürchtete, als er neben seinem Germanistik- und Geschichtsstudium beim ifp als Stipendiat begann.

Zum 50-jährigen Bestehen der katholischen Journalistenschule plauderten der Entertainer – inzwischen 67 Jahre alt – und der Münchner Kardinal Reinhard Marx in der Jesuitenhochschule in München über das Verhältnis zwischen Kirche und Medien, über Glauben und die Folgen der Digitalisierung.

„Mir ist jeder Kommentar zur Glosse geraten“, räumte Gottschalk ein. Seine Journalistenkarriere habe nicht richtig funktioniert, weil ihm der nötige Ernst gefehlt habe. Er wollte unbedingt zum Rundfunk, zur leichten Unterhaltung. Um nicht zu „versacken“, landete er beim ifp. Lernte dort eine „positive, fröhliche und konstruktive Arbeitsweise“ kennen, sein Glaubensfundament aus der Kindheit wurde intellektuell verstärkt – sodass es bis heute trägt. Dem ehemaligen Leiter des Instituts, dem Jesuiten Wolfgang Seibel, sei er dankbar: Er habe ihm die Angst genommen, dass jeder Artikel mit einem Amen beendet werden müssen.

Der schillerndste Absolvent des ifp kann aber auch ernsthaft sein – die Auswüchse der Digitalisierung bereiten ihm Sorge. Digitales Fernsehen habe nicht mehr viel mit der Zeit zu tun, als noch drei Generationen vor dem Fernseher saßen. Es werde immer schneller und hektischer – und es fehlten die Figuren, auf die man sich in einer Familie einigen kann.

Kardinal Marx appellierte an die jungen Journalisten, neugierig zu sein auf das, was wirklich passiert ist. Und sie sollten Lust darauf haben, Menschen zu begegnen. „Können wir eine mediale Öffentlichkeit herstellen, in der ein intellektueller Diskurs möglich ist und man sich nicht nur Behauptungen um die Ohren schlägt“, fragte sich der Kardinal angesichts ausartender Beschimpfungen auf Facebook. Wenn Kommunikation nicht gelinge, sei die Demokratie gefährdet. Das ifp müsse an den Herausforderungen der Zeit wie der Digitalisierung dranbleiben.

Von Medienschelte hält Marx nichts. Sie sei zwar in manchen Kirchenkreisen beliebt, bringe aber nichts. Eine Erkenntnis, die auch Pater Seibel (89) teilt. Mit Absolventen des Instituts, die kritisch über Kirche berichten, hat er kein Problem. „Die Verantwortlichen in der Kirche sollten dankbar sein für Kritik, „weil sie beweisen können, dass sie zur Selbstkritik und Reform fähig sind“.

Selbstkritisch zeigte sich übrigens auch Gottschalk. Mit einigen Sätzen auf Twitter hatte er einen Sturm der Entrüstung ausgelöst: „Hab meine DNA aufschlüsseln lassen. (...) Über 50 Prozent Osteuropäer! Deswegen hab ich als Kind so geklaut.“ Dies sei ein „blöder Witz“ gewesen, bereute er: „Ich werde nie ein Feind von irgendjemand sein – Ausländern, Inländern, egal.“ Gewöhnen musste sich Gottschalk daran, dass Bischöfe inzwischen jünger seien als er. „Wenn der erste Papst kommt, der jünger ist als ich, trete ich wirklich zurück.“

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