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Alpengipfel am Spitzingsee

Pelzige Täter? Die Almbauern schlagen Alarm

Den Alpengipfel auf der unteren Firstalm hatte das Landwirtschaftliche Wochenblatt mitorganisiert.
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Den Alpengipfel auf der unteren Firstalm hatte das Landwirtschaftliche Wochenblatt mitorganisiert.
  • Dominik Göttler
    VonDominik Göttler
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Almbauern von Bayern bis Bozen üben den Schulterschluss. Bei einem internationalen Alpengipfel am Spitzingsee erklären sie, wo der Schuh drückt. Und kommen dabei immer wieder zurück zum einen großen Thema.

Spitzingsee – 16 Jahre ist es her, dass Braunbär Bruno durch Bayern streifte. Er landete bekanntlich ausgestopft im Museum. Doch seitdem flammt sie immer wieder auf, die Debatte um den Abschuss der sogenannten großen Beutegreifer wie Bär und Wolf. „Ich habe das Gefühl, dass wir seitdem keinen Schritt vorwärtsgekommen sind“, sagt Landwirt Bernhard Gasteiger aus Irschenberg im Kreis Miesbach. Er plädiert deshalb dafür, Nutztiere sofort und konsequent von den Almen ins Tal zu holen, sobald etwas passiert. Nur so sehe die Bevölkerung, was ihnen an der Almwirtschaft dann Stück für Stück verlorengehe.

Gasteiger ist einer von vielen Almbauern, der sich am Donnerstag (23. Juni) auf zur unteren Firstalm am Spitzingsee gemacht hat. Blasmusik, Brotzeit, Alpenpanorama – und politische Debatten. Klingt nach G7-Gipfel, doch der steigt erst am Sonntag ein paar Täler weiter. Am Donnerstag ging es nicht um Weltpolitik, sondern um die Sorgen der Almwirtschaft in den heimischen Bergen. Geladen zum Alpengipfel hatte eine Allianz von Branchenvertretern der Almwirtschaft aus dem gesamten Alpenraum – von Bayern bis Bozen.

Ziel der Veranstaltung: ein gemeinsamer Appell an die Öffentlichkeit. Denn die Almbauern sorgen sich um die Zukunft ihrer Heimat, ihrer Tiere und ihres Berufsstands. Der Senner-Schuh drückt an allen Ecken und Enden, das wurde bei der mehrstündigen und mitunter hitzigen Diskussion im Bierzelt am Fuß der Brecherspitz deutlich. Von der Invasion der E-Biker auf dem Berg über die Bürokratie beim Stallbau bis zur Dichtigkeitsprüfung der Güllegrube, die To-do-Liste für die Politik ist lang. Die Alpen-Allianz fordert beispielsweise mehr staatliche Unterstützung im Kampf gegen den Klimawandel, für die lokalen Erzeugerketten und beim Kanalisieren der Touristenströme. Doch immer wieder kreist die Debatte um die Kernfrage für die Almbauern: Wie sollen sie weiter ihre Arbeit machen, wenn sich der Wolf weiter ausbreitet und ihre Nutztiere bedroht?

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Die drei ranghöchsten Polit-Gäste, Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU), Österreichs Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) und Südtirols Landesrat Arnold Schuler (SVP), alle aus dem konservativen Lager, waren sich da weitgehend einig. „Wir wollen beim Wolf die Senkung des Schutzstatus für die Alpenregion hinbekommen“, sagte Kaniber. In ihrer Macht liegt das allerdings nicht – in der Abschussfrage geben der Bund und Brüssel den Ton an. Und da fehlt es bislang an Mehrheiten für einen rigoroseren Wolfskurs.

Nebeneinander von Wolf und Almwirtschaft unmöglich?

Viele Almbauern machten am Donnerstag mit ihren Wortmeldungen einmal mehr klar: ein Nebeneinander von Wolf und Almwirtschaft ist für sie nicht möglich. Naturschützer sehen das in der Regel anders. Martin Geilhufe vom Bund Naturschutz betonte auf dem Podium, dass man zum alten Zustand ohne Wolf nicht mehr zurückkommen werde – Herdenschutz könne funktionieren, wenn auch nicht überall. Josef Glatz, Chef der oberbayerischen Almbauern entgegnete, seine Weidegenossenschaft bräuchte 50 Herdenschutzhunde, um alle Tiere vor dem Wolf zu schützen. „So viele Schafe könnten wir gar nicht schlachten, um diese Hunde alle zu füttern. Und wolfssichere Zäune gibt’s im Tierpark, aber nicht auf der Alm.“ Die Fronten bleiben verhärtet.

Diplom-Biologe und Almexperte Alfred Ringler, der als Vermittler zwischen Nutzung und Naturschutz gilt, zeigte den Gästen auf, wie sich die Almen verändern, wenn sie nicht mehr bewirtschaftet werden. Seine Bilder aus den vergangenen Jahrzehnten sind deutlich: Bleiben Beweidung und Mahd aus, kehrt der Wald zurück – und verdrängt die Artenvielfalt, die sich auf den Almwiesen tummelt. Ringler hat zwei Appelle mit auf die Firstalm gebracht: Die Politik müsse ihre Förderpolitik überdenken, denn die aktuelle Hilfe decke die Leistungen der Bauern nicht ab. Und im ewigen Zwist um den Wolf müssten sich Bauern und Naturschützer zusammenraufen. „Bitte nicht nur schwadronieren, sondern Lösungen finden!“

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