Pannenserie sorgt für Bahn-Chaos

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Tausende Pendler froren an den Bahnsteigen: Im morgendlichen Berufsverkehr ist es gestern zu Störungen und Zugausfällen im gesamten Münchner Bahnnetz gekommen, die sich auf den gesamten restlichen Tag auswirkten.

stammstrecke gesperrt

VON Andrea Stinglwagner und Sven Rieber

München – Menschen drängeln sich an den Schaltern, telefonieren hektisch – zum Beispiel Al Ahmad, Grafikdesigner aus Weilheim, der im Regionalzug in Richtung München sitzt. „Ich bin auf dem Weg zu einer Hochzeit. Meine Nichte heiratet im Standesamt in Pasing“, erzählte er gestern unserer Zeitung. Der 43-Jährige ist schon kurz vor Pasing, als es heißt: Oberleitungsschaden – der Bahnhof ist komplett gesperrt. Sein Zug muss zurück nach Starnberg fahren. „Mein Bruder hat mir gerade am Telefon gesagt, dass es jetzt losgeht. Vielleicht schaffe ich es ja, wenigstens noch zum Essen nach München zu kommen.“

Tausende Pendler und Bahnreisende kämpften sich gestern durch dieses Chaos mit zahlreichen Ausfällen und Schäden. Zuerst war gegen 8 Uhr eine S3 zwischen Langwied und Pasing auf freier Strecke liegen geblieben – die Oberleitung war kaputt. Rund 150 Fahrgäste mussten evakuiert werden. Die Feuerwehr sorgte dafür, dass die Menschen in geheizten Großraum-Rettungswagen untergebracht wurden. Kurz darauf das selbe Spiel: Diesmal war ein Zug der S6 zwischen Laim und Pasing liegen geblieben – ebenfalls auf freier Strecke. Wieder musste die Feuerwehr rund 150 Fahrgäste evakuieren. Und das „große Pech“, wie es Bahn-Sprecher Michael-Ernst Schmidt bezeichnete, ging weiter: Mehrere S-Bahn-Züge auf der Stammstrecke blieben stehen. Der Grund: Störungen in der Stromversorgung. All diese Zwischenfälle addierten sich zu Staus, die sich auf das gesamte Münchner Bahnnetz auswirkten. Während sich in Pasing gestrandeten Pendler schon drängten, fielen Regionalzüge sowie S-Bahnen auf den Außenästen teils ganz aus, Bahnen aus Augsburg wurden einmal um ganz München herum geleitet, um den Verkehrsknotenpunkt Pasing zu umgehen. Mehrere hundert Pendler aus Mühldorf kamen in München überhaupt erst mit mehreren Stunden Verspätung an. Grund: Zwei Dieselloks waren ausgefallen, die auf die Schnelle nicht ersetzt werden konnten.

In der Stadt drängelten sich derweil die Pendler auch an den Bahnsteigen der U-Bahn, wo Reisende dem innerstädtischen S-Bahn-Chaos ausweichen wollten. Doch einige U-Bahnen hatten wieder ganz eigene Probleme: Ihre Bremsen waren eingefroren.

MVG-Sprecher Matthias Korte: „Eigentlich stehen unsere Züge bei diesen Minusgraden hauptsächlich im Warmen. Aber ein Teil muss über Nacht im Freien bleiben – am Kieferngarten und in Neuperlach Süd.“ Zwölf Züge der U5, U7, U3 und U6 mussten am Morgen erst losgeeist werden. Korte: „Wir werden versuchen, in den nächsten Tagen mehr Personal zur Verfügung zu stellen, das bei der Inbetriebnahme am Morgen hilft.“

Doch vor dem Morgen kommt der Abend und der verlangte Bahn-Kunden gleich wieder viel Geduld ab. So waren gegen 18 Uhr wegen Ausfällen und Störungen am Ostbahnhof zwei Gleise blockiert – und das Bahn-Chaos nahm seinen Lauf in die Nacht.

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