Panne an neuen Teststationen

Söder und Huml informieren über Panne bei Corona-Tests +++ Huml hatte Rücktritt angeboten

Ein Rachenabstrich, eine Laboruntersuchung – doch bis Zehntausende Reiserückkehrer von den Ergebnissen ihres Corona-Tests erfahren, dauert es manchmal Tage. 900 Corona-Infizierte wurden bislang gar nicht informiert. Ministerpräsident Söder verkündete mit einer Verzögerung von eineinhalb Stunden die Konsequenzen.

Update 15.35 Uhr

Söder entschuldigt sich bei Wartenden

Es zeichnete sich bereits ab, dass es keine leichten Gespräche waren, die innerhalb der bayerischen Staatsregierung liefen. Die Pressekonferenz zum weiteren Vorgehen mit den bayerischen Corona-Tests für Reiserückkehrer sollte eigentlich um 14 Uhr beginnen. Eigentlich sollte Gesundheitsministerin Melanie Huml die Konferenz halten.

Lesen Sie auch: Sind es Reiserückkehrer? Starker Anstieg der Coronafälle im Landkreis Mühldorf

Doch dann trat trat nach zweimaliger Verschiebung nicht Huml vor die Kameras, sondern Ministerpräsident Markus Söder - mit der Ministerin an seiner Seite. Söder sagte zunächst, dass er das Tempo, mit dem die Tests eingeführt wurden, das Problem zu einem großen Teil bereitet habe.

Die Drive-In-Station für Corona-Tests ist an der Rastanlage Inntal-Ost: Zahlreiche positive Coronavirus-Befunde wurde zu spät an die Betroffenen übermittelt.

Tempo und hohe Nachfrage als Auslöser

„Das Tempo gebe nicht ich vor“, sagte er. Die Coronapandemie bestimme das Tempo. Aus seiner Sicht seien die Probleme auch verzögert gemeldet worden. Er führte auch die große Nachfrage als Auslöser für die Verzögerungen an. In Zukunft würden die Kommunalen Testzentren über das Innenministerium koordiniert und seien dort angesiedelt.

Und fast beiläufig sagte er, dass Melanie Huml zwei Mal ihren Rücktritt angeboten habe. Er stellte sich jedoch hinter die Ministerin: „Fehler passieren.“ Und: „Ich habe weiter Vertrauen zu ihr.“ Die Verzögerungen seien jedoch kein kleiner Fehler. Söder sagte weiter, derzeit würden bereits diejenigen informiert, die zuletzt auf ihre Testergebnisse gewartet hatten. Der Ministerpräsident entschuldigte sich auch bei den Betroffenen.

100 Testergebnisse „schwer zuzuordnen“

Rund 100 Testergebnisse seien „schwer zuzuordnen“. 908 positiv getestete Menschen würden derzeit telefonisch informiert, so Melanie Huml. „Ich weiß, dass jetzt viele in Unsicherheit sind“, so die Ministerin. Melanie Huml sagte zudem, die vergangenen Stunden seien nicht einfach gewesen.

Insgesamt sieht Ministerpräsident Söder die grundsätzliche Entscheidung, Reiserückkehrer zu testen - noch bevor dies vom Bund vorgegeben wurde, als richtig.

Wiederholung der Lage im März?

Dass die Zahl der Neuinfizierten derzeit wieder ansteige, und auch nacheinander wieder mehr und mehr Länder zu Corona-Risikogebieten erklärt würden, mache ihm Sorgen, so Söder. Er hielt an der Richtigkeit der Strategie fest, Reiserückkehrer zu testen. Eine Ausweitung der Risikogebiete habe es auch im März gegeben - dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie.

+++

Update 15.05 Uhr

München - Die Pressekonferenz der bayerischen Gesundheitsministerin wurde erneut verschoben. Laut Informationen des Bayerischen Rundfunks soll es um 15.30 Uhr losgehen.

Update 14.10 Uhr

München - Die für ursprünglich 14 Uhr angesetze Pressekonferenz mit Gesundheitsministerin Melanie Huml wurde laut Informationen des Bayerischen Rundfunks aud 15 Uhr verschoben.

+++

Update 13. August, 13.10 Uhr

Die Bayerische Staatsregierung hatte die Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer als wichtigen Baustein angekündigt, um Neuinfektionen zügig zu erkennen. Doch nun gibt es Kritik an der Praxis: Viele geteste Menschen haben noch keine Ergebnisse., auch Infizierte.

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml wird deshalb um 14 Uhr eine Pressekonferenz geben, die Sie hier live verfolgen können. Auch der Präsident des Landesamtes für Gesundheit, Prof. Dr. Andreas Zapf, wird Stellung nehmen.

+++

Erstmeldung

München (dpa/ki) - Die Panne bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen in Bayern bringt die Staatsregierung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in Bedrängnis. Die Opposition kritisierte den CSU-Chef heftig und verlangte Konsequenzen. Söder sagte zunächst eine für diesen Donnerstag geplante Reise an die Nordsee ab. Die Begründung dafür lieferte auf Twitter.

Am Mittwochnachmittag hatte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) in München bekanntgegeben, dass 44.000 Reiserückkehrer nach Tests in Bayern noch kein Ergebnis bekommen haben, darunter 900 nachweislich Infizierte. Letztere sollten bis Donnerstagmittag Informationen über ihren Befund bekommen.

Händische Übertragung der Corona-Testergebnisse

Grund für die Verzögerungen seien vor allem Probleme bei der händischen Übertragung von Daten und eine unerwartet hohe Nutzung des Angebots kostenloser Corona-Tests – unter anderem an der A93 bei Kiefersfelden, erklärte der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf.

Lesen Sie auch:

Corona-Fallzahlen für die Region Rosenheim, Mühldorf, Chiemgau + Bayern und Deutschland

Huml sagte am Mittwochabend in den ARD-«Tagesthemen», in dieser Dimension seien ihr die Verzögerungen nicht vorher bekannt gewesen. Auf die Frage, wer für die Panne die Verantwortung trage, sie oder Söder, antwortete Huml ausweichend. «Es ist wichtig, dass wir jetzt die Problematik erkannt haben und uns entsprechend darum kümmern und dass wir hier eben diese Verantwortung annehmen», sagte sie. Mehr als 300 Mitarbeiter allein beim Landesamt arbeiteten nun die Nacht über, und man habe auch Unterstützung aus anderen Behörden. Bis Donnerstagmittag sollten die positiv auf das Coronavirus Getesteten informiert werden.

Grüne, SPD und FDP attackieren Markus Söder

Oppositionspolitiker von Grünen, SPD und FDP sprachen wahlweise von «eklatantem Regierungsversagen», einer «desolaten Bilanz» und Schlamperei. Verantwortlich machten sie in erster Linie den Regierungschef, der zuletzt als guter Krisenmanager gelobt worden war und auch in deutschlandweiten Umfragen Spitzenwerte erzielte. Selbst als beliebtester möglicher Unions-Kanzlerkandidat wurde er gehandelt.

+++ Weitere wichtige Nachrichten rund um das Coronavirus lesen Sie in unserem News-Ticker. +++

Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann erklärte: «Markus Söder muss umgehend dafür sorgen, dass das Handeln seiner Ministerinnen und Minister mit seinen wortgewaltigen Ankündigungen Schritt hält. Sonst muss man an dieser Stelle festhalten: Söder kann Krise nicht.» Der SPD-Landtagsabgeordnete Markus Rinderspacher twitterte:

Er warf unter anderem die Fragen auf: «Wie kann das passieren? Wer steht politisch dafür gerade?»

Datenübertragung soll durch neue Betreiber der Teststationen besser werden

Seit dem 25. Juli können sich Reisende bei der Ankunft an den Flughäfen München und Nürnberg auf das Coronavirus testen lassen, seit Anfang August in Memmingen. Zunächst war das Angebot freiwillig. Für Urlauber aus Risikogebieten greift seit Samstag bundesweit eine Testpflicht.

Lesen Sie auch:

Wenn die zweite Corona-Welle rollt: So ist der Kreis Mühldorf vorbereitet

Maskenpflicht an den Schulen in Bayern: Das steckt dahinter

Darüber hinaus hatte die Staatsregierung seit Ende Juli Teststationen an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg sowie an den Autobahnraststätten Hochfelln-Nord (A8), Inntal-Ost (A93) und Donautal-Ost (A3) einrichten lassen. Diese wurden zunächst von ehrenamtlichen Hilfsorganisationen betrieben. Seit dieser Woche übernehmen nach und nach private Anbieter den Betrieb. Damit soll auch die Datenübertragung an allen Stellen digitalisiert werden.

Herkunft der nicht informierten Corona-Infizierten zunächst unklar

Rund 85.000 Corona-Tests wurden nach Angaben von Huml bislang insgesamt gemacht. Die Übertragungsprobleme beträfen aber fast ausschließlich die Tests an Raststätten und Bahnhöfen, wo insgesamt bei knapp 60.000 Menschen Rachenabstriche genommen worden seien. Außerdem steht noch die Ankündigung der Staatsregierung im Raum, jede kreisfreie Stadt und jeder Landkreis in Bayern solle demnächst ein Corona-Testzentrum eröffnen.

Wie viele von den positiv auf Corona Getesteten aus welchem Land ankamen und wo sie wohnen, war zunächst unklar. Zapf sprach von einer «Panne», Huml bedauerte die Verzögerungen.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

Kommentare