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Opfer des Laubholzbockkäfers

30 Bäume und Sträucher fehlen jetzt im Grundstück von Edda Schindler, 120 im ganzen Ort: In Salmdorf (Kreis München) gab es auf Anordnung der Behörden eine große Fäll-Aktion. Auslöser war die Entdeckung des Asiatischen Laubholzbockkäfers.

Grosse Baumfällaktion

30 Bäume und Sträucher fehlen jetzt im Grundstück von Edda Schindler, 120 im ganzen Ort: In Salmdorf (Kreis München) gab es auf Anordnung der Behörden eine große Fäll-Aktion. Auslöser war die Entdeckung des Asiatischen Laubholzbockkäfers.

von carmen ick-dietl

Haar – „Ich komme mir so fremd vor“, sagt Edda Schindler. Während draußen die Fällaktion läuft, verschanzt sich die 74-Jährige aus dem Haarer Ortsteil Salmdorf (Kreis München) in ihrem Haus. „Damit ich nichts höre und sehe.“ Doch wenn sie jetzt rausguckt, blutet ihr das Herz. Rund 30 Bäume und Sträucher sind von ihrem Grundstück verschwunden. „Das war ein Naturparadies, jetzt ist alles so kahl.“

Zwar sind nicht alle Bäume auf dem 1000-Quadratmeter-Grundstück weg. Das tröstet Schindler aber wenig. „Der Charakter ist dahin, ich spreche von Kahlschlag.“ Durch die Lücken, sagt sie, strömten nun ungefiltert Lärm und Abgase von der Hauptstraße zu ihr durch. Auch in der Nachbarschaft sind viele Baumstümpfe zu sehen. Ahorne, Kastanien, Weiden, Pappeln und Birken wurden gefällt – alles Wirtsbäume des Asiatischen Laubholzbockkäfers.

Er ist der Grund dafür, dass in Haar insgesamt 120 Bäume und Sträucher dran glauben mussten. Der aus China eingeschleppte Käfer gilt als aggressiver Baum-Schädling. Vor kurzem wurde er in Salmdorf in Ahornbäumen entdeckt, danach hatte die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) die Fällungen im 100-Meter-Umkreis zum Fundort angeordnet, egal ob die Bäume befallen sind oder nicht. Eine Woche lang dauerte die Aktion, am Samstag war sie vorbei. So soll dem Schädling die Existenzgrundlage entzogen werden. Er bereitet der Region schon seit Jahren Probleme. Im nahen Feldkirchen wurden bei ähnlichen Aktionen seit 2012 fast tausend Bäume gefällt.

Experten sehen kaum Alternativen zu dem radikalen Vorgehen. Dass befallene Bäume umgesägt, gehäckselt und verbrannt werden, ist auch für Edda Schindler selbstverständlich. „Mich stört, dass gesunde Bäume gefällt werden – nur wegen dem Gesetz.“ In China gäbe es alternative Bekämpfungsmöglichkeiten, aber die sind in Deutschland nicht erlaubt. Zu groß die Gefahr, dass der Käfer auf andere Gehölze übergreift, dort neue Käfer schlüpfen und weitere Schäden verursachen.

Schindler hat viel versucht, um ihre Bäume zu retten, die sie seit ihrer Kindheit begleiten. Ein Hilferuf ging sogar ans chinesische Landwirtschaftsministerium. „Ich hätte mein Grundstück auch als Forschungsgebiet zur Verfügung gestellt.“ Die Eile und die Androhung von bis zu 50 000 Euro Bußgeld sowie die Übernahme aller Kosten für die Fällungen hätten sie in die Knie gezwungen, sagt sie. „Meine Bäume sind Opferbäume!“

Auch ihre Nachbarin sieht traurig zu, wie die Arbeiter Baum für Baum fällen und wegschleppen. Jeder Ast wird von den Arbeitern intensiv begutachtet. Anschließend gehen eigens auf den Käfer trainierte Spürhunde drüber. Tatsächlich schlagen sie im Schindler-Garten an.

Edda Schindler fordert Forschungsgruppen, und dass man die Leute aus dem LfL nach China schickt, um sich über andere Lösungen zu informieren. „Es ist eine Verfolgungsjagd und der Mensch wird sie nicht gewinnen.“ Beim Blick in ihren Garten fröstelt es sie.

In Salmdorf ist kaum jemand von der Baumfällaktion begeistert. Aber viele wissen: Es könnte schlimmer sein. Die Vorstellung, der Käfer könne von hier aus nach München wandern und dort seine Zerstörung fortsetzen – Schindlers Nachbarin mag sich das gar nicht ausmalen. „Stellen Sie sich vor, der sitzt im Englischen Garten!“