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50. Jahrestags des Olympia-Attentats von München

Olympia-Gedenkfeier droht Eklat: „Es gibt keinen Grund, Deutschland zu danken“

Die Witwen von zwei israelischen Sportlern, die 1972 beim Olympia-Attentat in München getötet worden sind: Ankie Spitzer (rechts) und Ilana Romano
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Die Witwen von zwei israelischen Sportlern, die 1972 beim Olympia-Attentat in München getötet worden sind: Ankie Spitzer (rechts) und Ilana Romano
  • Dirk Walter
    VonDirk Walter
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Am 5. September jährt sich das Olmypia-Attentat von München zum 50. Mal. Um die Gedenkfeier bahnt sich nun ein Eklat an. Die Hinterbliebenen der Opfer wollen nicht teilnehmen. Sie fühlen sich sogar von den offiziellen Stellen gedemütigt.

München – Ankie Spitzer ist die Witwe von Andre Spitzer. Der 27- Jährige war Trainer der israelischen Fechter – er wurde in einem der Hubschrauber, die am 5. September 1972 auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck gelandet waren, von den Terroristen erschossen. Seit langer Zeit ist Ankie Spitzer Sprecherin der Hinterbliebenen. Sie macht jetzt in mehreren Interviews deutlich, dass die Angehörigen den geplanten Gedenkfeiern fernbleiben könnten. „Wir wurden eingeladen und natürlich würden wir kommen, wenn es einen Grund zum Dank gäbe“, sagte sie der ARD an ihrem Wohnort Tel Aviv. „Ich soll dort sprechen und kann mir nicht vorstellen, da zu stehen und zu sagen: Vielen Dank, für alles, was getan wurde. Nein, Deutschland hat gar nichts getan.“

Das wünschen sich die Opferfamilien

Die Opferfamilien, so macht sie deutlich, warten auf Signale, dass jemand für das Desaster bei der versuchten Befreiung der Geiseln die Verantwortung übernimmt. Keiner habe gesagt: „Es tut uns leid. Wir haben falsch entscheiden. Wir waren inkompetent“, sagte Ankie Spitzer. Und weiter: „Sie waren arrogant und haben uns die ganze Zeit gedemütigt.“

Innenminister in Sorge vor Wirkung auf Weltöffentlichkeit

In Bayern wächst die Sorge vor einem Eklat. Dass die Angehörigen die Gedenkfeiern boykottieren, würde wohl weltweit registriert. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagt unserer Zeitung: „Ich hoffe sehr, dass wir im September auch alle Opfer-Angehörigen begrüßen können, um gemeinsam ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.“ Als Zeichen setzt Herrmann nun auf „maximale Transparenz“, wie er betont. Kürzlich wurden die letzten Akten des Ministeriums an die Archive übergeben – Akten aus dem Ministerium selbst, aber auch „Restakten“ aus dem Polizeipräsidium München. Die Akten thematisieren Vorab-Planungen zu etwaigen Polizeieinsätzen rund um die Spiele. Unter anderem wird darin die Einrichtung einer „Bannmeile“ rund um die Olympia-Einrichtungen erwogen. Sie kam aber nicht zustande. Der damalige Münchner Polizeipräsident Manfred Schreiber hatte 1972 die Einsatzführung, die bis heute harsch kritisiert wird. Die meisten Akten waren schon 2013 in die Archive gewandert, darunter auch Bestände des LKA und des Landesamts für Verfassungsschutz. Die Dokumente seien „insbesondere für Opfer und Angehörige“ einsehbar, versichert Herrmann. „Darüber werde ich Frau Spitzer auch persönlich informieren.“

ARCHIV - Ankie Spitzer, die Witwe des von arabischen Terroristen ermordeten israelischen Fechttrainers Andre Spitzer steht am 09.09.1972 fassungslos in dem verwüsteten Raum des Münchner Olympischen Dorfes, in dem die Terroristen vier Tage zuvor neun israelische Sportler festhielten.

So sollen die Gedenkfeiern ablaufen

Bisher sind am 5. September zwei Gedenkfeiern mit den Angehörigen geplant. Am Vormittag soll es am sogenannten Erinnerungsort im Olympiapark eine Zeremonie geben. Es gebe „positive Signale“, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein israelischer Amtskollege Isaac Herzog kommen, sagt der in die Vorbereitungen eingebundene bayerische Beauftragte für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Ludwig Spaenle. Am Nachmittag desselben Tages ist ein Gedenkakt mit Staatsempfang am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck geplant. Eingeladen sind 800 bis 900 Personen, darunter auch eine 100- bis 200-köpfige Delegation aus Israel. Seit Monaten plant das für politische Strategie zuständige und hier federführende Sachgebiet PK S1 im bayerischen Innenministerium die Feiern.

Das Archivbild vom 5. September 1972 zeigt Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (l, andere Personen nicht identifiziert), der von einem der arabischen Terroristen (r) die Forderungen zur Freilassung der Geiseln entgegennimmt. Arabische Terroristen hatten während der Olympischen Spiele in München das Quartier der israelischen Mannschaft im Olympischen Dorf überfallen und Mitglieder des israelischen Olympia-Teams als Geiseln genommen. Elf israelische Sportler fanden den Tod. 

Ums Geld wird ebenfalls gestritten

Zum Streit über Schuld kommt ein Streit um Geld. Die Angehörigen fordern eine weitere Entschädigung. Der Vorschlag von Ankie Spitzer ist es, dass von der Bundesrepublik eingefrorenes Geld aus Libyen für die Opferentschädigung verwendet wird. Aus Regierungskreisen heißt es dazu, die Entschädigungsfrage sei abgeschlossen. „Ich kann die Haltung der Angehörigen nachvollziehen“, sagt indes Ludwig Spaenle, „vor allem, wenn man sieht, was in anderen Fällen gezahlt wurde.

ARCHIV - Das Archivbild zeigt den ausgebrannten Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes in Fürstenfeldbruck, wo in der Nacht zum 06.09.1972 neun verbliebene Geiseln, fünf Terroristen und ein Polizist bei einer Schießerei starben. Arabische Terroristen hatten während der Olympischen Spiele in München das Quartier der israelischen Mannschaft im Olympischen Dorf überfallen und Mitglieder des israelischen Olympia-Teams als Geiseln genommen. Elf israelische Sportler fanden den Tod.