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Energiekrise bringt Umdenken

Ohne Licht mehr Einbrüche? Immer mehr Gemeinden bleiben nachts dunkel

Frau geht nachts alleine nachhause.
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Sollen die Laternen nachts leuchten oder soll lieber gespart werden?
  • VonCornelia Schramm
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Holzkirchen schaltet nachts die Laternen ab. Auch andere Kommunen in der Region wollen auf diese Weise Energie sparen.

Holzkirchen – Christel Doll ist entsetzt. Als Zeitungszustellerin ist sie von ein bis fünf Uhr morgens mit dem Auto in Holzkirchen unterwegs – doch jetzt soll sie bald in völliger Dunkelheit arbeiten. Die Gemeinde will ab November die Straßenlampen zwischen 23 und 5 Uhr ausschalten. „Als ich das erfahren habe, habe ich einen Brief an den Bürgermeister geschrieben“, sagt die 80-Jährige. Schon mit Beleuchtung sei es sehr dunkel in den Wohngebieten. „Ich bin für Sparmaßnahmen, aber nicht auf Kosten der Sicherheit. Um diese Uhrzeit sind nicht nur Zeitungsausträger unterwegs, auch Rettungskräfte, Ärzte und ganz normale Fußgänger, die man schwer erkennt.“

Mit 10:9 Stimmen hat der örtliche Gemeinderat für die Energiesparmaßnahme gestimmt. Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) rechnete vor, dass mit Abschalten der Laternen rund 220 Euro pro Nacht gespart würden, was rund 900 Kilowattstunden entspreche. Gemeinderat Michael Wohlschläger (CSU) warnte hingegen, dass die Dunkelheit vermehrt zu Diebstählen und Sachbeschädigungen führe.

Holzkirchen im Kreis Miesbach ist nicht die einzige Gemeinde, die nachts den Stecker ziehen möchte. Der Bayerische Gemeindetag hat die Idee kürzlich als Energiesparmaßnahme ins Spiel gebracht, jetzt diskutieren viele Gemeinden über das Für und Wider. Neuching und Pastetten im Kreis Erding etwa wollen wie Holzkirchen reagieren – sobald ihr Stromversorger das umsetzen kann.

Andere Kommunen sprechen sich trotz Energiekrise dagegen aus: In Peiting im Kreis Weilheim-Schongau bleiben die Laternen an. 1353 von 1418 Leuchten hat die Gemeinde seit 2013 auf dimmbare LED umgerüstet – das entspricht einer Abdeckung von 95 Prozent, sagt Bürgermeister Peter Ostenrieder (CSU). 2007 lag der Stromverbrauch der Straßenbeleuchtung bei 765 000 Kilowattstunden, 2021 bei 185 000 Kilowattstunden. Mehr könne man nicht tun, ohne sich um Sicherheit und Haftung zu sorgen.

Die Diskussion über die Straßenbeleuchtungen bei Nacht spornt diverse Gemeinden zur Modernisierung an: Im Kreis Miesbach hat der Gemeinderat Irschenberg einstimmig beschlossen, das restliche Viertel seiner Alt-Leuchten für 17 000 Euro auf LED umzurüsten. Pliening im Kreis Ebersberg will ebenfalls so schnell wie möglich von bisher 45 auf 87 Prozent LED-Lampen umstellen, die nachts auf die halbe Stärke dimmbar sind.

Beim Gemeindetag haben sie keine Angst vor zu viel Dunkelheit in den Städten und Dörfern. „In einem Wohngebiet sind mitten in der Nacht kaum Menschen unterwegs“, sagt Sprecher Wilfried Schober. „Und wer nachts mit dem Hund Gassi geht, kennt die Gegend und kann eine Taschenlampe mitnehmen.“ Fußgängerüberwege und uneinsehbare Kreuzungen seien wegen der Verkehrssicherung sowieso zwingend zu beleuchten.

Im Holzkirchen sind sich Johann Brandhuber, Leiter der örtlichen Polizeiinspektion, und sein Stellvertreter Robert Hirschel einig: „Mehr Licht bedeutet mehr Sicherheit.“ Daher hat die Polizei jetzt Vorschläge ins Rathaus geschickt, wo nachts weiterhin Laternen leuchten sollten – zum Beispiel in allen Unterführungen um den Bahnhof.

Mitbestimmen kann die Polizei nicht, die Gemeinden entscheiden selbst, wo beleuchtet wird, sagt Alexander Huber vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. „Es gibt keine Statistik, inwieweit Dunkelheit Kriminalität fördert – in einem unbeleuchteten Gebiet gibt es nicht automatisch mehr Einbrüche“, sagt Huber. „Allerdings zeigt der Erfahrungswert, dass sich der ein oder andere Täter von Licht-Bewegungsmeldern abschrecken lässt.“ Auch Johann Brandhuber sagt: „Dunkle Straßen wirken sich auf das Sicherheitsgefühl der Menschen aus, sie fühlen sich unwohl.“ Dieses Gefühl lasse sich mit der Angst vergleichen, die viele Frauen in Tiefgaragen empfänden.

In Holzkirchen überlegen sie noch, wie dunkel es ab November tatsächlich werden soll. „Wir werden hier nicht in tiefster Nacht versinken“, sagt Bürgermeister Schmid, „Fußgängerüberwege und Hauptstraßen werden beleuchtet. Und am Bahnhof leuchten Lampen der Bahn.“

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