NS-Guillotine wird nicht ausgestellt

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Entschluss gilt nur vorerst – Wiederaufnahme der Diskussion geplant. Die Guillotine, mit der wohl auch Mitglieder der Weißen Rose ermordet wurden, bleibt unter Verschluss – zumindest vorerst.

Das hat Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) entschieden: „Leicht kann es nämlich passieren, dass diese Guillotine zum bevorzugten Reiseziel für Eventtouristen und Voyeure wird. Das können wir nicht wollen.“ Spaenle folgt damit einer Empfehlung von Experten, die er zur Mitarbeit an einen Runden Tisch geladen hatte. Allerdings soll die Situation in den kommenden Jahren neu bewertet werden.

Der Entschluss ist das Ergebnis eines Kompromisses: Einige Teilnehmer des Runden Tisches sind gegen eine Ausstellung des Mordwerkzeugs, andere dafür. Die Direktorin des Bayerischen Nationalmuseums, Renate Eikelmann, teilt die Sorge des Ministers, die Guillotine könne sensationslüsternes Klientel anziehen. Zudem lasse sich das Mordwerkzeug nicht adäquat in die Sammlung ihres Museums eingliedern. Auch Ethik-Professor Wilhelm Vossenkuhl meint: „Mit der Guillotine wird nur die Sensationslust bedient, nicht aber das historische Verständnis für die Aktionen der Weißen Rose vertieft.“

Die Vorsitzende der Weißen Rose Stiftung, Hildegard Kronawitter, sagt dagegen: Die Guillotine ist ein Gegenstand, der den Täterstaat in besonderer Weise sichtbar macht.“ Sie könne, sofern sie in den richtigen Kontext eingebettet sei, einen Lernprozess in Gang setzen, der nicht nur über den Verstand erfolge, sondern auch über die Emotion. „Und wir brauchen ein Lernen, das Herz und Verstand gleichermaßen anspricht.“ Am Beispiel der KZ-Gedenkstätten sei ersichtlich, dass junge Menschen durchaus in der Lage seien, aus den Schrecken der NS-Zeit angemessen zu lernen.

Steffen Jost, stellvertretender Leiter des Max-Mannheimer-Studienzentrums in Dachau, bestätigt das: „Wir wissen aus der pädagogischen Arbeit, dass Schüler ein Interesse an solchen Objekten haben.“ Diese berechtigte Anteilnahme könne das Interesse an der NS-Geschichte insgesamt wecken. Freilich sei es eine Herausforderung, eine angemessene Präsentationsform zu finden. „Aber es gibt Wege, die die Balance finden.“

Auch die Experten vom Institut für Zeitgeschichte können sich vorstellen, die Guillotine – abhängig vom Kontext – zu zeigen, wie Sprecherin Simone Paulmichl sagt. „Es besteht noch Bedarf, sich über das Für und Wider auszutauschen.“

Die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann, hingegen unterstützt das Votum des Runden Tisches, die Guillotine nicht zu zeigen. Zwar würden in Gedenkstätten Realien gezeigt. Aber „sie haben aus der Sicht der Überlebenden die Funktion, die Verbrechen zu beglaubigen.“

bettina stuhlweissenburg

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