Mit 105 noch das blühende Leben

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In Irschenberg ist Margareta Prechtel die Älteste. Am Samstag feiert sie mit einem Tag der offenen Gartentür ihren 105. Geburtstag. Langeweile lässt die Seniorin erst gar nicht aufkommen: Demnächst möchte sie für einen Wellness-Urlaub an den Tegernsee.

Glücklich alt werden

von Katja Brenner

Irschenberg – Die Nachbarn kommen auf einen Sprung vorbei und singen ein Ständchen, alle paar Minuten klingelt das Telefon. Selbst der Bundespräsident hat ihr geschrieben. „Ja da schau her“, sagt Margareta Prechtel und lacht kurz auf. Sie kommt fast nicht dazu, ihr Stück Käsekuchen zu essen. Klingt – abgesehen vom Bundespräsidenten – nach einem ganz normalen Geburtstag? Mitnichten, es ist Margareta Prechtels Geburtstag. Ihr einhundertundfünfter.

So alt – das hat sie immer schon gesagt – will sie werden. „Die 105 hab ich jetzt tatsächlich geschafft.“ Sie lächelt. „Aber 110, so alt will ich nicht werden.“ Die Augen und die Ohren wollen nicht mehr so ganz. Sie lächelt noch ein bisschen mehr. Ohnehin lächelt und lacht Margareta Prechtel viel. Eigentlich nach jedem Satz. Ihre Herzlichkeit hat ihr über die Jahre ein paar Runzeln um dem Mund und die Augen gezaubert, Lachfalten selbstverständlich.

Geboren wurde Margareta Prechtel am 28. Juni 1913 in Kufstein. Im Alter von zehn Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Augsburg. Seit drei Jahren lebt sie nun bei ihrer Tochter Margarete Koch in Irschenberg (Kreis Miesbach). Ihre Augsburger Wohnung will sie aber nicht aufgeben. „A Wohnung hat ma ja, dass ma drin wohnt“, so ihr Credo. Regelmäßig fahren Mutter und Tochter zusammen die 130 Kilometer lange Strecke nach Bayerisch-Schwaben. Sobald die Tür aufgeht, kontrolliert Margareta Prechtel, ob noch alles da steht, wo es hingehört.

Ihr Urenkel Valentin liest ihr die Geburtstagspost vor. Die vielen Karten, „da muss ich ja zurückschreiben“, sagt Margareta Prechtel und denkt kurz nach. „Das kann ich aber nicht mehr, ich seh ja fast nix. Aber du kannst es und ich kann dir diktieren“, sagt die Jubilarin und schaut hinüber zu ihrer Tochter. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Hörgerät trägt Margareta Prechtel keines, ihre Tochter sitzt neben ihr, „übersetzt“. Die vertraute Stimme, die geht ihr noch gut ins Ohr.

Neben der Eingangstür liegt eine Einkaufsliste: 100 Kuchengabeln, 100 Kaffeelöffel, 50 Sektgläser, 50 Wassergläser. Für ihre Mutter hat Margarete Koch, inzwischen selbst 75, eine große Party organisiert. Am Samstag kommt die ganze Familie. „Da werden wir ja locker 50 Leute“, sagt die 105-Jährige und zieht erstaunt die Augenbrauen hoch. Ihre Tochter lacht. Mit den Jahren ist die Familie immer größer geworden. Wenn Margareta Prechtel nicht schlafen kann, kann sie Urenkel zählen. 24 sind es bereits. Von neun Enkeln und drei Kindern.

Aber wie wird man 105 Jahre alt? Sprudelt in ihrem Garten ein ewiger Jungbrunnen? Das zwar nicht, aber die Natur, die mag Margareta Prechtel. Nach wie vor ist sie gerne draußen. Bis zu ihrem 90. Lebensjahr war sie jeden Winter im Schwarzwald zum Langlaufen, im Sommer düste sie auf ihrem Fahrrad durch Augsburg. Und nur weil sie inzwischen etwas langsamer unterwegs ist, lässt sich Margareta Prechtel die Lust am Reisen nicht nehmen. „Auto fahre ich sehr gerne.“ Natürlich als Beifahrerin. Kürzlich war sie in München, mit der BOB. Im Sommer hat sie einen ihrer Enkel besucht. In Kroatien, mit dem Flixbus. Eigentlich hatte ihre Tochter für sie einen Rollstuhl dabei. Aber nur rumsitzen, das war Margareta Prechtel zu langweilig. Kurzum hat sie den Rollstuhl zum Rollator umfunktioniert und ihn selbst die Strandpromenade entlanggeschoben. Zum Geburtstag wünscht sie sich nun eine Woche Wellness-Urlaub. Auf einer Schönheitsfarm in Rottach-Egern. Da war sie früher immer, jetzt kommt sie nach 25 Jahren zum ersten Mal wieder zurück.

Viel wichtiger als all die Aktivitäten sei aber eins: eine von Grund auf positive Lebenseinstellung. Die Freuden des Lebens, die solle man ruhig genießen – Reisen, Essen, am Abend gerne mal ein Glas Wein oder Bier. Margareta Prechtel weiß, wovon sie spricht. Zwei Weltkriege hat sie miterlebt, kennt die damit verbundenen Entbehrungen schon aus der Kindheit. Ob es Militärdienst noch gibt, will sie wissen. Nein, sagt ihre Tochter. „Gott sei dank“, bricht es nur so aus ihr heraus. Der Krieg, der ist furchtbar, das weiß Margareta Prechtel nur zu gut. Er passt einfach nicht zu ihrem Geheimrezept fürs Altwerden: „Ich lebe einfach unglaublich gerne.“

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