Niedriger Milchpreis: Nerven angespannt

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Der niedrige Milchpreis macht den Bauern zu schaffen. Und die Nerven liegen bei den Landwirten schon etwas blank – wie ein Fall aus dem Kreis Fürstenfeldbruck zeigt.

Agrar

Der niedrige Milchpreis macht den Bauern zu schaffen. Und die Nerven liegen bei den Landwirten schon etwas blank – wie ein Fall aus dem Kreis Fürstenfeldbruck zeigt.

Von Claudia Möllers

München – Johann Schamberger, Milchbauer in Moorenweis (Kreis Fürstenfeldbruck), traut seinen Augen nicht. Seiner Milchgeldabrechnung von der Molkerei Ehrmann (Oberschönegg/Allgäu) liegt eine Mitteilung der Landwirtschaftlichen Rentenbank bei. Darin wird auf „Liquiditätshilfen für Futterbaubetriebe“ hingewiesen, wenn „durch niedrige Milchpreise und höhere Kosten“ ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf bestehe. Der 45-jährige Landwirt, der 65 Kühe im Stall stehen hat, empört sich: „Das find ich schon merkwürdig. Das ist eine Bedienungsanleitung zur Verschuldung unserer Betriebe.“ Schamberger versteht den Hinweis so: „Wenn’s nicht mehr glangt, geht zur Rentenbank.“ Gleichzeitig leidet er darunter, dass die Molkerei derzeit nur einen Milchpreis von 29,75 Cent auszahlt – allerdings gibt es noch Zuschläge.

Die Molkerei Ehrmann sieht sich total missverstanden. Keinesfalls, so Personalchef Lothar Engel, habe die Firma zur Kreditaufnahme wegen des niedrigen Milchpreises aufrufen wollen. „Hier geht es um die Landwirte, die 2014 zu viel Milch geliefert haben und eine Strafabgabe zahlen müssen“, erklärt Engel. Das könne in Einzelfällen der Summe von zwei Monaten Milchgeld entsprechen. Diese betroffenen Bauern, die die sogenannte Superabgabe bis Ende September leisten müssen, könnten einen Kredit in Anspruch nehmen. „Es ist vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt, aber es hat wirklich nichts mit dem Milchpreis zu tun“, versichert Engel.

Doch dieses Beispiel wirft ein Licht auf die Seelenlage vieler Milchbauern. Schamberger, der auch Kreisvorsitzender des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter (BDM) ist, drängt auf eine Mengenreduzierung bei der Milch. „Warum müssen so viele Lebensmittel produziert werden, wenn die nichts wert sind und durch die Gegend gekarrt werden?“ Für Schamberger unnötige Energie- und Rohstoffverschwendung. Sein Verband drängt darauf, dass die Milchmenge gedeckelt wird. Dabei wurde die Milchquote in der EU aber gerade zum 1. April abgeschafft.

Für eine Deckelung kämpft auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (abl). Lucia Egner aus Obersöchering (Kreis Weilheim-Schongau) ist davon überzeugt: „Wir können gesünder Milch produzieren mit mehr Grünfutter und weniger Kraftfutter.“ Damit würde auch die Milchmenge sinken. Seit einem Jahr sänken die Preise. Auf ihrem Betrieb habe sie allein aus Kostengründen das Kraftfutter reduziert und die Milchmenge runtergefahren. Die abl ist für eine komplett andere Landwirtschaftspolitik – Subventionen nur für Bergbauern, „weil die etwas für die Gesellschaft leisten“, so Walter Mauk, einer der abl-Sprecher im Oberland. In der EU dürfe im Gegenzug nur so viel produziert werden, wie hier gebraucht werde. Massenproduktion sei das größte Übel: „Wir brauchen keine Kuh, die 10 000 Liter Milch gibt.“ Zudem brächten die hohen Pachtpreise immer mehr Höfe in Bedrängnis.

Der Milch-Präsident des Bayerischen Bauernverbands, Günther Felßner, kann in der derzeitigen Milchpreis-Phase verstehen, dass der Hinweis auf die Rentenbank falsch verstanden werden kann. „Es ist aber keineswegs ein Angebot, um niedrige Milchpreise auszugleichen“, betont er. Derzeit gebe es auf manchen Höfen eine „betriebswirtschaftlich katastrophale Situation. Wir kommen da hin, dass wir nicht einmal mehr die Kosten decken. Von einem Einkommen kann derzeit keine Rede sein.“ Die gefühlte Ruhe auf den Dörfern nennt Felßner „die Ruhe vor dem Sturm“. Eines stehe fest: Es werde in den kommenden Monaten beim Milchpreis keine Bewegung nach oben geben. Daher ruft er Handel, Molkereien und Politik auf, die Bauern zu unterstützen. „Die ganze Kette muss zusammenstehen. Es darf nicht der Landwirt als Restgeldempfänger in der Existenz gefährdet werden.“ Eine Deckelung der Milchmenge sieht er nicht als Möglichkeit: „Es liegt kein Konzept vor, das langfristig funktioniert.“ Man dürfe in dieser Krisensituation nicht irgendein Modell aus Panik einführen, das „uns dann auf die Füße fällt“. Er setzt auf die Unterstützung der Politik bei der Erschließung neuer Märkte.

Die Positionen sind klar: Hier Mengenreduzierung, da neue Märkte. Es dürfte spannend werden bei den Diskussionen über die Milchpolitik.

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