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Analyse für Deutschland, Bayern und die Region

Niedrige Impfquote gleich mehr Covid-Tote: Zahlen in einem Kreis viermal höher als Bayern-Schnitt

Städtisches Bestattungswesen Meißen: Särge stapeln sich durch Corona vor dem Krematorium.
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Städtisches Bestattungswesen Meißen: Särge stapeln sich durch Corona vor dem Krematorium.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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„Nur die Impfung führt uns aus der Endlosschleife der Pandemie“, diese Worte von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) sorgen für heftige Diskussionen und Aufregung. Viele Menschen sprechen den Impfstoffen ihre Wirksamkeit ab. Folgende Analyse mit Daten der LMU München könnte nun eindeutige Beweise liefern. Vor allem die aktuellen Werte für den Landkreis Mühldorf sind besorgniserregend.

Ende November hat die Zahl der an Corona gestorbenen Menschen in Deutschland die Schwelle von 100.000 überschritten. Die meisten Corona-Toten gab es laut Robert Koch-Institut (RKI) im vergangenen Winter mit teils mehr als 1000 pro Tag gemeldeten Fällen. Momentan sind die Sterbezahlen wesentlich niedriger, obwohl es deutlich mehr Infektionen gibt. Besteht also ein kausaler Zusammenhang zwischen den Impfungen und dem Rückgang der Todesfälle?

Aber auch innerhalb Deutschlands gibt es große Unterschiede. In Thüringen, Sachsen und anderen Bundesländern mit niedriger Impfquote sterben derzeit im Verhältnis zur Bevölkerung erheblich mehr Menschen an und mit Corona als im besser geimpften Norden Deutschlands.

In Thüringen gab es demnach im Verhältnis zur Bevölkerung in den vergangenen sieben Tagen mehr als sechsmal so viele Corona-Tote wie in Bremen, dem Land mit der höchsten Impfquote (Datenstand: 2. Dezember). Nachzulesen ist das auf den „Corona Maps“ des Instituts für Statistik der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Grundlage sind die Daten des Robert Koch-Instituts und der Gesundheitsbehörden.

Zahl der Klinikaufnahmen bei Ungeimpften fünf- bis 15-­fach höher

Es gebe hinreichend Evidenz, die zeige, dass eine höhere Impfquote zu einer niedrigeren Hospitalisierungsrate und zu einer geringeren Belegung der Intensivstationen führe und sich dann eben auch auf die Sterbewahrscheinlichkeiten auswirke, sagte Göran Kauermann vom LMU-Statistikinstitut der Deutschen Presse-Agentur. In einem am Montag veröffentlichten Papier der Ständigen Impfkommission (Stiko) heißt es, die Zahl der Covid-19-Krankenhausaufnahmen sei bei Ungeimpften je nach Alter und Region fünf- bis 15-­fach höher als bei Geimpften.

In den vergangenen sieben Tagen wurden (Stand: 2. Dezember) in Thüringen 177 Corona-Tote gemeldet, in Bremen lediglich acht. Umgerechnet auf 100.000 Einwohner waren das im Schnitt 8,35 Tote in Thüringen und 1,18 in Bremen. Überdurchschnittliche Todesfälle meldeten demnach auch Sachsen (7,76), Bayern (3,90) und Brandenburg (4,19) – Bundesländer mit vergleichsweise niedrigen Impfquoten. Unterdurchschnittlich ist die Zahl der Corona-Toten dagegen auch in Schleswig-Holstein (0,79) oder in Hamburg (0,86), wo viele Menschen gegen Corona geimpft sind. Der Bundesschnitt liegt bei 2,51.

Werte für unsere Region

LandkreisFälle pro 100.000 EinwohnernTodesfälle der letzten sieben TageTodesfälle pro 100.000 EinwohnenImpfquote in Prozent
Rosenheim 946,8186,858,9
Rosenheim Stadt767,411,658,9
Traunstein878,9105,661,8
Altötting752,343,673,2
Mühldorf950,41815,564,4
Berchtesgadener Land858,721,959,6

In der Region meldeten die Landkreise Rosenheim, Mühldorf am Inn, Traunstein und Altötting überdurchschnittlich viele Todesfälle pro 100.000 Einwohner. In Mühldorf lag der Wert bei traurigen 15,5 – dort starben wie im Landkreis Rosenheim in den vergangenen sieben Tagen 18 Menschen. Trotz Impfquoten von nur 59,6 Prozent und 58,9 liegen die Werte im Berchtesgadener Land und in der Stadt Rosenheim bei relativ niedrigen 1,9 und 1,6.

Mehr Todesfälle in Bayern als in NRW

Betrachtet man die Rohdaten der Todesfallzahlen, sind die regionalen Diskrepanzen eklatant. So meldete Bayern in den vergangenen sieben Tagen (Stand: 2. Dezember) 512 Corona-Tote. Das waren 237 Todesfälle mehr als in Nordrhein-Westfalen, obwohl NRW knapp 18 Millionen Einwohner zählt und Bayern „nur“ gut 13 Millionen. In Bayern sind weniger als 67 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, in NRW dagegen knapp 72 Prozent.

Am Statistikinstitut der LMU dokumentiert und analysiert die Covid-19-Datenanalysegruppe Codag Infektions-, Patienten- und Todesfallzahlen auf regionaler Basis. „Derzeit sehen wir in Bundesländern mit einer niedrigeren Impfquote im Moment tatsächlich die höchsten Anstiege in der Sterblichkeit“, sagte Kauermann. Das gilt nach seinen Worten auch, wenn man nicht nur die Todeszahlen ins Verhältnis zur Bevölkerung setzt, sondern auch die Unterschiede in der Bevölkerungsstruktur berücksichtigt.

Corona-Situation-Deutschland: Todesfälle letzten sieben Tage pro 100.000 Menschen.

Vergleich der Bundesländer

Seit Pandemiebeginn haben sich in Deutschland 5.977.208 Menschen mit Corona infiziert, das sind umgerechnet 7188,0 Fälle pro 100.000 Menschen. 102.178 Menschen mussten mit und an Corona sterben – auf 100.000 Menschen 122,9 Todesfälle. Bayern liegt hier im Bundesvergleich mit 135,0 Todesfälle pro 100.000 Menschen auf Rang fünf. Trauriger Spitzenreiter ist Sachsen mit 273,1 pro 100.000 Bürgern.

Bei den Infizierten pro 100.000 Einwohnern belegt Bayern mit einem Wert von 8779,4 sogar Platz drei, Sachsen führt auch diese Statistik mit 12.646,7 an.

Zum Vergleich: Im einwohnerstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen starben auf 100.000 Menschen gerechnet 106,4 Personen (6644,9 Fälle pro 100.000), damit liegt das Bundesland auf Rang zehn. Bremen verzeichnet auf Platz 15 einen Wert von 81,5 pro 100.000 Personen – positives Schlusslicht dieser Statistik ist Schleswig-Holstein mit 3371,6 Infektionsfälle und 61,9 Todesfälle auf je 100.000 Menschen.

Covid-19-Verbreitung Deutschland: Todeszahlen

Sieht man sich die Impfquoten im Land an, lassen sich diese Tabellen fast horizontal spiegeln. Bayern liegt mit einer Quote von 66,8 auf Rang 12, Sachsen mit 58,2 auf Rang 17, Nordrhein-Westfalen mit 71,7 auf Rang fünf, Schleswig-Holstein mit 72,7 auf Rang vier und Bremen mit 80,2 auf Rang eins - der Bundesdurchschnitt liegt bei 68,35 (Platz zehn).

Entwicklung in der Region seit Pandemiebeginn

Die Landkreise Mühldorf, Rosenheim, Altötting und Traunstein liegen bei den Todesfällen auf 100.000 Menschen über die gesamte Pandemie hinweg berechnet über dem Bayern-Schnitt und damit auch deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Hier sind auch die Impfquoten sehr niedrig – in Rosenheim sogar zehn Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Nur Altötting liegt mit einer Impfquote von 73,2 über dem Bayern- und Bundesdurchschnitt.

Interessant sind vor allem die Werte aus dem Berchtesgadener Land, obwohl hier die Impfquote bei niedrigen 59,6 liegt, ist der Wert von 111,9 Todesfällen pro 100.000 Menschen deutlich unter dem Durchschnitt von Bayern und Deutschland. Den Höchstwert an Todesfällen pro 100.000 Menschen hat übrigens Görlitz mit 495,7.

Bei den kumulierten Zahlen ist jedoch zu beachten, dass nicht nur der Zeitraum mit dem Start der Impfungen, sondern die komplette Pandemie beleuchtet wurde.

Europa-Vergleich:

Im Vergleich zu einigen anderen Industrienationen steht Deutschland noch vergleichsweise gut da, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore hervorgeht. Deutlich mehr Tote pro 100.000 Einwohner sind es in Frankreich, Spanien, Großbritannien und Italien. Fast doppelt so viele Corona-Tote pro 100.000 Einwohner wie Deutschland verzeichnen die USA, mehr als drei Mal so viele sind es in Bulgarien.

Noch immer liegt die Zahl der Todesfälle in der Europäischen Union über dem Durchschnittsniveau der Jahre zuvor – aber nur noch knapp. Im Juli dieses Jahres starben gut vier Prozent mehr Menschen als im Vergleichszeitraum der Jahre vor der Corona-Pandemie. In Deutschland entwickelten sich die Zahlen der Auswertung zufolge ähnlich wie in der EU, wobei die Übersterblichkeit hier tendenziell unter dem Schnitt der Europäischen Union lag. So habe diese im Juli 2021 bei gut zwei Prozent gelegen. Der Höhepunkt mit 30 Prozent über den Vergleichswerten wurde hierzulande den Informationen zufolge im Dezember 2020 erreicht.

mz

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