Ein neues Gesicht für die Vertriebenen

Diplomatie statt Kampfgeschrei: Bernd Fabritius will am 7. November Vertriebenenchef werden. Foto: dpa
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Diplomatie statt Kampfgeschrei: Bernd Fabritius will am 7. November Vertriebenenchef werden. Foto: dpa

Wenn der Bund der Vertriebenen an diesem Samstag seinen „Tag der Heimat“ feiert, steht zum letzten Mal Erika Steinbach als Präsidentin am Rednerpult. Im November tritt sie ab.

Nachfolger soll ihr Vize Bernd Fabritius werden – der ein völlig anderer Typ ist.

Bernd Fabritius soll auf Erika Steinbach folgen

Wenn der Bund der Vertriebenen an diesem Samstag seinen „Tag der Heimat“ feiert, steht zum letzten Mal Erika Steinbach als Präsidentin am Rednerpult. Im November tritt sie ab. Nachfolger soll ihr Vize Bernd Fabritius werden – der ein völlig anderer Typ ist.

von christoph trost

München – Eines stellt Bernd Fabritius gleich klar: Er will sich nicht verstecken und kein Leisetreter sein. „Ich bin mit Sicherheit nicht weniger kämpferisch als die amtierende Präsidentin Erika Steinbach“, betont er. Und doch ist der designierte Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV) ein ganz anderer Politikertypus als die Noch-Amtsinhaberin, die am Samstag in Berlin letztmals als BdV-Präsidentin beim „Tag der Heimat“ an- und im November nach 16 Jahren abtritt: ruhiger, versöhnlicher, diplomatischer.

Der 49-jährige Münchner, der im Herbst 2013 für die CSU in den Bundestag einzog, will ein „Brückenbauer“ sein. Auch wenn Fabritius nicht in die Kritik einstimmen mag, die es vielerorts an Steinbach gab und gibt: Er weiß, dass der Wechsel an der BdV-Spitze den Beziehungen zu einigen Nachbarstaaten gut tun dürfte. In Polen vor allem war Steinbach wegen verschiedenster Provokationen ein rotes Tuch, ein Feindbild – und der BdV deshalb gleich mit. Das will Fabritius ändern: „Ich denke, dass ich ohne diese Feindbild-Position in Polen einen neuen Dialog anstoßen kann.“

Das versteht Fabritius als eine seine Hauptaufgaben, sollte er im November gewählt werden: Türöffner, Mediator und Brückenbauer sein – und so den verschiedenen Landsmannschaften helfen, mit Ländern wie Polen, Tschechien oder der Slowakei in einen intensiveren Dialog zu treten. „Es ist wichtig, dass alle Seiten einen ehrlichen Blick auf die Geschichte werfen und dabei auch nichts ausklammern“, betont er.

Fabritius weiß, wovon er spricht: Er stammt aus Siebenbürgen in Rumänien und zählt sich deshalb nach eigenen Worten sehr wohl zur „Erlebnisgeneration“. Geboren wurde er 1965 in Agnetheln bei Hermannstadt. Fabritius erlebte die Ceaucescu-Diktatur hautnah mit. „Ich wurde aus Schlangen vor Lebensmittelgeschäften geschubst, weil man meinen deutschen Akzent erkannt hat. Das alles kenne ich“, erzählt er.

Erst 1984 reiste er mit seiner Familie nach Deutschland aus. Fabritius studierte zunächst Sozialverwaltung und Politik, anschließend Jura, und arbeitete seit 1997 als Rechtsanwalt. 2003 trat er in die CSU ein, im vergangenen Jahr wurde er – für viele überraschend – über die CSU-Liste in den Bundestag gewählt.

In der Vertriebenenpolitik ist Fabritius, der mit einem Mann in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt, schon lange aktiv: Er ist Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, seit 2008 sitzt er im BdV-Präsidium, seit 2010 als einer der Vizepräsidenten. Als Präsident will Fabritius sich auch innerhalb Deutschlands für die Interessen der Vertriebenen einsetzen. „Es wird meine Aufgabe sein, Empathie für die Arbeit des BdV in Deutschland zu wecken“, sagt er – und räumt ein: „Da gibt es meines Erachtens noch Defizite.“

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