Neue Debatte um Studiengebühren

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Als im Herbst 2013 auch in Bayern die Studiengebühren fielen, schien das Thema endgültig vom Tisch zu sein. Doch jetzt flammt die Diskussion um Sinn und Unsinn der Campus-Maut wieder auf.

Und die Rektoren der großen Münchner Hochschulen sind sich keineswegs einig.

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Als im Herbst 2013 auch in Bayern die Studiengebühren fielen, schien das Thema endgültig vom Tisch zu sein. Doch jetzt flammt die Diskussion um Sinn und Unsinn der Campus-Maut wieder auf. Und die Rektoren der großen Münchner Hochschulen sind sich keineswegs einig.

Von Angelo Rychel

In sieben Bundesländern gab es einst Studiengebühren, doch ein Bundesland nach dem anderen hat die Beiträge in den vergangenen Jahren wieder abgeschafft. In Bayern wurden sie zum Herbst 2013 von der einst so gebührenbegeisterten schwarz-gelben Staatsregierung gekippt, nachdem ein Volksbegehren erfolgreich gewesen war. Eine Schmach bei einem Volksentscheid wollte sie sich ersparen. Doch nun flammt die Diskussion über Sinn und Unsinn einer Campus-Maut wieder auf. „Die Hochschulen sind jetzt schon völlig unzureichend ausgestattet“, sagte Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), in einem Interview. Er spricht sich daher dafür aus, Studiengebühren wieder einzuführen.

An den Münchner Hochschulen trifft dies auf unterschiedliche Reaktionen. Bernd Huber, Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), hält wenig von Hipplers Vorstoß. „Die Diskussion über Studiengebühren hat in den vergangenen Jahren viel Unfrieden gebracht“, sagte Huber unserer Zeitung. Bürger und Politik hätten sich eindeutig gegen Studienbeiträge ausgesprochen. „Man muss jetzt mal Ruhe einkehren lassen.“ Er sehe auch niemanden, der in der bayerischen Politik momentan diese Diskussion führen wolle. Die LMU etwa nahm über die Studiengebühren (500 Euro pro Student und Semester) 30 Millionen Euro jährlich ein. Seit dem Wegfall der Gebühren schließt der Freistaat die finanzielle Lücke. Er sei mit der Kompensationszahlung durch den Staat „vollauf zufrieden“, sagt Huber. Zumindest für den Moment. Der LMU-Chef hat wohl auch die steigenden Studentenzahlen im Kopf, wenn er sagt: „Es kann aber sein, dass wir in ein paar Jahren die Diskussion über Studiengebühren wieder führen müssen.“

Sein Kollege Wolfgang A. Herrmann glaubt ebenfalls, dass die Studiengebühren-Debatte zurückkommen könnte – aber nicht in absehbarer Zeit. Dabei galt Herrmann immer als Verfechter der Beiträge – und ist es auch noch heute. „Für die Studierenden ist das Studium mehr wert, wenn sie zahlen. Und sie fühlen sich verbundener mit ihrer Universität“, sagt er. Den Vorstoß der HRK begrüßt er grundsätzlich. „Aber sie hätte sich früher positionieren müssen.“

HRK-Präsident Hippler hatte sich für ein Modell nachgelagerter Studiengebühren ausgesprochen. So soll sichergestellt werden, dass niemand am Studium gehindert wird, weil er sich die Studiengebühren nicht leisten kann. In diesem Konzept kostet das Studium selbst nichts, gut verdienende Absolventen sollen aber im Nachhinein einen kleinen Anteil ihres Einkommens zahlen müssen, bis die Summe abgestottert ist.

Solch einem System steht Michael Kortstock, Präsident der Hochschule München, „durchaus aufgeschlossen“ gegenüber. „Wichtig ist, dass die Gebühren sozialverträglich sind.“ Aus Sicht der Hochschule hätten die Studienbeiträge einige Vorteile gehabt. So sei der Wille, sich einzubringen, unter den Studenten viel ausgeprägter gewesen: „Wer zahlt, will mitbestimmen.“ Die Studienbedingungen hätten sich zudem deutlich verbessert, etwa durch zusätzliche Tutorien oder moderne Ausstattung. Zwar kompensiere der Freistaat nun die entfallenen Gelder. „Dadurch sinkt aber auch die Flexibilität, wofür wir das Geld einsetzen dürfen.“ Wie Hippler sieht auch Kortstock eine Voraussetzung für eine Wiedereinführung von Gebühren: „Wir brauchen eine bundesweite, verlässliche Regelung.“ Kortstock weiß aber, dass die Bundesländer sich kaum in ihre Zuständigkeit für das Hochschulwesen reinreden lassen werden: „Realistisch ist das nicht.“

Das bayerische Kultusministerium winkt auf Nachfrage ab. Das Volksbegehren, das Bezahl-Studium abzuschaffen, sei auf breite Resonanz getroffen, sagt Sprecher Ludwig Unger. „Die politische Entscheidung wurde getroffen – und zwar sehr eindeutig.“

HRK-Präsident Horst Hippler glaubt aber, die öffentliche Ablehnung von Studienbeiträgen werde sich ändern, wenn man sehe, wie an Hochschulen noch stärker gespart werden müsse. Wegen der angespannten Haushaltssituation werde auch die Politik umdenken.

TUM-Präsident Herrmann hofft, schon bald eine spezielle Studiengebühr einführen zu können: für Nicht-EU-Ausländer. „Diese Idee wird irgendwann greifen“, zeigt er sich sicher. So könnte die TUM das Angebot von Sprachkursen ausweiten und eigene Studentenbuden bauen. Mit Geld aus Gebühren, die eigentlich für immer vom Tisch schienen.

Mitarbeit: Felix Müller

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