„Napoleon, gepriesen werde dein Name“

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ein gedenkjahrzehnt geht zu Ende . München – 200 Jahre Bayern und Napoleon – ein Jahrzehnt der Gedenkfeiern geht zu Ende.

Zur Erinnerung: Mit der Erhebung des Königreichs Bayern 1805, eines Königtums von Napoleons Gnaden, hatte dieses Gedenk-Jahrzehnts begonnen. Zehn Jahre später, sozusagen als Abschluss, kann man auf das Jahr 1815 zurückblicken, als die Ära Napoleon endgültig endete und Bayern nach sieben Kriegen zu einer „europäische Mittelmacht“ (so der Historiker Wilhelm Liebhardt) gewandelt war. Wie ein Puffer schob sich Bayern fortan zwischen Österreich und Preußen. Bis auf die linksrheinische Pfalz und einige heute hessische Gebiete (das Herzogtum Salzburg musste wieder abgegeben werden) ist das Staatsgebiet seitdem dasselbe. Auf diese spannenden zehn Jahre blickt nun der bayerische Historiker und Napoleon-Fachmann Thomas Schuler in einer leicht verständlichen Darstellung zurück, die das Zeug hat, zum Standardwerk zu werden. Vergangene Woche hat er es im Bayerischen Hof vorgestellt. Schuler sagt, das moderne Bayern sei ohne Napoleon nicht denkbar. Zahlreiche Modernisierungsansätze – Verwaltung, Strafrecht, Gerichtsbarkeit – sind Napoleonischen Ursprungs. Ohne Napoleon hätte auch Bayerns genialer Verwaltungsreformer Montgelas nicht freie Hand gehabt – und ob es zur Säkularisisation gekommen wäre, ist auch fraglich. Der Franzosenkaiser war in Bayern zeitweise richtig populär, wovon auch ein leicht blasphemisches Vaterunser zeugt:

„Vater unser, der du bist Napoleon, gepriesen werde dein Name, zukomme uns ein Teil von Österreich, dein Wille geschehe wie in Frankreich, so auch in Bayern, gib uns den Frieden und vergib uns unsere Schulden von 1799, so auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in alte Versuchung, sondern erlöse uns von allen Österreichern. Amen.“

Dass hier Hass auf Österreich aufscheint, hatte seine Gründe. Denn – was heute kaum mehr jemand weiß – das Habsburgerreich hatte mehr als einmal seine Finger nach Bayern ausgestreckt, wie Schuler nachweist. „Ich werde Bayern verschlingen“, soll Kaiser Franz I. gesagt haben.

Doch die Begeisterung für Frankreich verblasste in den zehn Jahren von 1805 bis 1815 rasch. Schuler führt dafür zwei Gründe an: Zum einen verhängte Napoleon persönlich drakonische Strafen – unter anderem gegen den Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm, der für die Verbreitung einer franzosenkritischen Flugschrift vor ein Kriegsgericht kam und in Braunau erschossen wurde. Palm ist später zu einer Symbolfigur aller Frankreich-Feinde geworden – selbst Hitler erwähnte ihn in „Mein Kampf“. Wichtiger noch das zweite: Napoleons Truppen, die in Bayern mehrmals Krieg gegen Österreich führten, lebten aus dem Land – und die Klagen über die Freunde, die alles plünderten, sind lang. „Hat man, seit die Welt besteht, je so gefräßige Verbündete gesehen wie euch?“, schrieb Montgelas Gattin. dirk walter

Thomas Schuler

„Wir sind auf einem Vulkan“. Napoleon und Bayern, C.H. Beck Verlag, 24,95 Euro

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