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Nach Sichtungen im Kreis Garmisch-Partenkirchen

Gehört der Bär nach Bayern?

Ein Europäischer Braunbär. Auch im Freistaat Bayern gab es bis 1835 Populationen dieser imposanten Tiere. (Symbolbild)
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Ein Europäischer Braunbär. Auch im Freistaat Bayern gab es bis 1835 Populationen dieser imposanten Tiere. (Symbolbild)

Gleich zwei Mal tappte in Garmisch-Partenkirchen ein Braunbär in die Kamerafalle. Am 30. April bei Mittenwald im Kreis Garmisch-Partenkirchen und in der Nacht zum 2. Mai etwa 30 Kilometer entfernt in Ohlstadt, nur 500 Meter von der Wohnbebauung entfernt. Könnten die imposanten Tiere irgendwann hierzulande wieder heimisch werden? 

Von: Sabine Dobel und Wolfgang Hauskrecht

Garmisch-Partenkirchen – Braunbär Bruno, vor 16 Jahren aus Italien nach Bayern eingewandert, sorgte weltweit für Aufmerksamkeit. „Herr Bruno Is Having a Picnic“, beschrieb die „New York Times“ seine Brotzeiten mit Kaninchen, Hühnern und Schafen. Weil er zu dreist war, wurde er abgeschossen und endete ausgestopft im Museum.

Seitdem sind nur kurzzeitig einzelne Bären durch Bayern getappt: So streifte im Frühjahr 2020 ein Exemplar durch das Murnauer Moos im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Vermutlich ein Einwanderer aus dem italienischen Trentino. Probleme machte der Bär nicht.

Nun ist wieder ein Bär aufgetaucht. Zwei Mal wurde er fotografiert Am 30. April bei Mittenwald im Kreis Garmisch-Partenkirchen und in der Nacht zum 2. Mai etwa 30 Kilometer entfernt in Ohlstadt, nur 500 Meter von der Wohnbebauung entfernt. Könnten die imposanten Tiere irgendwann hierzulande wieder heimisch werden? 

Bayerns letzter Bär wurde 1835 erlegt

Auch im Freistaat gab es nämlich früher Braunbären. Ihr Ende kam 1835. Forstamtsaktuar Ferdl Klein schoss am Schwarzachenbach bei Ruhpolding den letzten bayerischen Vertreter. Gejagt wurde er auch andernorts, überleben konnte er in den dünn besiedelten Gebieten Europas. 17.000 bis 18.000 Exemplare gibt es heute, vor allem in Skandinavien und im Karpatenraum. In Bayern und Baden-Württemberg gebe es durchaus geeignete Gebiete für Bären, sagt der Wildtierexperte der Umweltstiftung WWF, Moritz Klose. „Dass sich in absehbarer Zeit eine große Population entwickelt, ist eher unwahrscheinlich.“

Ein Ansiedelungsversuch wie vor 30 Jahren in Österreich sei für Deutschland derzeit keine Option. „Ich glaube, es wird niemand auf die Idee kommen, Bären aktiv in Deutschland wieder anzusiedeln.“ Klar ist, dass nicht alle von wilden Bären begeistert wären. „Man sieht ja schon, dass es mit Wolf und Luchs Konflikte gibt“, sagt Klose. Allerdings sind Bären anders als Wölfe Allesfresser. Zu 75 Prozent ernähren sie sich von Pflanzen und haben nicht so oft Appetit auf Schafe, Ziegen oder Hühner. Und solange sie nicht lernen, dass es bei Menschen etwas zu fressen gibt, bleiben sie fern. Denn eigentlich sind Bären zurückhaltende Nachbarn. Der Mensch ist ihnen ziemlich egal. 

Nutztier-Risse sind bisher nicht bekannt

Putzig sieht der Bruno-Nachfolger aus, wie er sich frühmorgens vor einer Wildtierkamera im Gras wälzt. Leibhaftig hat ihn noch niemand gesehen, Nutztier-Risse sind bisher nicht bekannt. Am Samstag waren auf einer Weide bei Guglhör im Kreis Garmisch-Partenkirchen ein totes und zwei verletzte Schafe gefunden worden. Die Behörden schließen einen Bären als Täter aus, auch den Wolf. Vermutlich hatte ein großer freilaufender Hund gewildert.

„Der Bär verhält sich im Endeffekt genauso, wie man das gerne hätte: Er meidet alles, was mit Zivilisation zu tun hat“, sagt Christian Scheuerer, Bürgermeister von Ohlstadt, wo der Bär in die Fotofalle tappte. Auch die Behörden nennen den Bären bisher unauffällig. Der Bär hat ein gutes Image. In Fabeln gilt „Meister Petz“ als gutmütig und freundlich – im Gegensatz zu „Isegrim“, dem bösen und verfressenen Wolf. Aber nur putzig sind Bären nicht. Bruno fraß Schafe, stahl Honig, plünderte Hühnerställe, lief durch Orte. Am Ende stand die Abschussgenehmigung für das eigentlich geschützte Raubtier.

Sichtung eins: Am 30. April tappte der Bär bei Mittenwald im Kreis Garmisch-Partenkirchen in eine Fotofalle.

Eine große Population von mehr als 900 Bären, aber auch Wölfe und Luchse lebt laut der Umweltstiftung WWF in Slowenien. Dort ist man dem Bären laut Klose freundlicher gestimmt. Viele Jäger wollten sie gar nicht schießen, sondern lieber für Tourismus nutzen, etwa über Beobachtungsstationen.

Die zu Deutschland nächste größere Bärenpopulation lebt im italienischen Trentino etwa 120 Kilometer von Bayern entfernt. Dort gibt es derzeit etwa 60 Bären. Ein Wiederansiedelungsversuch von Bären Anfang der 1990er-Jahre im Osten Österreichs scheiterte. Die Population umfasste zwar zeitweise sogar mehr als 20 Tiere. Vor gut zehn Jahren war sie dann spurlos verschwunden. Wahrscheinlich nicht ganz von selbst: Nach dem Tod eines Jägers wurde bei der Witwe ein ausgestopfter Bär gefunden. Inzwischen leben in der Gegend wieder ein paar eingewanderte Tiere.

Sichtung zwei: In der Nacht zum 2. Mai klickte es erneut - nur 30 Kilometer entfernt bei Ohlstadt.

Einzelne Bären aus Italien oder Österreich könnten auch nach oder durch Bayern wandern, sagt ein Sprecher des Landesamts für Umwelt (LfU). Aber: „Anders als beim Wolf ist aufgrund fehlender Weibchen nicht davon auszugehen, dass sich ein dauerhaftes Bärenvorkommen in Bayern etablieren wird.“ Zudem seien die Lebensräume, die in Bayern für Bären infrage kämen, deutlich eingeschränkter.

Almbauern fühlen sich nicht bedroht – vorerst

Auch WWF-Experte Klose sagt: „Wenn es viele Siedlungen und Straßen oder auch Skigebiete gibt, sind das Faktoren, dass sich Bären eher nicht niederlassen.“ Sie brauchen Rückzugsräume vor allem für die Winterruhe. Auch Flüsse wie der Inn, Autobahnen und Schienen mögen beigetragen haben, dass nach „JJ1“ – der wissenschaftliche Name von Bruno – nur selten Bären nach Bayern gelangt sind.

Ob der im Frühjahr 2020 im Murnauer Moos aktive Bär derselbe ist, der nun fotografiert wurde, ist weiterhin offen. Noch suchen LfU-Experten in der Region nach Kot und Fellspuren des „Neuen“. Per DNA-Analyse ließe sich damit konkret bestimmen, woher das Tier stammt – und ob es doch schon einmal auffällig geworden ist. Unklar ist bisher auch, ob es sich um ein männliches oder weibliches Tier handelt. Meist wandern jedoch die halbwüchsigen Männchen. 

Almbauern sind per se skeptisch. Bei Wölfen stellen sie sich gegen eine Ansiedelung und fordern eine Lockerung des strikten Abschussverbots. Bei Bären sei man da zurückhaltender, sagt Hans Stöckl, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. Solange sie sich nicht an Weidetiere heranmachten, sei es kein Problem. „Grundsätzlich kann man sich den Bären schon vorstellen – solange er Pflanzenfresser bleibt.“ Und solange er allein ist. Eine größere Bärengruppe, „das würde schon problematisch werden“, sagt Stöckl.

Beim Schutz von Schafen und anderen Weidetieren gegen Bären fehle aber die praktische Erfahrung. Den neuen Bären in Oberbayern sieht Hans Stöckl erst einmal wohlwollend. „Solange er friedlich durch die Nacht trottet, vor der Kamera Gras frisst oder Pflanzen sucht, kann man dem Bären nicht böse sein.“ 

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