Musikalisches Leben in Pfarreien bedroht

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Kindergesang am Karfreitag in Tegernsee. Außerhalb von Gottesdiensten wird das Singen künftig teuer. Foto: Andreas Leder

Geschützte Musik öffentlich aufzuführen kostet Gema-Gebühren, dies gilt auch für die Kirche. Musik außerhalb von Gottesdiensten wird für katholische Gemeinden teuer, denn der bisherige Pauschalvertrag der Kirche mit der Gema gilt nicht mehr. Die Pfarreien sind in Sorge.

Ärger über Gema-Gebühren

Von Susanne Sasse

München – 30 Jahre lang galt ein Pauschalvertrag zwischen katholischer Kirche und der Verwertungsgesellschaft Gema. Nach diesem waren Musikaufführungen außerhalb von Gottesdiensten bis zu einer bestimmten Anzahl pauschal abgegolten für einen jährlichen Betrag von 45 Euro. Diesen will die Gema auf 75 Euro erhöhen – doch die katholische Kirche nahm dieses Vertragsangebot nicht an. Nun müssen die Gemeinden für jedes Lied oder Musikstück, das außerhalb eines Gottesdienstes gesungen, abgespielt oder aufgeführt wurde, bezahlen. Für aktive Kirchengemeinden könnte es sehr viel teuerer werden als bisher, wenn sich Kirche und Gema nicht doch noch einigen.

Ein Pfarrfest mit musikalischer Untermalung kostet eine Pfarrgemeinde im Schnitt 24 Euro, rechnet ein Gema-Mitarbeiter vor. Kommen Konzerte oder gar große Oratorien hinzu, dann können für die Pfarrgemeinden Kosten von 1000 Euro anfallen. Ob Kinderchor, Jugendfest, Seniorennachmittag, musikalischer Frühschoppen oder Konzert – für all dies müssen die Gemeinden eine Musikliste einreichen.

Es ist aber nicht nur der zusätzliche finanzielle Aufwand, der Monsignore Walter Waldschütz, den Pfarrverbandsleiter von Tegernsee, Sorgen macht. „Bei uns sind ja auch viele Ehrenamtliche engagiert, zum Beispiel die Eltern, die beim Kommunionsunterricht mitarbeiten, die stößt man vor den Kopf, wenn sie nun über jedes Lied nachdenken müssen“, sagt Waldschütz. Der Pfarrer sieht einen immensen Verwaltungsaufwand auf den Pfarrverband zukommen. „Wir bräuchten wohl einen zusätzlichen Mitarbeiter, der kontrolliert, dokumentiert und meldet.“ Scheitern die Verhandlungen tatsächlich, dann „würde das unsere Arbeit enorm einschränken“.

Der Weilheimer Pfarrer Engelbert Birkle ist froh, „dass der ganze Bereich der Gottesdienste von den Änderungen nicht betroffen ist“. In seiner Gemeinde sei die Zahl der Feste, die von der Änderung betroffen sind, überschaubar.

In anderen Pfarrgemeinden dagegen ist Musik ein ganz großes Thema. Etwa in Bad Tölz. Dort arbeitet Kirchenmusiker Christoph Heuberger seit 1989 an der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Heuberger ist entsetzt und hofft, man einigt sich noch, denn „Musik ist das Geld wert“ und zudem würden in Bad Tölz künftig weit mehr als 75 Euro anfallen. Dort gibt es einen aktiven Chor, der jährlich mehrfach auftritt, immer samstags kann man kostenlos ein kleines Orgelkonzert hören. Ob er dies alles so aufrecht erhält, wisse er nicht. „Vielleicht spiele ich nur noch Sachen, deren Komponisten vor mehr als 70 Jahren starben – und zeitgenössische Musik nur noch im Gottesdienst.“ Neben den Kosten missfällt Heuberger der Aufwand: „Ich investiere gerne Stunden in das Studium einer Partitur, aber nicht in die Dokumentation.“

Zudem könne er, sagt Heuberger, schon dieses Jahr gar nicht so dokumentieren, wie er müsste. Er wurde erst Ende Februar von der Neuregelung in Kenntnis gesetzt, dabei gilt sie seit 1. Januar. Der Kirchenmusiker spricht von einer „Nacht und Nebel-Aktion, normalerweise erfährt man so etwas im Voraus“. Er fürchtet die Folgen: „Ich denke, viele bislang sehr aktive Gemeinden machen den Riesen-Dokumentationaufwand nicht mit und sagen, dann tritt der Kinderchor eben nicht mehr auf.“ Heuberger erinnert daran, dass viele Menschen auch der Musik wegen den Weg in die Kirche finden. „Wer bei der Musik spart, der spart am falschen Ende.“

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