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„Vom Hyper-Alarmismus verabschieden“

Münchner Infektiologe: Corona jetzt harmloser als die Grippe

Gregor Paul (r), Oberarzt, hört in einem Patientenzimmer einer Covid-19-Station im Klinikum Stuttgart den Patient Konrad Krutsch ab. Es ist ein neues Phänomen: Die Corona-Pandemie verlagert sich stärker auf die Normalstationen der Krankenhäuser. Denn bei vielen Patienten wird das Virus zur Nebendiagnose.
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Gregor Paul (r), Oberarzt, hört in einem Patientenzimmer einer Covid-19-Station im Klinikum Stuttgart den Patient Konrad Krutsch ab. Es ist ein neues Phänomen: Die Corona-Pandemie verlagert sich stärker auf die Normalstationen der Krankenhäuser. Denn bei vielen Patienten wird das Virus zur Nebendiagnose.
  • Andreas Beez
    VonAndreas Beez
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Über zwei Jahre lang galt Corona als gefürchtete Krankheit - doch jetzt sei es Zeit, sich vom Hyperalarmismus zu verabschieden, sagt der Münchner Infektiologe Christop Spinner. Die Situation habe sich jetzt entscheiden verändert, meint er.

Mehr als 6,1 Millionen Menschenleben weltweit forderte Corona seit Ausbruch der Pandemie – sehr oft in Kombination mit anderen Leiden und Vorerkrankungen. Allein in Deutschland starben etwa 131 000 Menschen. Jetzt endlich verliert das Virus etwas von seinem Schrecken.

Der Münchner Infektiologe Christoph Spinner vom Uniklinikum rechts der Isar

Zu diesem Schluss kommt jedenfalls der Münchner Infektiologe Christoph Spinner vom Uniklinikum rechts der Isar. „Inzwischen ist Corona weit weniger gefährlich als die echte Virusgrippe“, sagte Spinner im Gespräch mit unserer Zeitung. „Es wird Zeit, dass wir uns vom Hyperalarmismus der vergangenen beiden Jahre verabschieden.“ Seiner Einschätzung nach hat sich die Situation im Kampf gegen die Pandemie seit Jahresbeginn entscheidend verändert. Er beruft sich dabei auch auf erste Studien aus England. „Während das Covid-19- noch vor gut einem Jahr etwa 20-mal so tödlich wie das Influenza-Virus war, ist es heute sogar weniger tödlich.“ Das hat zwei wesentliche Gründe: der hohe Anteil an Geimpften und Genesenen sowie die Omikron-Variante.

Omikron ist zwar hochansteckend, verursacht aber bei einer Infektion, anders als die Vorgängervariante Delta, nur in sehr seltenen Fällen schwere Verläufe. „Besonders gut gewappnet sind Gebooster-Geimpfte und GeimpftGenese, denn das führt zu einer höheren Immunkompetenz“, sagt der Infektiologe.

Da stellt sich die Frage: Wenn die Infektion mit dem Virus kaum noch krank macht, brauchen wir dann überhaupt noch eine Impfung? „Auf jeden Fall“, sagt Spinner und verweist auf die Situation in China. Dort sind 52 Millionen Ältere nach wie vor nicht vollständig geimpft, gerade mal 20 bis 30 Prozent haben einen Booster erhalten und sterben zunehmend an der OmikronVariante.

„Auch in Deutschland sind ältere und Menschen mit Vorerkrankungen weiterhin stärker gefährdet und sollten gut geschützt werden“, so Spinner. Gerade für die Jüngeren seien aber besondere Maßnahmen wie Maskenpflicht außerhalb der vulnerablen Bereiche oder gar Lockdowns nur noch schwer zu rechtfertigen. „Wir stehen am Übergang von der Pandemie zur Endemie. Jetzt ist es an der Zeit, auch in der Kommunikation darauf hinzuweisen, dass eine Infektion und eine schwere Erkrankung nicht mehr so deutlich miteinander zusammenhängen.“

Damit spielt Spinner auf die Warnungen vieler Kollegen und Politiker an, die unter anderem ihren Ruf nach der Impfpflicht mit der Angst vor einer Art Comeback von Corona als Killer-Krankheit begründeten. „Dass im Herbst wieder eine neue, wesentlich gefährlichere Variante auftaucht, ist zwar theoretisch möglich, aber ich halte dieses Szenario für nicht sehr wahrscheinlich. Allein schon deshalb, weil wir in Deutschland in der Allgemeinbevölkerung eine hohe Immunkompetenz durch Impfung und Genesung erreicht haben.“

Laut Bundesregierung sind rund 76 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft, fast 60 Prozent zusätzlich geboostert. Dazu kommen über 18,1 Millionen Genesene. Derzeit sind 4,1 Millionen Bundesbürger infiziert. Nach wie vor stecken sich täglich 175 000 Menschen mit dem Virus an.

Noch vor einem Jahr hätte dieser Wert den allermeisten Virologen vermutlich einen kalten Schauer über den Rücken gejagt. Das oberste Ziel war damals, die Infektions-Kurve möglichst flach zu halten, um eine Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern. Denn Infektions- und Erkrankungszahlen waren eng verknüpft, was sie heute nicht mehr so stark sind. Wegen einer Infektion kommen nur noch die wenigsten in die Klinik. Nur selten landen Covid-Patienten noch auf den Intensivstationen – ganz anders als in der ersten Phase der Pandemie, als die Kliniken vor einem personellen Kollaps standen und Patienten aus Bayern in andere, weniger stark betroffene Bundesländer verlegt wurden.

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