Im Münchner Erzbistum werden Abrechnungen ständig überprüft

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Erzbischof Stephan Burger muss in Freiburg aufräumen. Foto: dpa

Freiburg/München – Falsche Abrechnungen von Sozialbeiträgen im Erzbistum Freiburg sorgen für helle Aufregung in der katholischen Kirche in Deutschland.

Wie berichtet hat das Erzbistum jahrelang zu geringe Sozialabgaben gezahlt. Prüfer der Deutschen Rentenversicherung (DRV) waren im Mai auf die Unregelmäßigkeiten gestoßen. In Rede stehen bis zu 160 Millionen Euro, die von der Kirche für geringfügig Beschäftigte zu wenig abgeführt worden sind. „Bei uns ist das nicht der Fall“, sagte der Sprecher des Erzbistums München und Freising, Bernhard Kellner. Die Kirchenstiftungen würden ständig überprüft und überwacht. „Daher sind uns solche Vorgänge nicht bekannt.“

Während sich die katholische Kirche in Deutschland seit 2010, als der Missbrauchsskandal und vielfältige Vertuschungsversuche bekannt geworden waren, um Transparenz bemüht, ist man nun besorgt, dass der Fall Freiburg das Image erneut nachhaltig beschädigen könnte. Aus Kirchenkreisen ist zu hören, dass man sprachlos sei. Unterdessen bemüht sich das Erzbistum Freiburg um Schadensbegrenzung. Der seit 2014 im Amt befindliche Erzbischof Stephan Burger (vorher war von 2003 bis 2013 Robert Zollitsch Freiburger Erzbischof, der auch von 2008 bis 2014 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war) stellte sich gestern vor die betroffenen Mitarbeiter. Er kündigte an, das Bistum werde so schnell wie möglich alle finanziellen Schäden begleichen. „Für jeglichen Schaden, auch persönlichen, steht das Erzbistum ein und niemand anders“, betont er in einem Schreiben an alle Kirchenmitarbeiter. Betroffen sind nach ersten Erkenntnissen Mesner, Gärtner, Organisten oder Sekretärinnen, die auf 450-Euro-Basis angestellt sind. Intern hat der Freiburger Erzbischof eine „Taskforce“ eingerichtet, in der auch Wirtschaftsprüfer mit der Aufarbeitung des Skandals befasst sind. Bis zum Jahr 1999 zurück wird vorsorglich alles untersucht. Bei vorausgegangenen regelmäßigen Prüfungen waren die falschen Abrechnungen offenbar nie aufgefallen. Der Leiter der Finanzabteilung ist von seinem Amt entbunden.

Wie es heißt, hat sich das Bistum selbst an Finanzbehörden und Staatsanwaltschaft gewandt, weil zahlreiche Unregelmäßigkeiten in vielen Verrechnungsstellen auftraten. Im Freiburger Erzbistum gibt es 23 Stellen, die die Verwaltungsaufgaben für die 224 Seelsorgeeinheiten übernehmen. Andere Bistümer setzen bei der Abrechnung stärker auf zentrale Strukturen. Trotz der drohenden Nachzahlungen wird das Freiburger Erzbistum nicht in eine finanzielle Schieflage geraten. Die Diözese hat heuer einen Jahresetat von rund 620 Millionen Euro.   Claudia Möllers (mit kna)

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