„München steht vor dem Kollaps“

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Vier Milliarden Euro hat die Bahn für den Bau der zweiten Stammstrecke geplant. Doch etliche Bürger aus Haidhausen klagen noch immer gegen die neue Röhre, die unter ihren Wohnungen entlang laufen soll. Sie fürchten Lärm, Dreck und Beschädigungen. Und wünschen sich eine andere Verkehrslösung.

Prozess um zweite s-bahn-stammstrecke

von andreas thieme

Was den Nahverkehr in der Stadt angeht, hat Sabine Z. eine klare Meinung: „München steht vor dem Kollaps.“ Und ausgerechnet die zweite Stammstrecke sei die falsche Lösung. Grund genug für die Haidhauserin, die Deutsche Bahn zu verklagen – denn einer der geplanten Bahnhöfe, der sogenannte Haltepunkt Ost, soll genau unter ihrer Wohnung in der Weißenburger Straße gebaut werden.

Die Hoffnung ist ungebrochen, sagt Sabine Z., dass das nicht passieren wird. Seit November führt sie deshalb, wie etliche andere Kläger, einen Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH), wo die zweite Stammstrecke kollektiv angegriffen wird.

Insgesamt vier Milliarden Euro hat die Bahn für das Mammut-Projekt eingeplant, das 2026 in Betrieb gehen soll. Für viele die lang ersehnte Lösung gegen den täglichen Verkehrs-Infarkt. Doch nicht alle Münchner sehen den Bau positiv.

Vor Gericht behaupten die Kläger vor allem, der Schutz gegen Beeinträchtigungen wie Baulärm oder Erschütterungen infolge des geplanten Fahrbetriebs sei unzureichend. Außerdem seien die geplanten Baustellen zu nah an den Wohngebäuden. Wer lange auf sein Eigenheim gespart hat, will das vermeiden.

Sabine Z. und ihr Mann Andreas gehen aber noch einen Schritt weiter: Sie kritisieren, dass die sternförmige Fahrtstrecke der S-Bahn große Nachteile habe. „Man muss in die Stadt fahren, obwohl man eigentlich herauswill.“ Das sorge für zusätzliche Engpässe – eine Ringlösung müsse her. Bereits zum Prozessauftakt im November hatten andere Kläger diese Forderung geäußert.

Die zweite Stammstrecke hält Sabine Z. für das „schlechteste und teuerste Verkehrsprojekt für München“. Auch im europäischen Vergleich schneide die Landeshauptstadt mit dem aktuellen Bauplan schlecht ab, glauben die Kläger. Und fordern: Die Bahn sei verpflichtet, alternative Trassen zu prüfen.

Viele Wohnungseigentümer fürchten zudem Komplikationen mit dem Grundwasser. Ähnliche Probleme mit Setzungen hatte es etwa vor dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs gegeben. In Haidhausen, speziell am Orleansplatz und den Maximiliansanlagen, sollen die Tunnel in rund 40 Meter Tiefe entstehen. „Wir klagen für alle Münchner“, sagt Sabine Z. Gestern prüfte das Gericht 76 Beweisanträge und will am 21. Februar fortsetzen.

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