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Bahn lehnt Widerspruch ab

2,40 Euro zu wenig bezahlt, aber hundertfaches Bußgeld: Ist diese Strafe in Münchens S-Bahn gerecht?

Keine Gnade für die vier S-Bahn-Kunden, die die falsche Tarifzone gewählt haben.
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Keine Gnade für die vier S-Bahn-Kunden, die die falsche Tarifzone gewählt haben.
  • VonAndrea Stinglwagner
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Wie leicht kann man sich im Ticket-System des Münchner Verkehrs-Verbundes (MVV) und der Deutschen Bahn verfangen – und wie teuer kann das werden! Das zeigt diese Geschichte eines Ehepaars, das zu Besuch in Bayern ist.

München – Weil sie ein falsches Ticket lösten und 2,40 Euro zu wenig zahlten, müssen sie nun 240 Euro Bußgeld zahlen – das Hundertfache! Und die Bahn kennt keine Gnade.

MVV-Kontrolleur berechnet 240 Euro Bußgeld, Bahn lehnt Widerspruch ab

Lena M. und ihr Mann Bastian waren vergangene Woche aus Lübeck angereist, um ihre Tante Ursula und ihren Onkel Hubertus M. (76 und 82) in Fürstenfeldbruck zu besuchen. Am Donnerstag (12. Januar) wollten sie mit der S-Bahn von Buchenau nach München fahren. „Wir wollten das Valentin Karlstadt-Musäum und die Residenz besuchen.“ Am Fahrkartenautomaten erkundigten sich Lena und Bastian M. noch, in welcher Zone sie sich befanden, sahen auf der Karte, dass es Ring 3 ist.

Deshalb wählten sie ein Gruppen-Tagesticket mit der „3“ – im Glauben, dass darin auch die Zonen 1 und 2 enthalten sind. „Der Onkel und die Tante fahren nicht oft mit der Bahn, und wir sind mit dem System des Hamburger Verkehrsverbunds bekannt, wo man mit der 3 drei Ringe kauft, also in diesem Bereich inklusive des Kernbereichs herumfahren darf.“

Kontrolle in Münchner S-Bahn: „Sie fahren schwarz“

Touristen am Ticketautomaten. Die Verwirrung ist oft groß.

Ab der Station Puchheim ging ein Ticket-Kontrolleur durch den Zug. Und der sagte ihnen sofort: „Sie fahren schwarz.“ Schockiert fragte der 82-Jährige, ob sie das richtige Ticket nachlösen dürften oder an der nächsten Station aussteigen, um ein Ergänzungsticket zu kaufen.

Aber der Kontrolleur ließ sich nicht erweichen. „Sie können innerhalb von zwei Wochen Widerspruch bei der Bahn einlegen“, sagte er und überreichte ihnen einen Zettel: 60 Euro pro Kopf müssen sie zahlen…Die Vierergruppe kaufte sich noch einmal ein richtiges Ticket für 19,40 Euro. Widerspruch gegen die Strafe haben sie später versucht einzulegen – aber der wurde abgelehnt. 

Bahn-Sprecher: „Eine Frage der Fairness, alle Fahrgäste gleich zu behandeln“

Ein Sprecher der Bahn sagt zu dem Fall, grundsätzlich könne er gut nachvollziehen, dass eine Fahrpreisnacherhebung unangenehm für die Betroffenen ist. Und selbstverständlich stecke hinter der Fahrt mit dem falschen Ticket nicht immer böse Absicht. Aber: „Die Fahrpreisnacherhebung ist im vorliegenden Fall berechtigt, da die Fahrgäste keine gültige Fahrkarte vorweisen konnten. In solchen Fällen ist es auch eine Frage der Fairness unseren Kunden gegenüber, alle Fahrgäste gleich zu behandeln.“ 

Grundsätzlich benötige jeder einen für die jeweilige Fahrt gültigen Fahrschein. Der Blick auf Hamburg helfe dabei nicht: Die Tarifsysteme der Verkehrsverbünde in Deutschland unterscheiden sich voneinander. Deswegen informiere die Bahn vor Ort über die MVV-Tarife: „An allen Stationen gibt es Aushänge, die in einer Tabelle über die Preise der jeweiligen Zonen informieren. Auf den aushängenden Liniennetzplänen sind die Tarifzonen zudem farblich gekennzeichnet. Zusätzlich ist dort neben jeder Bahnstation auch die zugehörige Zone aufgeführt.“

Betroffene sind sauer auf Bahn

Der Bahnsprecher betont, an S-Bahnhöfen sei dieses Wissen für den Fahrkartenkauf gar nicht erforderlich. Denn alle Automaten würden die benötigten Zonen automatisch berechnen: Wer sein Fahrtziel eingebe, könne sich Fahrscheine mit der richtigen Zonenzahl anzeigen lassen. Auch die Bahn-Apps (wie DB Navigator) ermittelten die Zonen nach Eingabe von Start und Ziel automatisch.

Bastian M. ist trotzdem sauer: „Es wäre angemessen, wenn Bahn und MVV die Kulanz und Nachsicht bei Fahrgästen dokumentieren würden, die sie selbst tagtäglich von ihren Kunden einfordern – aufgrund von Verspätungen, Ausfällen und sonstigen Problemen.“

Bahn-Manager als Schwarzfahrer

Auch Ralf Gernhold, Technischer Leiter bei der DB-Vertriebszentrale mit Sitz in Frankfurt, hat sich im Münchner Tarifdschungel verirrt. Das erste Mal mit dem MVV in München unterwegs, hatte er zwar ein Ticket gelöst, aber offenbar das falsche. Prompt tappte er in eine Kontrolle: 60 Euro Strafe wegen Schwarzfahrens! Zwar habe er glaubhaft machen können, „in keiner illegalen Absicht“ schwarzgefahren zu sein. Schließlich hatte er korrekt abgestempelt – allerdings für eine nicht korrekte Zone. Konsequenz: Auch er musste 60 Euro zahlen.

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