Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Trotz Corona-Pandemie im Partyrausch

München hat ein Problem mit feiernden Menschen – Wäre eine Club-Öffnung die Lösung?

Abendstimmung im Englischen Garten
+
Der Englische Garten in München ist während der warmen Tage ein zentraler Treffpunkt für junge Menschen.

Mit dem Abflauen der Pandemie explodiert die Lebensfreude. Vor allem junge Menschen feiern, was das Zeug hält. Alkohol fließt – und die Hemmungen fallen. In München sorgt das für Probleme, besonders im Uni-Viertel. Die Stadt sucht nach Lösungen, Clubs bleiben aber dicht.

München – Warmes Bier aus Plastikbechern hat selten so gut geschmeckt. Der Englische Garten ist knallvoll, es hat 30 Grad. Es duftet nach Sonnencreme, einige treiben auf aufblasbaren Donuts durch den Eisbach. Fünf Spezl machen die Wiese zu ihrem Wohnzimmer, bauen einen zweieinhalb Meter langen Tisch für ein Trinkspiel auf. Aus einer Box tönen Rocksongs aus den 80ern. Lukas, 22, schaut erst zu seinem Kumpel Felix, dann visiert er die blauen Becher auf der anderen Seite des Tisches an. Plopp. Der Ball ist drin. Felix fischt ihn raus und zieht den Becher leer – so schreiben es die Bierpong-Regeln vor.

Ballermann im Englischen Garten, Straßenpartys an der Türkenstraße

„Es ist super“, sagt Lukas. „Wir sind vier Haushalte und müssen uns überhaupt keine Gedanken machen.“ Die Jungs studieren seit Oktober zusammen Wirtschaftsingenieurwesen. Trotzdem haben sie sich erst in den letzten Wochen richtig kennengelernt. „Wir sind fast alle extra fürs Studium nach München gezogen“, sagt Felix. Das Semester startete mit einem langen Corona-Winter in einer fremden Stadt. „Endlich können wir mal mit den Gesichtern aus der Online-Vorlesung ein Bier trinken.“

Lesen Sie auch: Bars und Clubs aus Rosenheim hoffen auf Öffnung im Herbst

Der Winter scheint jetzt wie vergessen. Noch immer finden alle Vorlesungen online statt – aber sobald der Laptop zugeklappt wird, zieht es die Studenten in Scharen Richtung Uni. Ballermann im Englischen Garten, wilde Straßenpartys an der Türkenstraße. Für die Jungs war das anfangs noch befremdlich. „Klar, da hat schon ein schlechtes Gefühl mitgeschwungen“, sagt Lukas. „Aber mit den Impfungen wird es besser.“

Die Dauerparty draußen nervt viele Anwohner

In den vergangenen Wochen ist das Uni-Viertel zum Hotspot für Party-Exzesse geworden. Vor allem an der Türkenstraße kommen Anwohner bis in die Morgenstunden nicht zur Ruhe. Müll, Dreck und Lärm machen viele Münchner sauer. Die Stadt ringt seit Wochen um Lösungen. Man will der Jugend den Spaß lassen – aber gleichzeitig die Belästigung der Anwohner in Grenzen halten.

Lesen Sie einen Kommentar zum Thema: Debatte um Club-Öffnungen – Das Nachtleben sollten Profis organisieren (Plus-Artikel)

Jetzt soll die Party verlegt werden. Die Ludwigstraße wird zur Feiermeile, wie bei der WM 2006. Zwischen Odeonsplatz und Siegestor soll der Verkehr an Wochenenden gesperrt werden, um das Feiern auf der Türkenstraße zu entzerren. Wann es losgeht, ist offen, weil noch am Konzept gefeilt wird. Keinesfalls aber an den kommenden beiden Wochenenden, wie die Stadt gestern bekannt gab. Die Idee hat dennoch vor allem bei Gastronomen und Club-Besitzern Kritik ausgelöst (siehe Kasten).

Gute Stimmung, gute Musik, gute Leute. Ich lerne jeden Tag neue Menschen kennen. 

Abiturientin Alexa, feiert im Englischen Garten und am Professor-Huber-Platz

Im Englischen Garten sonnen sich vier Mädels in Bikinis. Auf die neue Normalität stoßen sie mit Corona-Bier an. Daneben stehen eine Flasche Gorbatschow in einem Turnschuh und eine Beerenschorle zum Mixen. Der Wodka ist in der Sonne heiß geworden. Egal. „Seitdem das Wetter so gut ist, feiern wir jeden Tag“, erzählt Alexa, 18. Die Freundinnen haben vor ein paar Wochen ihre Abi-Klausuren geschrieben. Tagsüber geht es meist in den Englischen Garten, abends an den Professor-Huber-Platz an der Uni. „Da ist es immer super“, sagt Alexa. „Gute Stimmung, gute Musik, gute Leute. Ich lerne jeden Tag neue Menschen kennen.“

Lesen Sie auch: Heftiger Tornado wütet in Tschechien: Mindestens 200 Verletzte - drei Tote

Letzte Woche hat spontan ein DJ aufgelegt, erzählt ihre Freundin Taya. „Super viele Menschen haben getanzt. Wie ein kleiner Rave.“ Techno-Bässe und Aperol Spritz to go, bis die Sonne aufgeht. „Klar, es sollte nicht eskalieren“, sagt Ananya, 19. „Aber ich finde auch, man sollte ein wenig Verständnis für uns haben. Wir haben uns ja für die älteren Menschen zurückgehalten – jetzt kann man uns doch gönnen, dass wir einfach den Sommer genießen wollen, oder?“

Sobald es warm wird, zieht es die jungen Leute nach draußen

In der Maxvorstadt füllen sich ab 19 Uhr langsam die Bars. Kalte Drinks, Abendsonne. Sechs BWL-Studenten feiern im Schanigarten von „55 Eleven“ mit frisch gezapftem Paulaner ihre überstandenen Klausuren. „Endlich mal wieder das Leben nutzen“, sagt Ferdinand und nippt an seinem Bier. „In Bars trinken, essen gehen, das Leben wiederhaben.“ Aber nicht nur das Feiern hat gefehlt, meint Reinhard, von allen Reini genannt. „Einfach wieder Fußball und Tennis spielen. Oder in den Urlaub fahren.“

Bald fahren die Jungs nach Marbella. Die Vorfreude ist riesig. „Es ist schon komisch“, sagt Reini. „Sobald die Sonne scheint, kommt dieser Drang, sofort rauszugehen und etwas zu erleben. Ich bin jetzt 24. Mit 18 war das nicht so. Da konnte ich auch mal entspannt zu Hause bleiben.“ Jetzt nutze man aber jede Gelegenheit, um aus der kleinen Studentenwohnung zu fliehen.

Die Jugend macht die Stadt zum Club

„Die letzten Tage hier an der Türkenstraße waren aber schon gestört“, findet Ferdinand. „Als hätte es Corona nie gegeben. Extrem überfüllt.“ Trotzdem seien die Partys immer friedlich verlaufen, sagt er. „Die Polizei war da, hatte aber eigentlich nichts zu melden.“ Reini kann verstehen, dass Anwohner genervt sind. „Es ist definitiv sehr anstrengend. Ich wohne selbst um die Ecke.“ Ein paar Jungs widersprechen. Wer hier wohnt, hat sich das ausgesucht, heißt es.

Lesen Sie auch: Der letzte Sud: Mit 6000 Liter Bio-Dinkel-Weißbier endet die Unertl-Geschichte in Mühldorf

Club-Atmosphäre an der nächsten Straßenecke: Im Café Zeitgeist schlürfen Studenten scharfe Moscow Mules und rauchige Whiskey Sours. Vor der Trendbar warten Menschen in einer 20 Meter langen Schlange auf den Einlass. Sophie und Maria winken ihren Freunden auf der Terrasse zu, sie halten einen Tisch frei. „Das Schönste ist, seine Freunde wiederzusehen“, sagt Maria. „Leute, die man ein Jahr nicht gesehen hat.“

Als Corona ausgebrochen ist, hat sie Abitur gemacht. „Das war besonders blöd. Kein Abiball, keine Abifahrt. Dann hat die Uni angefangen, aber da konnte man keine Leute kennenlernen.“ Seit ein paar Wochen sind die beiden regelmäßig abends im Uni-Viertel unterwegs. „Es fühlt sich alles wieder ziemlich normal an. Jetzt müssen nur noch die Clubs aufmachen“, sagt Sophie. Bis dahin bleibt die Stadt ihr Club.

Mehr zum Thema

Kommentare