Mordprozess vor Landgericht in Memmingen

Mann gesteht Mord an seiner Frau - macht aber auch sie zur Täterin

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Gegen einen 51-Jährigen wird ein Prozess wegen Mordes vor dem Landgericht Memmingen geführt.

Ein Jahr lang hat ein 51-jährige Ehemann vor dem Landgericht Memmingen bestritten, seine Frau umgebracht zu haben. Jetzt hat er die Tat doch gestanden. Aber das ist nicht alles.

Memmingen - Ein Jahr lang hat ein 51-jährige Ehemann vor dem Landgericht Memmingen bestritten, seine Frau umgebracht zu haben. Jetzt hat er überraschend die Tat doch gestanden. Aber das ist nicht alles. Er gibt an, nicht nur der Täter, sondern auch ein Opfer gewesen zu sein.

Der 35-jährige Angeklagte gab an, dass seine Frau ihn mehrfach geschlagen und mit dem Tod bedroht habe. Sie habe außerdem seit Jahren eine Affäre mit einem anderen Mann gehabt. Laut Staatsanwaltschaft ist der Angeklagte allerdings selbst gewalttätig gegenüber seiner Frau geworden und habe nach einer Strafanzeige auch Kontaktverbot gehabt.

Mordprozess Memmingen: Bruder soll laut Staatswanwaltschaft geholfen haben

In einem Punkt sind sich beide Seiten einig: Auslöser war die neue Beziehung der 35-Jährigen Ehefrau. Der Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft zusammen mit seinem 60 Jahre alten Bruder die Tat geplant und durchgeführt haben. Die Männer sollten im Fall der Scheidung hohe Unterhaltszahlungen für die drei Kinder des Paares und die Ehefrau befürchtet haben. Dies hätte dann das Familienvermögen gefährdet. Der Angeklagte erklärte allerdings, dass sein Bruder nicht bei dem Verbrechen dabei war.

Mordprozess in Memmingen: Der Bruder des Angeklagten soll diesem geholfen haben.

Bei dem Angeklagten und seinem Bruder handelt es sich um deutsche Staatsbürger mit syrischer Abstammung, bei der Ehefrau um eine Syrerin. In Hinblick auf die kulturellen Abstammung behauptete die Staatsanwaltschaft, dass die Trennung auch der Ehre der Familie geschadet hätte. 

Der Angeklagte lebt seit 1989 in Deutschland und betrieb nach eigenen Angaben eine florierende Änderungsschneiderei. Seine Ehefrau heiratete er im Jahr 2000. Im August 2017 verschwand die 35-Jährige plötzlich spurlos aus der gemeinsamen Wohnung in Memmingen.

Die Polizei vermutete damals ein Verbrechen und durchsuchte verschiedene Gebäude. Zwei Monate später wurde die Leiche der Ehefrau in einem Schacht bei der Festhalle in Memmingerberg entdeckt. Die Frau wurde mit einem Kabelbinder erwürgt und ihre verpackte Leiche in dem Schacht mit mehreren Tonnen Bauschutt und Sand zugeschüttet worden.

Prozess in Memmingen: Angeklagter sei noch immer von seinem Verhalten schockiert

Laut Staatsanwaltschaft haben die Brüder die Ehefrau in eine Falle gelockt, um sie bei der Festhalle zu ermorden. Nach den Ausführungen des Angeklagten dagegen wollte sich dieser an jenem Tag in einem Restaurant mit seiner Frau versöhnen. Dann sei er zu der Halle gefahren, um dort in Ruhe mit ihr sprechen zu können. Die Frau sei wieder aggressiv geworden und habe auf ihn eingeprügelt. Deshalb sei er wütend geworden, habe ihr den Kabelbinder um den Hals gelegt und zugezogen. Sein Ziel sei gewesen, die Frau zum Schweigen zu bringen.

Der 51-Jährige sei nach eigenen Angaben über sein Verhalten noch immer schockiert. Er bedauere besonders, seinen Kindern die Mutter genommen zu haben. Zuvor hatte er seine Ehefrau allerdings beschuldigt, ihn immer wieder provoziert und angegriffen zu haben. Sie habe ihn nicht nur geschlagen, sondern auch Geld, Gold und Schmuck der Familie entwendet. Zudem soll sie zum ihm gesagt haben, er werde irgendwann nach dem Schlafen nicht mehr aufwachen.

Um herauszufinden, welche Geschichte stimmt, hat die Strafkammer weitere Verhandlungstage eingeplant. Das Urteil könnte am 21. Dezember verkündet werden. 

Ulf Vogler/dpa/lby

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