Der Monarch, der aus Liebe abdankte

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Kaum jemand hat das Antlitz Münchens so sehr geprägt wie er: König Ludwig I. von Bayern. Sein Todestag jährt sich – und doch wieder nicht, denn der König starb vor 150 Jahren in seiner Winterresidenz in Nizza in einem Schaltjahr – am 29. Februar 1868. Ein Datum, das es nur alle vier Jahre gibt. Bereits 20 Jahre vor seinem Tod hatte Ludwig die Königskrone abgelegt – nachdem seine Geliebte eine Revolution ausgelöst hatte.

Zum 150. Todestag von Ludwig I.

von lisa-marie birnbeck

„Regieren konnte ich nicht mehr, und einen Unterschreiber abgeben wollte ich nicht. Nicht Sklave zu werden, wurde ich Freiherr.“ Diese Worte schrieb Ludwig I. kurze Zeit nach seiner Abdankung am 19. März 1848. Mit seiner Märzproklamation vom 6. März, mit der er auf die Märzunruhen 1848 und den Sturm auf das Münchner Zeughaus vom 4. März reagiert hatte, wurde aus dem souveränen Königtum Bayern eine konstitutionelle Monarchie. Ein Modell, das gänzlich dem eigenen Herrscherbild Ludwigs widersprach.

Das dürfte jedoch nicht der einzige Grund für die Abdankung gewesen sein. Schließlich stand der damals 60-jährige Ludwig bereits davor stark in der Kritik, insbesondere wegen seiner Liaison zur rund 30 Jahre jüngeren Tänzerin Lola Montez.

Die Münchner Bürger machten sich anfänglich noch über ihren liebestollen König lustig. Auf Flugblättern waren Gedichte zu lesen wie: „Mir hat noch mein Leben ka Madl so g’falln, als wie dem bayerischen König sei spanische Schnall’n.“ Viele Geschichten erzählten sich die Münchner über die temperamentvolle Spanierin, hinter der in Wirklichkeit die Irin Eliza Gilbert steckte. Von der ersten Audienz beim König, bei welcher sie sich mithilfe eines Brieföffners das Mieder aufgeschnitten haben soll. Oder auch die zahllosen Ohrfeigen, die Lola in München bei den verschiedensten Gelegenheiten verteilte.

Was zunächst einmal wie die Liebesposse eines alternden Königs anmuten mag, erlangte in kürzester Zeit politische Dimensionen. Schließlich entließ Ludwig sein ganzes Ministerium, um die Adelserhebung seiner Favoritin durchzusetzen, und ein weiteres, weil die neuen Minister den gesellschaftlichen Umgang mit Lola verweigerten. Der Rigorosität Ludwigs fiel auch sein Innenminister Karl von Abel zum Opfer. Zehn Jahre lang hatten sie zusammen an der Rekatholisierung Bayerns gearbeitet.

Ludwig I. sah in der religiös-kirchlichen Erneuerung der bayerischen Bevölkerung eine wichtige Aufgabe seiner Regentschaft. Damit stand er im direkten Gegensatz zu seinem Vater, König Max I. Joseph (1756-1825). Dieser hatte 1802/1803 gemeinsam mit seinem Minister Maximilian von Montgelas (1759-1838) die Säkularisation durchgesetzt. Ludwig dagegen begriff sich selbst als frommer Christ, las zahlreiche religiöse Schriften und nahm seine kirchlichen Pflichten ernst. Während seiner Regentschaft gründete er 132 der aufgelösten Klöster neu. In der Wiederbesinnung auf Kirche und Religion sah der König den einzig erfolgversprechenden Weg, die Gesellschaft zu einer neuen sittlichen Identität zu führen.

Genau diese Sittlichkeit und das von ihm neu geschaffene katholische Lager in München wurden Ludwig I. nun zum Verhängnis. Denn gerade die neue Gefolgschaft sah die Liebschaft mit Lola Montez als Affront. Ebenso wie ein enger Vertrauter Ludwigs, der Architekt Leo von Klenze (1784-1864). Er schrieb darüber detailliert in seinen Memorabilien, die heute in der Klenzeana, seinem Nachlass in der Bayerischen Staatsbibliothek, aufbewahrt werden. Ein „unwürdiges Drama“ sei das Ganze gewesen, welches er als „Lola, die Hure, oder der von der Erotomanie befallene König Ludwig!“ betitelte. Für ihn war die „monströse Leidenschaft“ Ludwigs zu einer „verworfenen, venerischen, fast ausgepeitschten Hure“ unbegreiflich.

Klenze, der auch andere Liebschaften Ludwigs miterlebt hatte, erkannte schnell die Brisanz der Lage. Schließlich war Ludwig auch zum Spott des Auslandes geworden. Für Klenze musste es schon mit großen Glück zugehen, „um sich aus solcher Lage zu ziehen ohne moralische und physische Vernichtung“. Ein Opfer, das Ludwig bereit war einzugehen. Er soll Klenze gegenüber geäußert haben: „Ich will es, und sollte es mir die Krone und das Leben kosten.“ Das Leben hatte ihn seine Affäre zu Lola Montez nicht gekostet, jedoch Ansehen, Autorität und schlussendlich die Krone.

Als Ludwig I. nach Studentenprotesten am 9. Februar 1848 mit sofortiger Wirkung die Universität schließen und die Studenten der Stadt verweisen ließ, kochte die Stimmung in München über. Nach zwei Tagen musste sich der König der protestierenden Menge beugen und die Schließung rückgängig machen. Lola Montez wurde aus der Stadt gejagt. Nur zwei Wochen später war mit erneuten Protesten die Revolution in München angekommen.

Nach seiner Abdankung lebte Ludwig als Privatmann, förderte aus eigenen Mitteln weiterhin die Künste. Zu Lola Montez brach er 1849 den Kontakt ab, als er erfahren hatte, dass die Tänzerin in München weitere Liebschaften gepflegt hatte. Am 29. Februar starb Ludwig I. im Alter von 81 Jahren in einer Villa in Nizza. Er wurde in der Basilika St. Bonifaz in München bestattet.

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