SIEBENEINHALB JAHRE PSYCHIATRIE – VERGLEICH MIT FREISTAAT GESCHEITERT

Mollath will Haftentschädigung

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München – Das Psychiatrie-Opfer Gustl Mollath fordert vom Freistaat Schadensersatz für siebeneinhalb Jahre Haft in psychiatrischen Anstalten.

Ein Vergleich mit dem Freistaat sei aufgrund des zu geringen Angebots gescheitert, heißt es in einer Einladung zu einer Pressekonferenz, die am Donnerstag stattfindet.

Mollath saß von 2006 bis August 2013 in der Psychiatrie, zuletzt in Bayreuth. Heute lebt er in Niedersachsen. Nach Darstellung von Mollaths Anwalt, dem früheren FDP-Stadtrat Hildebrecht Braun, hat der Bundesgerichtshof 2015 entschieden, dass Mollath vom Freistaat Bayern zu entschädigen ist. Das bayerische Justizministerium hat einen Schadensersatz von maximal 170 000 Euro angeboten. Damit habe man „die Möglichkeiten des haushälterischen Zulässigen voll ausgeschöpft“, teilte ein Ministeriums-Sprecher gegenüber dpa mit. Mollaths Unterstützer sprechen von einer „Abfuhr sondergleichen“.

Mollath und Braun listen verschiedene finanzielle Verluste auf, die sich wahrscheinlich auf eine Millionensumme addieren. Als Maßstab könnte ein Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe dienen, das einem zu Unrecht in die forensische Psychiatrie eingewiesenen Mann 25 000 Euro für einen Monat Haft zugebilligt hatte. Unter anderem führt Mollath, der früher mit Luxusautos handelte, einen Nettoverdienstausfall für 90 Monate an, außerdem den Verlust seines Elternhauses in einem Nürnberger Villenvorort. Dazu kommen beispielsweise Schmerzensgeld „für siebeneinhalb Jahre Freiheitsentzug mit außerordentlichen seelischen Qualen“ sowie eine „Stigmatisierung quasi als Monster“. Details der Klage will Mollath zusammen mit Braun am Donnerstag vorstellen. Auch der bekannte Buchautor und Strauß-Kritiker Wilhelm Schlötterer wird Mollath unterstützen: „Ich will dem Mann zu Gerechtigkeit verhelfen“, sagt er.  dw

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