„Eine Kompanie drüber marschiert“

Trampeln Instagram-Touristen Bayerns Natur platt?

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Morgenstimmung am Barmsee: Die Idylle wird immer öfter von Instagram-Touristen gestört.

Was für Städte gut ist, ist für die Natur ein Problem. Beliebte Instagram-Reiseziele im Grünen leiden unter dem Ansturm der Selfie-Touristen. Lösungen werden gesucht.

Mittenwald - Johannes Holzer ging schon als Kind im Barmsee bei Mittenwald schwimmen. Im Sommer verbrachte er dort so viel Zeit wie möglich, suchte mit Freunden nach Krebsen und tauchte nach Muscheln. Mit der Luftmatratze stellte er Hechten nach. Wie Holzer in der Sendung Quer des BR berichtete, ist sein Sehnsuchtsort seit April in Gefahr. Damals postete der Fotograf ein Bild des Barmsees auf Instagram und erreichte eigentlich genau das, was er wollte: Den Menschen gefiel es. Die Konsequenzen der Online-Popularität konnte er sich damals allerdings noch nicht ausmalen.

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Abendstimmung am #barmsee

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Instagram-Touristen können zum Problem werden

Bei Instagram zeigt sich ein Trend, der manchen Bewohnern beliebter Reiseziele gar nicht passt. Teilt ein sogenannter Influencer, also ein Instagramer mit vielen Fans, ein Bild einer schönen Gegend, setzten seine Fans diese auf ihre Reise-Agenda. Weil auch sie wieder Bilder des Traumziels posten und andere Menschen dafür begeistern, vermehrt sich der Zustrom explosionsartig: Die Gebiete werden innerhalb kürzester Zeit förmlich überrannt.

Das Phänomen existiert weltweit. Unlängst wurde eine kanadische Sonneblumen-Farm zum Wallfahrtsort für Selfie-Fans. Vor der Farm gab es Kilometer langen Stau, tausende Influencer zertrampelten die Felder. Die Inhaber mussten die Polizei rufen. 

Ein Post des Hollywood-Stars Ashton Kutcher brachte sogar die Wirtsfamilie des Schweizer Berggasthauses Aescher zum Aufgeben. Nachdem Kutcher das idyllisch an eine Felswand geschmiegte Gasthaus seinen Instagram-Fans empfahl, tauchte dieses in allen möglichen Reisetipps auf. Die Betreiber konnten den Ansturm nicht mehr bewältigen und strichen entnervt die Segel.

Das Internet schafft damit ein ganz neues Problem: Ein paar Empfehlungen können einen blitzartigen Urlauber-Ansturm auslösen. Während sich Touristen-Ströme im analogen Zeitalter langsam entwickelten und so den lokalen Strukturen Zeit gaben, mit ihnen zu reifen, kann der Einfall fast über Nacht zum Problem werden.

Wird auch Bayern von Instagram-Touristen überrannt?

Natürlich sind diese Beispiele Extremfälle. Doch das Bild Holzers beweist: Auch jemand, der längst nicht so viele Fans hat wie Ashton Kutcher, kann Touristen anlocken. Inzwischen gibt es bei Instagram über 1700 Fotos, in denen der Barmsee markiert ist. Weil viele Nutzer ihre Bildern ohne Markierung hochladen und andere Besucher keine Bilder ihres Trips posten, dürften wegen Holzers Foto mehrere tausend Menschen an den Barmsee gepilgert sein.

In Städten sind Instagram-Touristen gerne gesehene Gäste. Rothenburg ob der Tauber lädt beispielsweise bekannte Influencer zu Führungen ein und freut sich über die Werbung bei einer jüngeren, sonst nur schwer erreichbaren Zielgruppe. Hotels richten gezielt gut fotografierbare Zimmer ein - und nehmen dabei auch Nachteile bei der Nutzbarkeit in kauf. 

In der Rangliste der beliebtesten Urlaubs-Orte Deutschlands ist Bayern gleich mehrfach vertreten. Ganz vorn dabei: München und das Oktoberfest. Das vertreibt zwar die Einheimischen von der Wiesn, bringt aber auch Geld. Kaputt macht es die Stadt immerhin nicht.

Instagram-Touristen kommen oft nur für ein Foto nach Bayern

Die Natur ist fragiler. Der Barmsee leidet bereits unter dem verhältnismäßig geringen Ansturm. Das Gras am Ufer ist platt getrampelt, wie Holzer bei Quer zeigt. „Wie wenn eine Kompanie darüber marschiert wäre.“ Am nahe gelegenen Geroldsee gebe es inzwischen mehr „Fotografen wie Schafe“, sagt der Fotograf. „Die fahren her, laufen rauf, machen das Foto und gehen wieder.“

Gegenmaßnahmen sind in Planungen. Die Modellregion Naturtourismus testet beispielsweise im Landkreis Miesbach Ideen, um den Touristenstrom zu steuern und in umweltverträglichere Bahnen zu leiten. Bis die Ansätze ausgereift sind, wird es allerdings noch einige Jahre dauern.

Fotograf Holzer steuert in der Zwischenzeit selbst gegen den Trend. Er verrät nicht mehr, wo er seine Bilder aufnimmt, sagt er im BR. „Da kommt sowieso nur ein Schmarrn raus, wenn alle hinlaufen.“

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