Mission unterm guten Stern

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München – Einmal im Jahr ist August Bauer (34) aus Freising König. Immer Anfang Januar.

Dann schnappt er sich Mantel, Krone und Stern und zieht mit seinen Mitkönigen los, von Tür zu Tür, sagt immer wieder diesen Königs-Spruch auf, immer wieder. Ab heute ist er aufs Neue in seiner Pfarrei St. Peter und Paul unterwegs, der Langzeit-Sternsinger, wie halt jedes Jahr – seit einem knappen Vierteljahrhundert.

Bauer ist wohl einer der standhaftesten Königs-Mimen im Erzbistum München und Freising. Das Gros derjenigen, die zur Zeit von Haus zu Haus ziehen, ist viel jünger als er – und natürlich viel unerfahrener. Heuer sind es 16 000 Kinder und Jugendliche in 616 Pfarreien des Erzbistums, die an der Aktion „Segen bringen, Segen sein“ teilnehmen. Sie sammeln für Flüchtlingskinder im südostafrikanischen Malawi – und in der ganzen Welt. Es gilt, den Sammelertrag aus dem vergangenen Jahr zu toppen – im Erzbistum waren es damals 2,38 Millionen Euro.

Tolle Sache, findet Bauer – wie auch die meisten Menschen, denen er bei seinen königlichen Streifzügen so begegnet. Die meisten reagierten positiv, sagt er. Ein paar wenige nicht. „Das sind Leute, die grad aus dem Bett gefallen sind oder mit der Kirche nichts zu tun haben.“ Manche hängen sogar direkt einen Zettel an ihre Tür: „Wollen keinen Besuch.“

Solche Zettel könnten heuer ein paar Türen mehr zieren als sonst. Zumindest in den deutschen Pfarreien, die 2013 ihre Erfahrungen mit der Kombination Kirche und Geld gemacht haben. Im Bistum Limburg zum Beispiel. Die Affäre um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wirkt hier nach und zwar so weit, dass beim Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ Pfarreien angefragt haben, wie sie mit eventuellen Anfeindungen umgehen sollen. Ihnen soll jetzt ein Flyer helfen, der bei Bedarf an skeptische Bürger ausgeteilt werden kann. Mit Spenden-Siegel und der Garantie, „dass das Geld sicher und schnell zu den Hilfsprojekten in der Welt kommt.“

Auch in Bayern sind die Flyer zu haben. August Bauer, dessen königliche Dauermission seit sechs Jahren auch die Organisation des Sternsingens in seiner Pfarrei beinhaltet, glaubt aber nicht, dass er sie brauchen wird. Tebartz-van Elst sei schließlich lange nicht das größte Problem der Kirche und dass jemand ärgerlich reagiere, ein alter Hut. „Dann bleibt man gelassen, wünscht trotzdem einen guten Tag und geht.“

So wird es Bauer auch seinem zehnjährigen Sohn erklären, mit dem er heuer zum ersten Mal in einer Gruppe unterwegs ist. So ein Fall von Erbmonarchie ist ausdrücklich erwünscht – die Sternsingerschaft braucht schließlich konstant Nachwuchs.

Ein bisschen Motivation könnte die Pfarrei Heilig Kreuz in Dachau bringen. Eine Minidelegation aus ihren Reihen, zwei Buben und zwei Mädchen, fährt am kommenden Dienstag nach Berlin und wird dort zusammen mit Sternsingern aus den anderen 26 deutschen Bistümern von Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen. Die ultimative Krönung einer Königskarriere – sozusagen. mmä

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