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Initiative Sauerteig möchte Opfern sexualisierter Gewalt helfen

Missbrauchsopfer aus Garching und Engelsberg bekommen Unterstützung

Symbolbild Kindesmissbrauch
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In Garching war jahrzehntelang ein pädophiler Priester tätig.
  • Daniela Haindl
    VonDaniela Haindl
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In der Pfarrei Garching-Engelsberg arbeitete jahrzehntelang der pädophile Priester H. Die Initiative Sauerteig bietet nun Betroffenen Unterstützung dabei an, sich Recht zu verschaffen.

Garching an der Alz – Erst im Januar sorgte das Gutachten einer Münchner Anwaltskanzlei für Aufsehen: In einer Untersuchung zum sexuellen Missbrauch im Bistum München und Freising waren 497 Opfer erfasst worden. Seitdem haben sich weitere 42 Betroffene gemeldet, doch eine weit höhere Zahl an unbekannten Betroffenen wird angenommen.

Auch im Pfarrverband Garching-Engelsberg vermutet Rosi Mittermeier von der Initiative Sauerteig eine höhere Dunkelziffer. Derzeit sind vier Missbrauchsopfer aus der Zeit des Pfarrers Peter H. bekannt, der 21 Jahre lang Seelsorger in der Pfarrei war. Dass er bereits während seiner Zeit in Essen Jungen missbraucht hatte, war vertuscht worden. Obwohl Peter H. 1986 zu 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 4000 Mark Geldstrafe verurteilt worden war, durfte er bis 2010 sein Amt als Priester ausüben. Auch der emeritierte Papst Joseph Ratzinger soll Pfarrer H. gekannt, und sich nicht gegen dessen Einsatz ausgesprochen haben.

„Es bleibt herausfordernd, sich mit der Sache auseinanderzusetzen“

Der dickleibige, joviale Mann soll gutmütig und beliebt gewesen sein. Noch immer ist der Skandal auch über die Garchinger Gemeindegrenze hinaus präsent. „Peter H. war eine Person des öffentlichen Lebens“, erzählt Rosi Mittermeier. „Auch Leute, die in Distanz zur Kirche gegangen sind, beschäftigen sich noch immer mit der Thematik. Aber es ist und bleibt herausfordernd, sich mit der Sache auseinanderzusetzen.“

„Das Risiko, dass eine Missbrauchserfahrung das komplette Leben eines Betroffenen zerstört, ist groß“, berichtet Mittermeier. Erst in der vergangen Woche habe sie ein Gespräch mit einem der Opfer geführt: „Verdrängung ist typisch. Was es oft so schlimm für die Kinder macht, ist die Diskrepanz, dass es sich um einen ‚heiligen Mann‘ handelte und dass den Kindern nicht geglaubt wurde.“ Es sei durchaus typisch, dass sich Betroffene erst jenseits ihrer 40er über den Missbrauch bewusst werden. Bei der Anlaufstelle für Betroffene sexuellen Missbrauchs der Erzdiözese München und Freising hätten sich laut Mittermeier hunderte von Anrufern gemeldet. Teils handele es sich dabei um Betroffene, die bereits über 60 Jahre alt waren.

„Es ist schlimm, wenn man erst so spät versteht, warum das Leben so verpfuscht“, setzt Mittermeier nachdenklich an. „Man muss vorstellen, der durchschnittlich elf- bis zwölfjährigen Junge, der von Peter H. missbraucht wurde, war völlig auf sich allein gestellt. Es wurde suggeriert, dass das Kind Schuld ist. Dass es den Missbrauch selbst wollte, ihn provozierte, dass es lügt oder sich etwas einbildet. Dann folgt zuerst Schulversagen. Das Gefühl des Verlassenseins schlägt um in Aggression, Alkohol oder Drogensucht. Wenn so etwas im Jugendalter passiert, dann sind die Weichen für das Erwachsenenalter gestellt. Es ist zum Weinen.“

Unterstützung für Betroffene

Die Initiative Sauerteig möchte nun Betroffene dabei unterstützen sich Recht zu verschaffen, und das gegebenenfalls auch finanziell. Rosi Mittermeier bietet Missbrauchsopfern aus Garching und Engelsberg die Möglichkeit, eine E-Mail an initiative.sauerteig@t-online.de zu schreiben. Auch die Kirche hat inzwischen auf den Missbrauchsskandal reagiert und Priester, denen sexuelle Belästigung vorgeworfen wird, sollen nicht mehr länger versetzt oder im Amt gehalten werden. Auch den Opfern will die Kirche helfen und bietet nach einer Plausibilitätsprüfung eine sogenannte „Anerkennung des Leids“, nach einer Plausibilitätsprüfung, eine Geldsumme von 5000 bis 50.000 Euro.

Hochkarätige Referenten bei den Garchinger Präventionswochen

Bereits im Frühjahr 2020 gründete sich im Pfarrverband die Initiative Sauerteig, um mehr Licht in die Zeit von Parrer H. zu bringen. Impulsgeber war der neue Pfarrer der Gemeinde, Hans Speckbacher. Erst im vergangenen Jahr wurden die Garchinger Präventionswochen ins Leben gerufen, die dieses Jahr ab dem 25. Juni erneut stattfinden werden. „Wenn man die hochkarätigen Referenten hört, die dazu nach Garching kommen, dann glaubt das der ein oder andere nicht“, erzählt Mittermeier begeistert. So wird Schauspielerin Janette Rauch, Kommissarin bei Notruf Hafenkante für einen Poetry-Slam Workshop und einen „Clown-Worksho mit dabei sein, und auch der Präsident des deutschen Schriftstellerverbandes PEN, Josef Haslinger, wird lesen.

Der Arbeitskreis Prävention in Garching wächst beständig. „Es wirken viele Einrichtungen mit: die Grund- und Mittelschule, die Kitas und der Kreis erweitert sich ständig“, so Mittermeier. „Bei der Präventation geht es nicht darum, Kindern Angst zu machen oder sie mit Informationen zu überfordern. Es geht darum, den Kindern zu vermitteln, dass sie auch ‚Nein‘ sagen dürfen, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Und dass sie über ihre Erfahrungen mit jemanden sprechen dürfen.“

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