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Missbrauchsopfer auch in Garching

Pädophiler Pfarrer aus Kleriker-Stand entlassen: Wer kontrolliert ihn nun?

Der Priester H. wurde nun aus dem Klerikerstand entlassen.
+
Sexualisierte Gewalt in der Kirche.
  • Daniela Haindl
    VonDaniela Haindl
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In 35 Jahren hat Peter H. mindestens 29 Kinder teils schwer sexuell missbraucht. Zwei Jahrzehnte lang war er auch Seelsorger in Garching. Nun hat der Vatikan seine Priesterweihen annulliert.

Garching an der Alz – Am Montag verlor der ehemalige Gemeindepfarrer von Garching, Peter H. (74), auf eigenen Antrag den Klerikerstatus. Der Vatikan habe ihm den Schritt ans Herz gelegt. Mit dem Priesterstand verliert H. nun einen Teil seiner Altersbezüge. Doch Betroffene kritisieren das Vorgehen, denn der Priester könne nun nicht mehr vom Bistum kontrolliert werden. Auch der Betroffene Markus Elstner aus Gelsenkirchen fordert, dass Peter H. eine Fußfessel tragen und seinen Opfern Entschädigung zahlen solle.

Wie werden Kinder künftig vor H. geschützt?

Auch in Garching sieht man die Laisierung des Peter H. kritisch. Rosi Mittermeier von der Initiative Sauerteig in Garching meint, dass diese als höchste kirchenrechtliche Strafe lange überfällig war: „Warum sie vom Vatikan nicht bereits vor Jahren verhängt wurde und warum er sie selbst beantragt hat, sind berechtigte Fragen. Für Peter H. ist von es von Vorteil, dass die strengen Auflagen (Ausgangsbuch, wöchentliche Kontrollbesuche) seines Bischofs nun entfallen. Von Vorteil für den Vatikan wiederum ist, dass künftig nicht mehr von Priester H. gesprochen werden kann, wenn weitere Vorwürfe gegen H. kommen.“

Am wichtigsten sei nach Mittermeiers Meinung aber die Frage, wie Kinder künftig vor Peter H. geschützt werden. Das Bistum Essen bot Peter H. nun eine freiwillige Fortsetzung des deliktorientierten Coachings für zwölf Monate an. Und dies sogar auf Kosten des Bistums. Ob der entlassene Priester auf das Angebot eingeht, bleibt jedoch ungewiss.

Kinder teils schwer missbraucht

Die rund 30 Opfer des ehemaligen Priesters, die sich bisher zu den Taten von H. geäußert haben, berichten von teils schwerem sexuellem Missbrauch. Obwohl er sich bereits zwischen 1973 und 1979 an acht Jungen im Bistum Essen vergriffen hatte, wurde H. von der Kirche nur ins Bistum München/Freising versetzt und zu einer Therapie verdonnert. Trotz der Mahnung von Psychiatern und der Verurteilung durch des Amtsgericht Ebersberg im Jahr 1986 zu 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung, landete H. als Seelsorger in Garching an der Alz, wo er 21 Jahre lang aktiv war. Die Gemeinde war im Vorfeld nicht über die Vorgeschichte des pädophilen Pfarrers informiert worden.

2008, nachdem eines der Opfer Peter H. in Garching aufgespürt hatte, folgte ein Ermittlungsverfahren gegen ihn und die Enthüllung seiner Taten. Ab 2010 durfte H. dann nicht mehr als Pfarrer arbeiten. 2020 wurde das Münchner Missbrauchsgutachten veröffentlicht, das von der Erzdiözese München und Freising beauftragt worden war. Darin wurde untersucht, ob auch der emeritierte Papst und damalige Erzbischof Joseph Ratzinger in die Entscheidung eingebunden war, Priester H. zu versetzen. Der Verdacht bestätigte sich jedoch nicht.

Eine große Dunkelziffer an Missbrauchsopfern vermutet nicht nur Rosi Mittermeier aus Garching. Bis Juni waren bezüglich des Münchner Missbrauchsgutachten 42 weitere Meldungen eingegangen. In einer aktuellen Studie zu sexuellem Missbrauch im Bistum Münster gehen die Historiker von 6000 Missbrauchstaten seit den 50er Jahren aus.

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