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Betroffene des Missbrauchsskandals wollen nach Rom radeln

Missbrauchsbetroffene strampeln sich ab: „Kirche, bewegst du dich auch?“

Schatten eines Priesters mit Kreuz
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USA, Kanada, Irland, Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich ... nicht enden wollende Enthüllungen von Missbrauchstaten katholischer Priester.
  • Daniela Haindl
    VonDaniela Haindl
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Es soll sich etwas gegen sexualisierte Gewalt tun: Dafür wollen sich Betroffene auf ihrer Radpilgerreise nach Rom abstrampeln, welche jetzt auf das Frühjahr 2023 verschoben wurde. Während Betroffene auf eine Reform der Kirche hoffen, warten 70 Prozent der Kurie auf den nächsten Papst.

München – Sie strampeln sich ab und müssen dafür auch noch Geld zahlen: In 13 Tagesetappen, weil eine Gruppe Missbrauchsbetroffener eine Pilgerreise mit dem Fahrrad nach Rom antreten. Die Initiative wurde von Dietmar Achleitner, einem Mitglied des Betroffenenrats der Erzdiözese München und Freising sowie Robert Köhler von der Initiative „Wir wissen Bescheid“ angestossen. Vom 8. bis 21. September wollte die Gruppe für mehr Aufmerksamkeit und Prävention gegen sexualisierte Gewalt im Raum Kirche nach Rom radeln, um dort eine Audienz bei Papst Franziskus zu besuchen. Ihr Motto lautet: „Wir strampeln uns ab – Kirche, bewegst du dich auch?“ Die Radfahrt soll jetzt aus organisatorischen Gründen auf das kommende Frühjahr verschoben werden.

Betroffener äußert sich zur Aktion

Markus Elstner, selbst Betroffener des Garchinger Missbrauchs-Priesters Peter H. hat bislang nicht von der Aktion gehört, findet sie aber gut: „Man erregt damit Aufsehen und das finde ich klasse. Auch wenn es mir leidtut um die Menschen, die sich den weiten Weg antun müssen, um überhaupt Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Dabei bleibt es nicht allein bei der körperlichen Anstrengung der Reise: Zwar wird die Reise finanziell von der Erzdiözese unterstützt, die Teilnehmer müssen sich die Rückreise aber selbst organisieren und zahlen 839,30 Euro für Übernachtungen, Halbpension und den Gepäcktransport. Sie soll Gelegenheit zu Gesprächen untereinander und mit den Kirchengemeinden auf der Route nach Rom bieten. Wäre es nicht angebracht, dass sich die „Täterorganisation“ etwas mehr für die Opfer „abstrampelt“? Erst Anfang August verklagte ein Missbrauchsbetroffener das Erzbistum Köln auf mehrere Hunderttausend Euro Schmerzensgeld. Im Juni hat ein Betroffener aus Garching Klage gegen den früheren Papst Benedikt XVI. beim Landgericht Traunstein eingereicht. 

„Pädophile haben ‚draußen‘ nichts zu suchen“

Währenddessen spricht Papst Franziskus Klartext: Die Taten der Pädophilen seien „eine Ungeheuerlichkeit.“ Ein Priester könne nicht weiter Priester sein, wenn er missbraucht. „Das kann er nicht. Weil er krank oder ein Krimineller ist, ich weiß es nicht. Der Priester ist dazu da, die Menschen zu Gott zu führen und nicht, um sie im Namen Gottes zu vernichten. Null Toleranz. Und so muss es weitergehen“, sagte er in dem Interview mit TVI/CNN Portugal. „Ich leide unter Fällen von Missbrauch, die mir vorliegen. Ich leide, aber es ist notwendig, sich dem zu stellen.“ Der Betroffene, Markus Elstner, sagt dazu: „Das ist für mich selbstverständlich. Pädophile haben da draußen nichts zu suchen. Und schon gar nicht in der Kirche. Die gehören weggesperrt, denn sie sind tickende Zeitbomben. Sie haben weder in Vereinen, Schulen noch Kirchen – nirgendwo – etwas zu suchen.

Reformen der Kirche auf dem Weg?

Als Reaktion auf den Missbrauchsskandal wurde der „Synodale Weg“ der katholischen Kirche angestossen. Sowohl die kirchliche Machtstrukturen als auch die kirchliche Sexualmoral, die Lebensform der Priester und die Stellung der Frau in der Kirche sollen überprüft werden. Außerdem sollen Bischöfe künftig in einem Synodalrat gemeinsam mit Vertretern der Kirchenbasis wichtige Entscheidungen treffen. Die geplanten Veränderungen gefallen aber nicht jedem: Der Vatikan-Experte Marco Politi sprach von einem „schwelenden Untergrund-Bürgerkrieg in der katholischen Kirche“. Nur 20 Prozent der Kurie seien offen für den Papst. Zehn Prozent seien gegen ihn und 70 Prozent „warten auf den nächsten Papst“.

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