Klosterkirche Reisach bleibt offen für alle: Bauminister Reichhart weckt Hoffnungen

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Im September 1732 wurde der Grundstein für Kirche und Kloster Reisach gelegt.Die Menschen im Inntal hatten „ihre Karmeliten“ in kurzer Zeit schätzen gelernt und sind ihnen heute noch eng verbunden. Das Kloster wird aufgelöst und fällt an den Freistaat. Der hat Pläne mit dem Gebäudekomplex.
  • vonEva-Maria Gruber
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Gute Nachricht für die Gläubigen im Inntal: Die Klosterkirche in Reisach bleibt 2020 offen. Die Furcht, man werde im nächsten Jahr vor verschlossenen Türen stehen, hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Bayerns Bauminister Hans Reichhart weckte vielmehr Hoffnungen auf eine sinnvolle Nachnutzung.

Oberaudorf/Reisach – Die Klosterkirche Reisach bleibt weiterhin offen für alle. Mit dieser guten Nachricht eröffnete gestern Bauminister Dr. Hans Reichhart seine Stippvisite im Kloster Reisach – und weckte große Hoffnungen für die Zukunft des historischen Gebäudes.

Auf Einladung des CSU-Landtagsabgeordneten Otto Lederer kam der Minister ins Kloster und zeigte sich überaus beeindruckt.

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Besonders die Bibliothek hatte es dem Politiker angetan. „Ich liebe alte Bücher“, gestand er staunend vor den Bücherwänden, nicht ohne vorher verstohlen an den alten Globen gedreht zu haben. Lederer freute sich sehr, dass sich Reichhart vor Ort selbst ein Bild von der Immobilie machte, die dem Freistaat zum Jahreswechsel zufällt. Wie berichtet, wird das Kloster Reisach aufgelöst.

Die deutsche Provinz des Teresianischen Karmel hat ihr Nutzungsrecht an den Besitzer des Klosters, den Freistaat Bayern, zurückgegeben. Damit nimmt eine fast 300 Jahre alte Klostertradition ein Ende.

Bauminister Dr. Hans Reichhart beim Runden Tisch im Kloster Reisach: Es gilt, die Aufgabenfelder zu bündeln, die Nutzungsmöglichkeiten zu erörtern und eine gute Lösung zu finden. gruber

„Ihr nehmt uns ein Stück Heimat!“ Mit harschen Worten kritisierten die Gläubigen vor Ort die Entscheidung, sind ihnen doch die Patres ans Herz gewachsen. „Keine Angst“, beschwichtigte gestern der Bauminister im Pressegespräch. „Ich habe nicht vor, Irgendetwas zu profanisieren!“ Solange er im Dialog mit der Kirche sei, werde er das Gotteshaus nicht zusperren. Reichhart verwies damit auf die intensiven Gespräche mit der Erziözese, die im Hintergrund seit Monaten laufen.

Für eine Nutzung unter kirchlichem Hut

Nicht nur vertragliche Verpflichtungen müssten geklärt werden, auch mögliche Nutzungsfragen würden derzeit eingehend beleuchtet. Er favorisiere dabei eindeutig eine Nutzung „unter kirchlichem Hut“. Reisach sei schließlich nicht irgendeine Immobilie. Das Kloster sei vielmehr ein weithin sichtbares Zeichen des katholischen Glaubens beim Eintritt nach Bayern, unterstrich er weiter.

Der Minister, der im übrigen im nächsten Jahr das Amt des Landrats in Günzburg anstrebt, drängt spürbar auf Eile. Noch in diesem Jahr würden alle beteiligten Ministerien in einer Arbeitssitzung die Aufgabenfelder sichten, bündeln und einen. Es gehe dabei vor allem darum, den Förderrahmen abzustecken. „Wie kann der Staat eine künftige Nutzung flankierend unterstützen?“, müsse dabei unter anderem geklärt werden.

Auch Veranstaltungen im nächsten Jahr

Überaus offen zeigte sich der Minister auch hinsichtlich geplanter Veranstaltungen im nächsten Jahr, etwa Besinnungstage, Klosterfeste oder Konzerte. Auch hier werde man sicherlich zu einer tragfähigen Lösung kommen. „Wir verschaffen uns jetzt einen Überblick, was bei dieser großen Liegenschaft natürlich sehr umfangreich ist.“

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Bedeckt gab sich der Minister hinsichtlich der anstehenden Sanierungskosten, die besonders unter dem Gesichtspunkt der vertraglichen Regelungen mit der scheidenden Deutschen Provinz der Karmeliten zu betrachten seien.

Auch hier die Antwort des Ministers und seiner Referenten: „Wir prüfen!“ Er persönlich hätte nichts dagegen, den alten Vertrag weiterlaufen zu lassen, gestand er unter vorgehaltener Hand.

3000 Unterschriften für den Erhalt von Kloster Reisach

Landtagsabgeordneter Otto Lederer verwies im Gespräch auf die 300-jährige Geschichte des Klosters, das neben nicht nur Heimat für den Orden gewesen sei, sondern auch Raum für viele kirchliche und soziale Aktivitäten geboten habe. „Ich wünsche mir für die Menschen in Nieder- und Oberaudorf sowie im ganzen Inntal, dass dies auch in Zukunft möglich bleibt.“

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Er wie auch der zweite Bürgermeister von Oberaudorf, Alois Holzmaier, dankte allen Vertretern der kirchlichen und politischen Gemeinde, die sich insbesondere für die Kosterkirche engagierten, die ein wichtiger und nicht mehr weg zudenkender Anlaufpunkt in seelsorgerischen Belangen sei. Wie berichtet, wurden nicht nur über 3000 Unterschriften zum Erhalt des Klosters und zum Verbleib der Patres gesammelt, zudem setzten die Gläubigen auf das Gebet: Mehrmals wurde über 24 Stunden dafür der Herr bestürmt.

Gebremste Freude

Bei aller Freude bremste der Minister aber auch die Erwartungen ein: Man müsse sich schon im klaren sein, dass man am Schluss nicht wisse, ob die Verhandlungen um die weitere Nutzung am Schluss von Erfolg gekrönt seien. Bisher aber würden sie sehr gut verlaufen.

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