BILANZ ZUR NEUEN BAHNTRASSE

1,2 Millionen Fahrgäste haben ICE-Sprinter genutzt

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München – Berlin in weniger als vier Stunden: Mehr Fahrgäste als gedacht haben die neuen ICE-Sprinter genutzt. dpa

München – Der Start war holprig. Doch davon abgesehen zieht die Bahn nach den ersten hundert Tagen eine durchweg positive Bilanz zu ihrer neuen Schnellfahrtstrecke München – Berlin.

Knapp 1,2 Millionen Fahrgäste sind zwischen Landes- und Bundeshauptstadt hin und her gereist – das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.

„Unsere Züge sind zu 70 Prozent und damit überdurchschnittlich ausgelastet“, berichtet Fernverkehrsvorstand Birgit Bohle. Darauf hat die Bahn bereits reagiert und bei zwei ICE-Zügen am Wochenende die Sitzplatzanzahl verdoppelt. Und zum Fahrplanwechsel im Dezember will die Bahn ihr Angebot noch mal aufstocken. Die drei ICE-Sprinter, die täglich um 6, 12 und 18 Uhr in beiden Städten starten, werden dann um je zwei Sprinter um 8 und 16 Uhr ergänzt. Außerdem werde sich mit dem neuen ICE 4 Ende des Jahres auch die Kapazität erhöhen, betonte Bohle. In den neuen Zügen gibt es 830 Sitzplätze – eine Steigerung um zehn Prozent. „Mit beiden Maßnahmen erweitern wir das Platzangebot auf der Strecke um 3000 Sitzplätze pro Tag“, so Bohle.

Der Sprinter braucht von München nach Berlin regulär 3 Stunden und 55 Minuten. Anfangs konnte die Bahn dieses Versprechen allerdings nicht einhalten. Schon auf der ersten Rückfahrt von Berlin kam es zu Pannen. Auch an den nächsten Tagen folgten Verspätungen und Zugausfälle – statt mit rund 250 km/h durch die Republik zu rasen, mussten die Fahrgäste viel Geduld aufbringen. Man habe damals einen Krisenstab zusammengerufen, berichtet Bohle. Viele Verspätungen hatten mit den Dichtungen der Züge und dem starken Schneefall zu tun. „Wegen der Feuchtigkeit haben die Signale nicht mehr funktioniert.“ Die Bahn hatte die Züge zwar getestet, teilweise auch auf der neuen Strecke, betont Bohle. „Allerdings zu anderen Witterungsbedingungen.“ Diese Startschwierigkeiten sind inzwischen behoben. Die Pünktlichkeit liege nun bei etwa 90 Prozent und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt aller Fernzüge (80,4 Prozent), sagte Bohle zufrieden.

Die Bahn hatte sich als Ziel gesetzt, einen Marktanteil von 40 Prozent zu erreichen. Das hat sie inzwischen geschafft. 35 Prozent der Reisenden zwischen Berlin und München nutzen das Flugzeug, 15 Prozent das Auto, fünf Prozent Busse. Doch Bohle gab sich optimistisch, diesen Vorsprung noch weiter auszubauen: „Ein bisschen was geht noch.“

Auch das Streckenangebot will die Bahn Ende des Jahres weiter ausbauen. Es soll dann eine tägliche, direkte ICE-Verbindung Berlin – Nürnberg – Wien in unter acht Stunden geben. Freitags ist eine Verlängerung der Strecke ab Berlin bis an die Ostseeküste nach Warnemünde geplant. Und auch Ingolstadt und Augsburg sollen je eine zusätzliche Direktverbindung nach Berlin erhalten – mit einer Fahrtzeit von fünfeinhalb bzw. vier Stunden. 2019 sind zudem hundert zusätzliche Fahrten mit dem Nacht-ICE geplant. Katrin Woitsch

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