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Migrantenkinder haben schlechtere Zähne

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München – Die Kinder von Migranten und Flüchtlingen in Bayern haben deutlich schlechtere Zähne als deutsche Kinder.

Das zeigt eine Studie der Landesarbeitsgemeinschaft Zahngesundheit (LAGZ). Sowohl Milchzähne als auch bleibende Zähne seien wesentlich häufiger von Karies befallen und allgemein schlechter gepflegt. Lediglich elf Prozent der untersuchten sechs- bis siebenjährigen Kinder von Migranten hatten demnach ein naturgesundes Milchgebiss, bei der Kontrollgruppe mit deutschen Kindern waren es hingegen laut Studie über 60 Prozent.

Ebenfalls groß war der Unterschied bei den Elf- bis 13-Jährigen. In dieser Gruppe lag der Anteil mit naturgesunden Zähnen bei den Migranten zwar immerhin bei rund 34 Prozent, die deutsche Kontrollgruppe schnitt mit 62 Prozent allerdings noch immer deutlich besser ab.

Gleichzeitig seien die Zähne von Migrantenkindern deutlich schlechter versorgt. Der behandelnde Zahnarzt Imad Miskineh stellte fest, dass bei den untersuchten jugendlichen Migranten durchschnittlich nur 0,5 Zähne mit Füllungen versiegelt waren, bei den gleichaltrigen Deutschen waren es demnach hingegen 2,5 Zähne – und das bei gleichzeitig geringerem Kariesbefall.

Für die Studie untersuchte Zahnarzt Miskineh insgesamt 431 Migranten und Flüchtlingskinder in Bayern. Dazu besuchte er an 22 Grund- und Hauptschulen 35 sogenannte Übergangsklassen, in denen Migranten- und Flüchtlingskinder Deutsch lernen. „Einige der Kinder waren noch nie beim Zahnarzt“, berichtet er.

Für LAGZ-Vorsitzende Brigitte Hermann ist damit klar: „Die Flüchtlings- und Migrantenkinder bedürfen momentan unserer besonderen Aufmerksamkeit.“ Dabei gehe es zum einen darum, Aufklärung zu betreiben. „Wir müssen den Kindern beibringen, dass man seine Zähne putzen muss, und dass zu viele süße Getränke schädlich sind“, sagt Hermann unserer Zeitung. Auf der anderen Seite sei entscheidend, den Kindern die Angst vor dem Zahnarzt zu nehmen und sie in die Praxen zu leiten. Durch frühe Prävention ließen sich viele Kosten verhindern, die sonst für spätere Behandlungen fällig würden. „Wenn wir jetzt nicht vorsorgen, müssen wir in Zukunft mit einem sehr hohen Bedarf rechnen“, sagt Hermann. Auch Studienleiter Norbert Krämer, Chef der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde der Universität Gießen und Marburg, betont: „Um Folgeschäden wirksam vorzubeugen, ist es unbedingt nötig, dass die Kinder und Jugendlichen behandelt werden.“

LAGZ-Chefin Hermann betont zudem, auch wenn die untersuchten Schüler aus insgesamt 20 Ländern stammten, habe es sich nicht in erster Linie um Migranten aus außereuropäischen Ländern gehandelt. „Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen stammt aus dem osteuropäischen Raum.“ Sebastian Horsch

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