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Mein erstes Jahr als Lehrerin

Sie kann Mathe, Deutsch und Kunst, Musik, Sport und HSU. Aber manchmal ist sie auch einfach nur Mama – für 25 Kinder: die Grundschullehrerin Katharina Beyerle, 27, hat ihr erstes Jahr hinter sich. Ein Bekenntnis zum Lehrerberuf.

Eichstätt – In der Eichstätter Grundschule „Am Graben“ sind die Probleme vielleicht kleiner als an Münchner Brennpunkt-Schulen, aber es ist kein Heile-Welt-Gebiet. In der 4. Klassen sind die Kinder selbstbewusster als in der ersten Klasse, die Buben manchmal aufmüpfig und die Mädchen manchmal zickig. Alles kein Drama, aber mit Kuschelpädagogik kommt man da auch nicht weit. „Ich habe meine Regeln, und die setze ich auch durch“, sagt die Lehrerin Katharina Beyerle. Sie hat ihr erstes Jahr als Vollzeit-Lehrerin hinter sich. Geschafft, durchschnaufen.

25 Kinder, 18 Buben und sieben Mädchen, hat Katharina Beyerle durch das vierte Schuljahr geschleust. Das gefürchtete vierte Jahr – der Übertritt. Dass die Eltern da mit den Hufen scharren, hat man auch in Eichstätt gespürt. „Der Kontakt zu den Eltern war enorm, Sprechstunden, Telefongespräche zuhauf – gerade im Vergleich zur 3. Klasse“, sagt die Lehrerin. Der Leistungsdruck war spürbar und vom Kultusministerium vorgegeben: 22 Proben als Richtwert – Katharina Beyerle hat sich lieber mal dran gehalten. Es ging gut, sehr gut sogar. Flüchtlingskinder gab es in ihrer Klasse nicht, wohl aber Kinder mit ausländischen Eltern, aus der Türkei zum Beispiel oder Bulgarien. Manchmal war es hier mit der Sprache schwierig. Aber dennoch waren die Leistungen der Klasse überdurchschnittlich. Jeder zweite Schüler (mehr als im bayernweiten Schnitt) hat die Berechtigung, aufs Gymnasium zu wechseln. Einige Mädchen, so weiß die Lehrerin, verzichten dennoch – sie gehen lieber in die Realschule.

„Erziehen gehört zum Lehrerberuf“, sagt Katharina Beyerle. „Aber Elternersatz würde ich nicht sagen, ich bin eine Bezugsperson.“ Durchaus mit Respekt. „Die meisten Siezen mich“, sagt die Lehrerin. „Aber wenn ein Du rausrutscht, ist das auch kein Problem.“ Sie ist stolz, ohne drakonische Strafen ausgekommen zu sein. Keine Verweise, keine blauen Briefe – heile Welt in Eichstätt, Am Graben Nummer 9-11. Nicht ganz – einmal musste Katharina Beyerle einem Schüler ein Smartphone wegnehmen. Diese Handys, seufzt sie. „Kein Kind braucht eigentlich ein Handy“, und schon gar nicht im Unterricht. Na ja, nach Schulschluss bekam es der Sünder zurück.

So zufrieden Katharina Beyerle mit ihrem Schuljahr auch war, so gibt es doch Verbesserungsideen. Die Ausbildung zum Beispiel. Referendare müssen perfekt durchgeplante „Vorführstunden“ vor Schulräten abhalten, in denen jedes Detail sitzt und das Unterrichtsthema auf die Minute genau abgearbeitet wird. So läuft Unterricht unter Realbedingungen natürlich nicht. Wäre ja auch langweilig. „In Wahrheit muss man flexibel sein, auch mal fünf Minuten dranhängen können, wenn der Stoff nicht so sitzt“, sagt Lehrerin Beyerle. Das Klassenlehrerprinzip sei ja gerade das Gute an der Grundschule. Improvisieren ist nicht alles, aber ohne Improvisieren ist alles nichts.

Im neuen Schuljahr bekommt Katharina Beyerle eine erste Klasse. Schulstarter, mit denen die Schule etwas vor hat: Sie wagt Neues, ist jetzt bilinguale Versuchsschule – mit Englisch als (fast) gleichberechtigter Unterrichtssprache. Da die Lehrerin das Fach Grundschul-Englisch studiert hat, ist sie für diese Aufgabe wie geschaffen.

Ja, sagt die Lehrerin, es war ein gutes Jahr. Aber ihre Kinder, die werde sie vermissen.

Aufgezeichnet von Dirk Walter

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